Chronologie

20. September 2017 03:27; Akt: 20.09.2017 03:33 Print

Mexikos tragischer 19. September

Zum zweiten Mal bebt die Erde in Mexiko an einem 19. September in dramatischer Stärke.

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In Mexiko sind bisher knapp 300 Menschen dem Erdbeben zum Opfer gefallen: Ein Helfer fordert mit dem Handsignal alle auf, ruhig zu sein. Nur so kann man die Rufe von Verschütteten hören. (22. September 2017) Auch ein Hund konnte gerettet werden. Zahlreiche professionelle Retter und Freiwillige, versuchen noch Überlebende aus den Trümmern zu bergen: Arbeiten bei einem eingestürzten Haus in Mexiko Stadt. (20 September 2017) Ein eingestürztes Haus in Mexiko Stadt. Die untersten Stockwerke dieses Hauses in Mexiko Stadt sind in sich zusammengefallen. «Alle wollen helfen»: Freiwillige bringen Nahrung und fahren Waren zu den Helfern und Bauschutt weg: Szene in Mexiko Stadt. Freiwillige Helfer verteilen in der Hauptstadt Essen und Wasser. Anwohner suchen nach Namen von Verwandten und bekannten, die als vermisst gemeldet wurden. Arbeiter tragen eine Statue aus einer stark beschädigten Kirche in Tlayacapan. Ein Auto unter Trümmern in Jojutla de Juarez. Erdbeben fordert über 230 Todesopfer: Trauernde halten in der Santiago Apostol Kirche eine Wache für ihre elf verstorbenen Familienmitglieder. Zahlreiche Rettungsleute suchen nach weiteren Überlebenden in Mexico City. (20. September 2017) Eine weitere Person lebend gerettet: Helfer in Mexiko-City bringen ein Opfer auf einer Trage zur Sanität. (19. September 2017) Retter ziehen in der Nachbarschaft Condesa in Mexiko-City einen Mann lebend aus den Trümmern. (19. September 2017) Hunderte Rettungskräfte und Anwohner haben in Mexiko-Stadt bereits 50 bis 60 Menschen lebend aus den Trümmern gezogen: Helfer suchen in einem eingestürzten Gebäude der Nachbarschaft Colonia Obrera in Mexiko-City nach Überlebenden. (19. September 2017) Im Süden von Mexiko-Stadt ist die Primarschule Enrique Rébsamen eingestürzt – bereits wurden 30 Leichen aus den Trümmern geborgen, 26 davon waren Kinder: Retter suchen am Dienstagabend (Ortszeit) noch nach 30 vermissten Kindern und 8 Erwachsenen. (19. September 2017) Die Nacht ist hereingebrochen: Eine zusammengestürzte Bar in der Stadt Juárez. (19. September 2017) Retter suchen nach Überlebenden in Mexiko-Stadt. (19. September 2017) Herunterfallende Ziegelsteine zerstören Autos in der Stadt Puebla. (19. September 2017) Allein in der Hauptstadt sind über 100 Menschen gestorben: Sicht auf ein eingestürztes Gebäude in Mexiko-Stadt. (20. September 2017) Eine Schule ist eingestürzt und hat Kinder unter sich begraben: Rettungskräfte suchen nach den Verschütteten. (19. September 2017) Ein Blick aus der Vogelperspektive zeigt weitere eingestürzte Gebäude. Rettungskräfte und Freiwillige suchen nach Überlebenden. Am Jahrestag vom Erdbeben von 1985 bebte es erneut in Mexiko: Rettungskräfte bergen einen Mann aus den Trümmern. (19. September 2017) Unzählige Gebäude in Mexiko-Stadt sind eingestürzt. Auch zwei Gefängnisse mussten evakuiert werden. Blick vom Torre Latina in Mexiko-Stadt auf die eingestürzten Gebäude. Erinnerungen an das heftige Erdbeben von 1985: Eine weinende Frau versucht in Mexiko-Stadt, ihre Angehörigen zu erreichen. (19. September 2017) Frauen auf den Strassen von Mexiko-Stadt. Helfer tragen eine verletzte Frau aus den Trümmern eines Gebäudes. Eine verletzte Person wird auf einer Bahre transportiert. Erdbeben der Stärke 7,1: Ein von einer herabstürzenden Säule zerquetschter Porsche in Mexiko-Stadt. Menschen durchsuchen die Trümmer eines zusammengestürzten Gebäudes. Ausgerechnet heute fand in Mexiko-Stadt eine Erdbeben-Übung statt: Menschen proben hier für den Ernstfall. (19. September 2017) Und dann bebte es tatsächlich: Ein zusammengestürztes Gebäude in Mexikos Hauptstadt. Ein Mann sucht in einem Gebäude Schutz. Beschädigte Hausfassade. Menschen untersuchen den eingestürzten Teil eines Hauses. Menschen während der Übung in Mexiko-Stadt. Die Übung fand anlässlich des schwersten Bebens in der Geschichte Mexikos statt. Dieses hatte vor genau 32 Jahren fast 10'000 Menschen das Leben gekostet.

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Es ist 13.14 Uhr mittags, die Menschen fahren in den Liften der Bürohäuser zum Mittagessen nach unten. Plötzlich bebt die Erde, Aufzüge bleiben stehen. Panik. Menschen schreien. Die Wolkenkratzer in Mexiko-Stadt schwanken hin und her, einige Gebäude stürzen ein, Fassadenteile fallen wie Karton auf die Strassen. Wer kann, rennt so schnell es geht nach draussen, weg von den Häusern.

Es ist ein gespenstisches Bild, als das Beben der Stärke 7,1 nachlässt. Rauchschwaden hängen über der Skyline, Staub liegt in der Luft. Zwei Stunden zuvor fanden noch grosse Evakuierungsübungen in Büros, Schulen und Spitälern statt. Denn es ist der Jahrestag des «Jahrhundertbebens» vom 19. September 1985, als rund 10'000 Menschen starben. Nun wird aus dem Testfall plötzlich bitterer Ernst.

Schwer beschädigte Spitäler müssen evakuiert werden, unter freiem Himmel, werden Verletzte mit Infusionen versorgt. Bewohner sind zum Teil in brennenden Häusern eingeschlossen. Überall liegen Menschen in den Trümmern, mit blossen Händen wird gesucht.

Freiwillige packen an

«Meine Familie wohnt in diesem Gebäude», schreit eine Frau. «Ihre Namen sind nicht auf der Liste, sie stehen da nicht drauf», ruft sie verzweifelt, als sie eine Liste mit 16 geretteten Menschen liest. «Wir wissen nicht, wie viele noch in den Trümmern sind», sagt eine Polizistin auf der Avenida Nuevo León zu ihr. Vier Lastwagen mit Rettungskräften kommen angefahren, Freiwillige packen überall mit an.

Staatspräsident Enrique Peña Nieto hatte noch wenige Stunden zuvor in einem Trauerakt an die Opfer von 1985 erinnert, nun überfliegt er im Helikopter die schwer getroffene Hauptstadt. Er muss ahnen, dass die Opferzahl sehr hoch sein könnte. Stündlich steigt die Zahl der Toten an. Gerade in eingestürzten Hochhäusern ist es ein Rennen gegen die Zeit.

Mexiko befindet sich in einer der aktivsten Erdbebenzonen – gegen die Kraft der Natur lassen sich kaum absolut erdbebensichere Hochhäuser bauen. Das Zentrum lag rund 120 Kilometer südöstlich bei Axochiapan. Erst vor knapp zwei Wochen bebte die Erde, damals lag das Zentrum im Pazifik, rund 100 Menschen starben, vor allem im Süden des Landes. 1985 lag die Stärke bei 8,1 und suchte ebenfalls die Hauptstadt heim.

Eine Übersicht über die verheerendsten Erdbeben in Mexiko seit dem Jahr 1985:

  • 19./20. September 1985:Gleich zwei Erdbeben, eines davon mit einer Stärke von 8,0, erschüttern den Westen des Landes. Allein in Mexiko-Stadt reissen die Erdstösse 9500 Menschen in den Tod.
  • 9. Oktober 1995:Gebiete rund um die Hafenstadt Manzanillo am Pazifik werden von einer Erschütterung (8,0) heimgesucht. Mindestens 51 Menschen sterben.
  • 30. September 1999:Dieses Mal trifft es den im Süden gelegenen Staat Oaxaca. Ein Beben der Stärke 7,5 kostet mindestens 20 Menschen das Leben.
  • 21. Januar 2003:Der Westen und Zentralmexiko werden von einem Erdstoss der Stärke 7,8 erschüttert. Mindestens 28 Menschen werden getötet, 10 000 Menschen - darunter vor allem im Staat Colima - sind obdachlos.
  • 7. September 2017:Ein Beben an der Südküste Mexikos hat die Stärke 8,1. Es reisst mindestens 90 Menschen in den Tod und zerstört Tausende Gebäude.
  • 19. September 2017: Mit einer Stärke von 7,1 sorgt ein Erdstoss für heftige Erschütterungen in Zentralmexiko. Betroffen sind auch stark bewohnte Regionen in Mexiko-Stadt und Cuernavaca.

(roy/sda)