US-Bundesstaat Arkansas

20. April 2017 02:30; Akt: 21.04.2017 08:41 Print

Todeskandidat erhält zweite Chance

Mit moderner DNA-Technik soll die Unschuld eines zum Tode verurteilten Mannes bewiesen werden.

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Das Oberste Gericht im US-Staat Arkansas stoppte eine für Donnerstagabend geplante Hinrichtung. Dem verurteilten Stacey Johnson solle vor einer niedrigeren Instanz eine zweite Chance gegeben werden, seine Unschuld in einem Mordfall im Jahr 1993 zu beweisen, entschied der Gerichtshof am Mittwoch. In dem neu angeordneten Verfahren solle dabei die DNA-Technik von heutigem Stand eingesetzt werden.

«Wir sind dankbar und erleichtert», sagte die Anwältin Nina Morrison von der Gruppe Innocence Project, die Johnsons Verteidigung übernommen hat, zu der Gerichtsentscheidung. Johnson will demnach mit einem DNA-Test seine Unschuld beweisen. Der Afroamerikaner war wegen eines Mordes an einer weissen Frau im Jahr 1993 zum Tode verurteilt worden.

Morrison führte aus, dass auch der Todeskandidat Ledell Lee das Recht auf eine solche Anhörung bekommen müsse. Bei dem Mord, für den Lee zum Tode verurteilt worden war, gebe es viele DNA-Spuren, die nie untersucht worden seien. Lees Hinrichtung ist für Donnerstag geplant.

Extremer Zeitplan

Arkansas wollte ursprünglich noch vor Ende April acht Häftlinge hinrichten, da Ende des Monats die Haltbarkeit eines der dafür nötigen Medikamente abläuft. Der Oberste Gericht in dem US-Staat und der Supreme Court stoppten bereits am Montag zwei Exekutionen.

Die Gruppe der zum Tode verurteilten Inhaftierten hat mehrere Klagen gegen die Vollstreckung der Urteile eingereicht. Unter anderem argumentieren sie, dass der extreme Zeitplan – acht Hinrichtungen in elf Tagen – dem Anstand widerspricht.

Medikament inzwischen verboten

Ein Gericht hat dem US-Staat Arkansas unterdessen vorläufig verboten, bei seinen Hinrichtungen per Giftspritze ein Mittel namens Vecuronium zu benutzen. Die Entscheidung fiel am Mittwoch durch Richterin Alice Gray am Gericht im Verwaltungsbezirks von Pulaski.

Hintergrund war eine Klage des herstellenden Pharmakonzerns, der angab, die Substanz sei nicht für Exekutionen verkauft worden.

In Arkansas wird Vecuronium zusammen mit zwei weiteren Medikamenten bei Hinrichtungen benutzt.

(roy/dapd)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Boki Horgen am 20.04.2017 03:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Daumen hoch

    Verstehe nicht weshalb man hier bei diesem Beitrag den Daumen nach unten drückt. Jeder Mensch hat das Recht auf Leben. Wie wir wissen gibt es zum Teil auch unschuldige die im Todestrakt sitzen - in den USA keine Seltenheit. Damals wurden oft Fehler gemacht bei den Ermittlungen oder Aussagen der Geschworenen usw. Ich finde es mehr als Fair dass man diesen Menschen nochmals eine Chance gibt, auch weil der Stand der Technik heute viel weiter ist als früher.

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  • Verbrecher in Freiheit am 20.04.2017 03:59 Report Diesen Beitrag melden

    Weiter denken

    Wer Forensic Files oder ähnliches schaut weiss, dass es leider viel zu oft passiert, dass Unschuldige verurteilt werden. DNA jedoch lügt nicht. Und wenn Unschuldige im Gefängnis sitzen ist ja der wahre Täter noch nicht gefasst....

  • Herrcool.es am 20.04.2017 04:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was für eine Menschenverachtung

    Fremdschämen für dieses rückständige Land

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Gerichtsschreiberin am 21.04.2017 12:09 Report Diesen Beitrag melden

    Sie wollen keine Fehlurteile zugeben

    Wie krank ist das US Justizsystem, dass sie zig Gerichtsurteile benötigen, um einem immerhin zum Tode verurteilten Menschen zu gestatten, per heute verfügbarer Technologie, seine Unschuld zu beweisen? In USA ist es sogar möglich, dass ein Staatsanwalt bzw. Richter ein Wiederaufnahmeverfahren verweigert, obwohl bewiesen werden kann, dass der Verurteilte unschuldig ist, nur damit der Herr Staatsanwalt oder der Richter nicht zugeben muss, dass es ein Fehlurteil war. Und das im Jahr 2017! Da fehlen mir die Worte.

  • Türkei/Europa am 21.04.2017 00:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Objektivität

    Ich dachte immer, dass eine Hinrichtung im 21. Jhdt. inakzeptabel sei. Nachdem das Präsidialsystem in der Türkei angenommen worden ist, haben die Menschen in Europa ihre Abneigung gegen die Einführung der Todesstrafe ungeniert zum Ausdruck gebracht, die Medien haben stets darüber berichtet und das Vorhaben Erdogans aufs Schärfste kritisiert. In den USA ist die Todesstrafe in manchen Staaten weiterhin erlaubt und bei diesem Artikel berichtet man darüber, als ob dieses Vorkommnis selbstverständlich sei, es sei jedoch in Ordnung, diesen Menschen eine zweite Chance zu geben. Bitte um Objektivität

  • Leser am 20.04.2017 16:34 Report Diesen Beitrag melden

    Medikament läuft ab

    Und was passiert, wenn ein Medikament, welches zum Töten benutzt wird abläuft? Also, hat es keine Wirkung mehr und töten demnach nicht?

  • RoCh am 20.04.2017 11:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unfair und unmenschlich

    die todesstrafe im 21. jahrhundert ist einfach nur erbärmlich. und somit reiht sich die usa ein in drittweltstaaten, barbarisch und nicht zeitgemäss. es ist fakt, dass ungefähr 15% der zum tode verurteilten zu unrecht verurteilt wurden. die meisten haftanstalten in den staaten sind privatisiert. ein insasse im jahr eine nettorendite von 25000 dollar. einen zu entlassen bedeutet weniger gewinn. und einen hohen finanziellen schaden für den staat, wenn der betreffende klagt. das rechtssystem ist willkürlich und völlig unfair. siehe den fall jens söring und dieter riechmann. eine schande.

    • [HazE]Büsi am 20.04.2017 16:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @RoCh

      Ganz ehrlich? Wer einen Menschen tötet hat das Recht auf Leben vertan meiner Meinung nach!

    • David am 20.04.2017 17:19 Report Diesen Beitrag melden

      @[Haze]Büsi

      1.) Konsequenterweise müsste dies ebenso für den Henker und den Richter gelten, nicht? 2.) Das "Recht auf Leben" ist nur die eine Seite der Medaille, genauso wichtig ist das Recht auf Tötung. Wieso sollten wir dem Staat das Recht ohne Not zu Töten zugestehen? Polizisten dürfen nur in Notsituationen zur SchusswAffe greifen, Soldaten dürfen nur im Krieg Töten, aber Richter und Beamte sollen ohne Not Töten dürfen? 3.) Wie gehen Sie mit Fehlurteilen und RechtsMissbrauch um? Sind Sie in der Lage, den unschuldig Getöteten wieder lebendig zu machen?

    • RoCh am 20.04.2017 17:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @[HazE]Büsi

      das ist ihre meinung. es bestehen auch die unterschiede zwischen vorsatz und notwehr? arglistig und aus dem affekt. verbrecher, die nicht resozialsierbar sind, gemeingefährliche, wiederholungstäter, serienmörder, serienvergewaltiger etc. sollen und müssen vor der gesellschaft geschützt werden. keine frage, solche menschen müssen lebenslang verwahrt werden. aber nicht töten im namen des staates. das ist unglaubwürdig. das ist rache. aber es sollte eine strafe sein, und lebenslänglich ist die höchststrafe. der tod dagegen eine erlösung. das ist kein leben mehr, ein dahin vegetieren.

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  • MArtin am 20.04.2017 10:16 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso Warum Weshalb ?

    Ich frage mich ehrlich gesagt, wieso ein lebenslänglich Verurteilter weiter leben will ? Ist das Leben im Gefängnis wirklich so toll oder was ist der Anreiz ? Selbst wenn man unschuldig ist und irgendwann wieder raus kommt. Man hat ja dann nichts mehr und muss wieder von 0 anfangen, oder verklagt die Regierung (nur in USA) auf Millionen XD

    • RoCh am 20.04.2017 20:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @MArtin

      ich denke es ist die hoffnung, die diese menschen am leben lassen. auch der selbsterhaltungstrieb und die angst vor dem tod? und bitte vergessen sie nicht, dass eine extrem hohe anzahl von verurteilten zu unrecht im gefängnis oder sogar im todestrakt sitzen. das sind belegbare fakten, die dunkelziffer ist sehr hoch. die rede ist von 15% viele menschen wurden unschuldig hingerichtet. überehrgeizige polizisten, staatsanwälte und richter, welche für ihre karriere wortwörtlich über leichen gehen und privatisierte gefängnise sind für diese willkürlichkeiten und unfaire machenschaften verantwortlich

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