Täter von Rimini

05. September 2017 18:17; Akt: 05.09.2017 18:17 Print

«Die mach ich betrunken und vergewaltige sie»

Nach der Gruppenvergewaltigung am Strand von Rimini befinden sich vier Verdächtige in Haft. Über einen sagen Bekannte, sie hätten schon früher Schlimmes geahnt.

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Die skrupellose Tat schockiert Europa: Vier junge Männer – zwei in Italien geborene marokkanischstämmige Brüder im Alter von 15 und 17, ein 16-jähriger Nigerianer und ein 20-jähriger Asylbewerber aus dem Kongo – sollen in der Nacht vom 25. auf den 26. August am Strand des italienischen Urlaubsortes Rimini eine Polin und kurz danach eine andere Frau brutal vergewaltigt haben. Mittlerweile befinden sich alle in Untersuchungshaft. Die drei Minderjährigen haben sich selbst gestellt, der Kongolese wurde in einem Zug verhaftet.

Nun haben drei Bekannte der Vergewaltiger, Töchter marokkanischer Einwanderer und alle 15 Jahre alt, mit der italienischen Zeitung La Repubblica gesprochen: Den Jüngsten der Gruppe, den 15-jährigen K., bezeichnen sie als «Psychopathen».

«Er sprach nur vom Töten und Vergewaltigen»

«Wenige Tage vor der Tat zeigte er an einem Geburtstagsfest auf unsere Freundin Laura, die ihm sehr gefiel, und sagte: ‹Jetzt mache ich sie betrunken, dann vergewaltige ich sie.›»

Die Reaktionen seien unterschiedlich gewesen: «Jemand ist in Gelächter ausgebrochen, ein anderer sagte zu ihm: ‹Du Schwachkopf!›. Viele hatten ein schlechtes Gefühl dabei. Laura ist sehr erschrocken und den ganzen Abend nicht von unserer Seite gewichen.» Das Benehmen von K. habe ihnen natürlich Angst gemacht: «Er sprach nur vom Töten und Vergewaltigen. Uns hat er nie angefasst, wir haben aber auch aufgepasst und waren immer in der Dreiergruppe unterwegs.»

«Wen suchen sie wohl?»

Zu der Clique gehören den 15-Jährigen nach ungefähr 30 Jugendliche. Sie seien oft nach Pesaro gefahren, «weil hier in Vallefoglia überhaupt nichts los ist». Dort hielten sie sich meist am Piazzale Matteotti auf. Oder am Bahnhof, wo es an jenem Samstag wenige Stunden nach den Vergewaltigungen von Polizisten gewimmelt habe. Die Jagd nach der Viererbande hatte im Morgengrauen begonnen.

«Die vier Jungs waren auch dort, wir sind zu ihnen hin, um sie zu begrüssen. Die Polizei führte Personenkontrollen durch. Einer hat auch K. gemustert, ist aber dann wieder weggegangen», berichten die Teenager. M., der 17-jährige Bruder von K., sei nervös gewesen und habe immer wieder gefragt: «Wen suchen sie wohl?» K. hingegen sei ruhig gewesen, habe gelacht und gescherzt.

Auch der Kongolese, der Anführer der Gruppe, war dort. Zwei der Mädchen erinnern sich genau: «M. sagte: ‹Du weisst, was wir getan haben, oder?› Und der 20-Jährige antwortete: ‹Sei still, Bruder.›» Die Bedeutung hätten sie erst später begriffen.

Aus Angst nicht zur Polizei

Vor einigen Tagen wurden die Bilder der Überwachungskameras veröffentlicht. «Wir haben sie darauf erkannt», erzählen die Mädchen. Doch niemand von ihnen wollte zur Polizei gehen: «Sie waren ja nur Verdächtige. Wenn wir sagen, wir denken, sie waren es, wer würde uns glauben?» Bei K. seien sie sicher gewesen, dass er früher oder später jemanden töten oder vergewaltigen würde.

«Er fing mit allen Streit an. Wenn er jemanden sah, der ihm nicht passte, schlug er ihn, zum Beispiel die Kontrolleure im Bus. Und er hatte ein Taschenmesser, mit dem er einmal auf einen anderen Jungen eingestochen hat.»

Die Mädchen hätten Angst vor ihm gehabt, daher seien sie nicht schon früher zur Polizei gegangen. Als K. bei einer Geburtstagsparty das Handy einer der Freundinnen klaute, meinte deren Mutter, es sei besser, ihn nicht anzuzeigen. «Er kommt aus einer gefährlichen Familie, unsere Eltern gehen nicht mehr da hin.»

(nk)