Iran

13. Juni 2015 23:31; Akt: 13.06.2015 23:31 Print

Motocross-Fahrerin gibt Gas – trotz Frauen-Verbot

von Vahid Salemi, AP - Ihre grosse Leidenschaft ist das Motorradfahren. Mit grosser Ausdauer erlangt Behnas Schafie eine Lizenz für Amateurrennen – obwohl dies Frauen im Iran nicht erlaubt ist.

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Offiziell dürfen Frauen im Iran in der Öffentlichkeit nicht Motorrad fahren. Bei Behnas Schafiei ist das anders. Ihre Leidenschaft ist das Motocrossfahren. Dabei überspringt die 26-jährige Iranerin nicht nur Hügel und Hindernisse auf der Rennpiste, sondern überwand auch kulturelle und gesetzliche Barrieren. Dank grosser Beharrlichkeit schaffte sie es, sich eine Lizenz für Amateurrennen in ihrem Land zu besorgen.

«Wenn zwei Tage vergehen und ich nicht Motorradfahren kann, werde ich wirklich krank», sagt Schafiei. «Allein der Gedanke, an irgendeinem Tag kein Motorrad zu haben, gibt mir ein schlechtes Gefühl. Manchmal denke ich mir, wie Menschen in der Vergangenheit ohne Motorrad leben konnten. Ist ein Leben ohne Motorrad möglich?»

Konservative Geistliche sind dagegen

Genau das wäre für die junge Frau beinahe Realität geworden. Denn eigentlich ist Frauen in ihrem Land das Motorradfahren nicht erlaubt. Konservative Geistliche verurteilen zudem die Idee, dass Frauen an Sportveranstaltungen von Männern teilnehmen dürfen.

So mussten Schafiei und fünf andere Frauen beharrlich daran arbeiten, bis sie vom iranischen Motorrad- und Automobilverband offizielle Legitimationen bekamen, durch die sie an Amateurrennen teilnehmen dürfen. Sie haben allerdings weiter keine Berechtigung dafür, auf der einzigen Standard-Motocrossbahn im Asadi Sport-Zentrum in Teheran zu fahren. Also rasen sie oft in der Umgebung der Hauptstadt umher.

Andere Frauen sind beeindruckt

Kürzlich, an einem Wochenende, kam eine Menschenmenge zusammen, als Schafiei ihren Helm abnahm, Teil einer von einem internationalen Sponsoren gestellten Kluft. Frauen kamen zu ihr, um Schnappschüsse zu machen.

«Ich wusste nicht, dass da eine Frau fuhr, bis ich ihre Haare bemerkte», sagte Mahnas Rahimi. «Es überraschte mich, dass eine Frau so mutig sein kann. Ich hätte nicht den Mumm, so etwas zu machen», fügt die Hausfrau hinzu.

Schon mit elf Jahren verliebte sich Schafiei in Motorräder. Damals sah sie eine Frau, die auf einen kleinen Motorrad Besorgungen machte. «Mein Ziel ist es, ein Pionierin zu sein und andere Frauen zu inspirieren», sagt sie. «Zusammen können wir die Behörden überzeugen, Motorradrennen für Frauen anzuerkennen.»