Experiment

25. August 2015 16:03; Akt: 25.08.2015 16:03 Print

Wandern wie Ötzi – solange es nicht regnet

Drei Steinzeit-Forscher wandern zwei Wochen lang durch Nordrhein-Westfalen. Alles geht gut – bis das Wetter umschlägt.

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Drei deutsche Steinzeit-Experten reisen in die Vergangenheit: Ausgerüstet wie vor 7000 Jahren wandern sie zwei Wochen lang von Detmold nach Bonn. Auf ihrer Reise verzichten die Forscher auf jeglichen neuzeitlichen Luxus, schlafen unter freiem Himmel und ernähren sich wie die Zeitgenossen Ötzis.

Womit aber Veronika und Marco Hocke sowie Lukas Heinen nicht rechneten: dass es ab und zu auch mal regnet. Bereits in der ersten Nacht sei es unangenehm geworden, gibt Sportlehrer Heinen zu. Kaum unterwegs, habe es begonnen, «heftig zu schütten». Völlig durchnässt klingelten sie am Sonntag vor einer Woche beim Archäologischen Freilichtmuseum und baten, im Trockenen übernachten zu dürfen.

Alles nass, unbequem und schwer

«Nichts war mehr trocken», sagt Archäologe Marco Hocke zum Nachrichtenportal LZ.de. Die nassen Fell-Rucksäcke seien «nicht mehr zehn, sondern etwa 25 Kilo» schwer gewesen. «Die Riemen haben auf die Schultern gedrückt und das Holz auf den Rücken — da hätte ich gerne meinen modernen Rucksack eingetauscht», meint der Forscher. Seine Frau Veronika ist Biologin und Krankenschwester. «Die Schuhe haben sich sehr gedehnt und waren schnell nicht mehr so bequem wie am Anfang», so ihre Erfahrung.

Aufgeben wollten die Steinzeit-Experten aber nicht: Sie machten ein Feuer mit Feuersteinen im jungsteinzeitlichen Langhaus des Museums und spannten eine Wäscheleine aus Naturmaterial im Raum, um ihre Felle zu trocknen.

Mit Ötzis steinzeitlichen Tupperwares unterwegs

«Zum Sammeln von Früchten unterwegs sind wir kaum gekommen, ich habe nur ein paar Brombeeren gegessen», erzählt Forscher Heinen. Der Regen sei einfach zu stark gewesen. Dramatisch war das nicht: Das Trio darf auf Proviant im Gepäck — Erbsen, Linsen und Gerstenflocken — zurückgreifen. Schliesslich machten die Menschen der Jungsteinzeit das auch so: «Als Ackerbauern und Viehzüchter hatten die ja schon Gemüse, Brot und Ziegenkäse», klärt Marco Hocke auf.

Hintergrund der Aktion ist die Archäologische Landesausstellung, die am 5. September in Bonn beginnt und sich der «Revolution Jungsteinzeit» widmet. Um Menschen für diese Epoche zu begeistern, wollen die drei Forscher ihre Erfahrungen in einem Blog dokumentieren.


(Quelle: YouTube/LVR-LandesMuseum Bonn)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Patrick am 25.08.2015 17:04 Report Diesen Beitrag melden

    dass Ötzi einen Selfie-Stick hatte

    Wusste gar nicht, dass Ötzi einen Selfie-Stick hatte. Vielleicht finden wir ein paar Original-Photos auf einer verwaisten Facebook-Seite. Dass ausgerechnet das Wetter die "drei deutschen Steinzeit-Experten" im Regen lässt zeigt, dass auch "Experten" halt oft keine Ahnung haben. Der Artikel zeigt einmal mehr. Realsatire ist halt immer noch die beste Satire.

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  • Noldi Schwarz am 25.08.2015 17:34 Report Diesen Beitrag melden

    Es waren keine Experten

    Steinzeitexperten? Es waren Hobbyforscher. Doch wenn man sich etwas verkleidet ist man gleich ein Experte. Das einzige was sie mit ihrer Freizeitwanderung erreicht haben ist ein paar Tage Medienrummel. Ihre stümperhafte Vorbereitung und ihre Wehleidigkeit prädestiniert sie geradezu für ein paar Wochen Überlebensübung bei der deutschen Bundeswehr.

  • Historiker am 25.08.2015 16:34 Report Diesen Beitrag melden

    Unrealistisch

    Diese Feldversuche in Ehren: Aber man kann heute die Vergangenheit einfach nicht nachspielen. Drei Personen auf Wanderschaft ohne Waffen - eine davon eine Frau - wären damals leichte Beute für "Wegelagerer" gewesen. Allein die Vorräte, die sie mit sich tragen, wären Grund genug für einen Angriff gewesen. Eigentlich hatten sie Glück, dass es nur geregnet hat.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • h manz am 26.08.2015 07:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    pr

    toll, dass sie als historiker sp genau über die prähistorische zeit bescheid wissen! es geht hierbei um Öffentlichkeitsarbeit, nicht um Realitätsnähe...

  • Cave-Män am 26.08.2015 06:56 Report Diesen Beitrag melden

    coool

    Auch wenn etwas " selbstgestrickt " der wille zur experimentellen archäologie zählt - eine wunderbare idee mal sowas auszuprobieren.. man schätzt dann die annehmlichekeiten des 21 jahrhunderts wieder mehr..

  • Dietrich Michael Weidmann am 25.08.2015 18:11 Report Diesen Beitrag melden

    Regenschutz vergessen?

    Nun, der Özi war vermutlich etwas schlauer und suchte bei Regen eine Höhle oder einen Felsüberhang als Unterstand auf, zudem kannte der Özi auch einige Techniken, die seine Fellbekleidung wasserabweisend machten und sogar so etwas wie Schirme waren den Menschen der Jungsteinzeit durchaus nicht unbekannt. Wenn man ohne Regenschutz auf eine lange Wanderung geht, dann ist das auch in der heutigen Zeit nicht besonders klug ... zum Glück kamen keine Bären und Wölfe ...

    • Evoa Adam am 26.08.2015 20:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Unnötige dinge

      Vor allem werden unsere Vorfahren keine Energie in unnötige Dinge gesteckt haben. Warum tragen die drei ständig Fellschuhe? Im Sommer werden unsere Vorfahren barfuss gegangen sein und Schuhe nur bei grosser Kälte und bei Schnee getragen haben. Da damals noch nichts asphaltiert war, keine Scherben rumlagen und die Natur sauberer (d.h. kein erbrochenes, Hundekot und Urinspuren auf den Strassen) war, waren Schuhe schlicht nicht nötig im Alltag.

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  • Thomas am 25.08.2015 18:03 Report Diesen Beitrag melden

    Dickes Fell

    Offenbar hatte der Ötzi ein dickeres Fell als die Experten. Ganz bestimmt sogar.

  • Noldi Schwarz am 25.08.2015 17:34 Report Diesen Beitrag melden

    Es waren keine Experten

    Steinzeitexperten? Es waren Hobbyforscher. Doch wenn man sich etwas verkleidet ist man gleich ein Experte. Das einzige was sie mit ihrer Freizeitwanderung erreicht haben ist ein paar Tage Medienrummel. Ihre stümperhafte Vorbereitung und ihre Wehleidigkeit prädestiniert sie geradezu für ein paar Wochen Überlebensübung bei der deutschen Bundeswehr.