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Anonymous schlägt zu
17. Oktober 2012 20:48; Akt: 17.10.2012 21:07 Print
Amandas Peiniger am Internet-Pranger
Die 15-jährige Amanda Todd beging am 10. Oktober Selbstmord, nachdem sie jahrelang im Netz gemobbt wurde. Die Hacker-Gruppe Anonymous outet nun Amandas mutmasslichen Peiniger.
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Was denken Sie, ist es richtig, dass Cybermobbing bestraft wird.
Der tragische Tod von Amanda Todd schockiert Kanada: Am 10. Oktober wurde die Leiche des 15 Jahre alten Mädchens in Port Coquitlam nahe Vancouver aufgefunden. Amanda Todd hatte sich das Leben genommen. Einen Monat zuvor hatte Todd auf YouTube ein Video veröffentlicht, in dem sie ihre dramatische Geschichte erzählte. Der Film hatte zum Titel: «Kämpfen, Mobbing, Selbstmord, Selbstverletzung.»
In dem knapp neun Minuten langen Video hält das Mädchen beschriftete Karten vor die Kamera. Sie frage sich täglich, «wieso ich noch hier bin». Sie werde seit Jahren von einem Fremden terrorisiert. In der siebten Klasse habe sie sich für jemanden während eines Webcam-Chats ausgezogen. Ein Jahr später habe der Unbekannte sie kontaktiert und gedroht, die Bilder zu verbreiten, sollte sie nicht für ihn «eine private Show ablegen». Der Fremde habe sie über Facebook kontaktiert, schrieb Todd. Dabei habe er genau gewusst, wie sie heisst, wo sie zur Schule geht und wer ihre Freunde sind.
Freunde wenden sich von ihr ab
Amanda Todd begann an Angstzuständen und Depressionen zu leiden. Sie ritzte sich selbst die Haut auf und betäubte ihren Kummer mit Drogen und Alkohol. Doch das Schlimmste kam noch: Ihre Freunde wendeten sich von ihr ab und begannen sie ebenfalls zu mobben. Amanda Todd wechselte mehrmals die Schule, doch es fiel ihr schwer, ein neues soziales Umfeld aufzubauen. «Ich habe niemanden», sollte sie später in ihrem Video zugeben.
Selbst nachdem sie an einem ersten Sebstmordversuch scheiterte, wurde die Situation nicht besser. Im Gegenteil: Ihre Mitschüler machten sich über sie lustig, posteten gar Bleichmittelflaschen auf ihr Facebook-Profil mit der Legende: «Versuch es nächstes Mal mit einer anderen Marke.»
Anonymous gibt Namen des Fremden bekannt
Nun ist in Kanada eine riesige Debatte zum Thema Cybermobbing entstanden. Politiker aller Richtungen wollen Strategien zum Kampf gegen Gewalt in den Schulen entwerfen. «Wir müssen in unseren Familien darüber sprechen. Mit den Kindern, die Mobbing erfahren und noch nicht darüber gesprochen haben – bitte macht es», meinte ein Parlemantarier.
Auch die Hacker-Gruppe Anonymous reagierte: Sie veröffentlichte am Mittwoch den vollen Namen des Unbekannten, der Todd terrorisiert hatte. In einem YouTube-Video wird ein gewisser Kody Maxson aus New Westminster für den Tod des Mädchens verantwortlich gemacht. Der Mann soll 32 Jahre alt sein und bei Facebook gearbeitet haben. In der Ansage nennt Anonymous Maxson einen «Pädophilen, der es geniesst, Kindern zu schaden». Der mutmassliche Täter soll die Webcam-Aufnahmen auf diversen Kinderporno-Seiten verbreitet haben.
Maxson gibt sich als «Freund» des Opfers aus
Der kanadische TV-Sender «CTV» hat inzwischen Maxson kontaktiert. Dieser gab zu, Amanda Todd gekannt zu haben, er sei aber nur ein guter Freund gewesen, sagte er. Er könne jedoch den Namen des wirklichen Täters angeben.
Die Anonymous-Strategie, den Namen des Fremden zu veöffentlichen, macht den kanadischen Behörden Sorgen: «Das System ist nicht dafür gedacht, jemanden ohne förmliches Verfahren zu verurteilen. Es darf keine öffentlichen Richter oder Henker geben», sagte der kanadische Anwalt Eric Gottardi gegenüber den Medien. «Wir haben eine Justiz. Diese sollte funktionieren, und sie funktioniert.»
(kle)
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Ich frage mich die ganze Zeit:
Wo sind die Eltern? Wie konnte es nur so weit kommen? Tragisch, wenn eine 15jährige sagen muss: I have nobody! Eben: wo sind die Eltern?
Schlimm das so etwas heutzutage möglich ist, aber
Jeder, der hier die Aktion von Anonymus gut findet, sollte sich fragen, ob er mit diesem Verhalten nicht auch ein bisschen dazu beiträgt, dass so etwas passieren kann. Es ist noch gar nicht so lange her, da ist in Norddeutschland ein junger Mann als Kindermörder festgenommen worden. Der ganze Ort hat ihn öffentlich an den Pranger gestellt und er hat Morddrohungen erhalten. Dumm nur, dass er unschuldig war. Es ist so einfach, in der Anonymität des Internet andere fertig zu machen. Und es ist so einfach, die "Anderen" dafür verantwortlich zu machen. Die sind schliesslich die Gesellschaft.
Bravo!!!
Sehr intelligenter Beitrag, ganz meine Meinung! Danke!
Lieber Anwalt
«Wir haben eine Justiz. Diese sollte funktionieren, und sie funktioniert.» Nein, das tut sie leider nicht. Nicht in Kanada, nicht in der Schweiz.