Kampusch-Entführer

26. Februar 2016 20:54; Akt: 26.02.2016 20:54 Print

«Priklopil wurde anderswo ermordet»

von K. Leuthold - Kampusch-Entführer Wolfgang Priklopil wurde ermordet, so ein ehemaliger österreichischer Richter. Er will dies mit fünf Beweisen belegen.

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«Wolfgang Priklopil ist ermordet worden. Der war schon tot, als er vom Zug überrollt wurde. Da bin ich mir zu 100 Prozent sicher». Diese brisante Aussage macht Johann Rzeszut. Der Mann ist nicht irgendjemand. Der ehemalige Präsident des Obersten Gerichtshofes von Österreich befasst sich seit Jahren mit dem Fall Natascha Kampusch (siehe Infografik).

Kampusch-Entführer Priklopil starb am 23. August 2006, wenige Stunden, nachdem die damals 18-Jährige aus ihrem Kellerverlies geflüchtet war. Die offizielle Version der Wiener Staatsanwaltschaft: Der Kidnapper legte sich aus Verzweiflung auf Zuggleise, bis ihn ein Schnellzug überrollte. «Das Untersuchungsergebnis spricht für eine Selbsttötung», steht in einem Gutachten vom 4. September 2006 des Rechtmediziners D.R.*

Erstmals wird der Zug in Betracht gezogen

Jetzt, fast zehn Jahre später, ist das Thema wieder topaktuell. Denn Karl Kröll, der Bruder des Sonderermittlers im Fall Kampusch, erstattete bei der Oberstaatsanwaltschaft Wien Anzeige wegen Mordes gegen unbekannt. Ex-Richter Rzeszut erklärt 20 Minuten, was zur Anzeige führte: «Wir haben erstmals die Beschaffenheit der Vorderfront des Zuges in die rechtsmedizinische Analyse der Leiche einbezogen. Es ist unglaublich, aber bis jetzt hatte sich keiner damit befasst.»

In einem Dokument, das der ehemalige Richter 20 Minuten zu Verfügung stellt, listet er die Hauptargumente auf, die für ein Tötungsdelikt und gegen einen Selbstmord des Kampusch-Entführers sprechen.

Keine signifikanten Blutspuren auf den Geleisen

Priklopils Leiche wurde mit fast gänzlich durchtrenntem Hals an der Kollisionsstelle aufgefunden. Der Kopf war mit dem Rumpf lediglich durch einen fünf Zentimer breiten Hautlappen im Nacken verbunden. Den am Vorfallsort intervenierenden Polizeibeamten fällt auf, dass kaum Blutspuren im Gleisabschnitt zu sehen sind. Eine Köpfung, somit auch eine Durchtrennung der Halsschlagader, hat bei einem lebenden Menschen aber zwingend einen massivem Blutverlust zur Folge. «Es ist davon auszugehen, dass Priklopils Hals anderswo durchtrennt wurde und seine Leiche später auf dem Gleis abgelegt wurde», so Rzeszut.

Halswirbelsäule intakt

Die Halswirbelsäule war «zwischen dem 5. und 6. Wirbel völlig durchtrennt», heisst es im Bericht des Rechtsmediziners. Das passt nicht ins Bild: Das Zug-Rad ist ca. 12 Zentimeter breit, die Schienenlauffläche hat eine Breite von ca. sechs Zentimeter. Wenn so ein Rad einen Hals überfährt – und der Zug hatte mehrere Kompositionen – wären mehrere Wirbel komplett zermalmt und kaum sauber durchtrennt worden.

Kopf und Rumpf lagen beieinander

«Kopf und Rumpf lagen beide im Schienenzwischenbereich, was bei einem Überrollen des Halses durch die Räder völlig ausgeschlossen ist», schreibt Rzeszut. Er vermutet: Unbekannte Täter legten den Toten mit dem Hinterkopf in Richtung des herannahenden Zuges auf die rechte Schiene. Damit wollte man erreichen, dass Priklopils Kopf komplett zertrümmert und die Todesursache verschleiert wird. Was der Täter nicht bedachte: Am Frontrechen des Zuges sind eiserne Plattenfortsätze angebracht, um die Schienen von Hindernissen freizuhalten. Diese Fortsätze «mussten den Kopf zwangsläufig von der Schiene nach innen räumen, bevor das vorderste Rad ihn überhaupt überrollen konnte.»

Ovaler Bruch am Schädel

Eine Verletzung im rechten Scheitelbereich von Priklopils Leiche macht Rzeszut weiter stuztig. Es handelt sich um einen «wie ausgestanzten ovalen Knochenbruch». Dies deute auf einen Schlag mit einem Werkzeug mit ovaler Schlagfläche hin. Ein solcher Knochenbruch könne zumindest nicht von der Vorderfront des Zuges stammen. «Dort gibt es nichts, was eine ovale Bruchstelle hätte verursachen können.»

Totenstarre

Bei der Obduktion war das rechte Bein des Toten angewinkelt. Dies war schon der Fall, als die Leiche auf den Schienen gefunden wurde. Für Johann Rzeszut ist damit klar: Bei Priklopil war bereits die Totenstarre eingetreten. Ohne Totenstarre wäre es bei der Verfrachtung der Leiche in Rückenlage schwerkraftbedingt zwingend zu einer Strecklage beider Beine ohne jede Kniebeugung gekommen. Das Knie des rechten Beins blieb von der Auffindung der Leiche bis hin zur Obduktion durchwegs unverändert abgewinkelt.

* Name der Redaktion bekannt

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • OdinX am 26.02.2016 21:15 Report Diesen Beitrag melden

    Man fragt sich warum

    Ich stelle hier mal die Theorie auf, dass hochrangige Personen (Politiker, Polizeichefs, ...) involviert sind und das ganze viel grössere Ausmasse hat als bisher angenommen. Wahrscheinlich gibt es noch duzende oder sogar hunderte Mädchen (und vielleicht auch Jungen), die irgendwo in Kellern gefangen gehalten werden.

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  • xxlbmw am 26.02.2016 21:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Krank

    Natascha hats selber in der hand, zu sagen was passiert ist. Aber die geschichte ist eh krank was passiert ist, ich denke da läuft noch einer oder mehrere herum, darum schweigt sie.

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  • Hotdogy am 26.02.2016 21:21 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist alles in Allem sowieso..

    ...eine etwas krude Storry gewesen damals. Vielleicht war sogar, (was auch schon vermutet wurde), Priklopil gar kein Einzeltäter in dieser sonderbaren Geschichte. Vielleicht war er nur ein störender Mitläufer in einem Fall den wir eigentlich gar nicht richtig kennen... Was soll's.., die Wahrheit werden wir nie erfahren. Die Kronzeugin schweigt und schwieg zu vielen Fragen, der Hauptverdächtige ist "mit dem Zug auf und davon".

Die neusten Leser-Kommentare

  • Nikolaus Lenauer am 27.02.2016 18:46 Report Diesen Beitrag melden

    Physikalische Gesetze

    Ist es nach physikalischen Gesetzen möglich, dass ein Triebwagen 4020 der ÖBB den Kopf eines auf der Schiene liegenden Menschen (70kg) zwischen 5. und 6. Wirbel bis auf einen Hautlappen abtrennt und dieser Kopf nachher innerhalb des Gleiskörpers zu liegen kommt ? Insbesondere kann die Festigkeit und/oder Elastizität des nicht durchtrennten Hautlappens so groß sein, dass die kinetische Energie, die den vom Rumpf großteils abgetrennten Kopf vom Gleisbett weg bewegt, diesen nicht zerreißt, sondern eine Gegenbewegung auslösen kann, welche den Kopf wieder über die Schiene ins Gleisbett befördert.

  • Max Müller am 27.02.2016 16:33 Report Diesen Beitrag melden

    Hoher Polizist deckt hohen Politiker ...

    War im Fall Dutroux ja nicht anders. Auch dort wurden mit grösster Wahrscheinlichkeit Ranghohe Personen geschützt und ein Bauernopfer gebracht. Dass dann plötzlich rundherum immer mehr Personen sterben, die etwas wissen könnten oder ein Interesse an einer vollständigen Aufklärung haben ist natürlich reiner Zufall... Wer viel Geld hat und die richtigen Personen kennt kann sich halt mehr erlauben als der Normalbürger und kommt evtl. sogar noch davon.

  • Zeno am 27.02.2016 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    Realistisch gesehen

    kann niemand alle involvierten Menschen zum Schweigen bringen, sicher nicht langgristig. Es werden auch nicht hochrangige Menschen über jahrzehnte geschützt. Hallo, es sind schon genügend Präsidenten, Politiker und Wirtschaftsführer wegen banaleren Sachen gestürzt worden..

  • Der Jurist am 27.02.2016 12:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fakten und Spekulationen

    Fakt ist: es gibt mehrere und erstaunliche Tote. Der tote angebliche Täter wurde durch Kampusch definiert. Was da genau war, wissen wir nicht, es gibt nur eine Version der Geschichte von Kampusch. Daher ist der Täter eine Spekulation bzw. Annahme aufgrund von Indizien und Aussagen, mehr aber nicht! Fakt ist: Lokführer = tot. Kommissar = tot. Beider durch angeblichen Suizid! Täter = tot. Auch angeblich suizid. Wem da nicht alle Alarmglocken losgehen, hat etwas nicht verstanden. Merke: Die Welt ist meist anders als man gerne hätte.

  • Beo Bachterin am 27.02.2016 10:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer ist der Mörder?

    Das war mir schon klar, als man die Bilder und Diagnose damals zeigte. Ein Zugunglück verursacht andere Leichen. Aber eben, Behörden sind dort wie hier, langsam und unaufmerksam. Egal, er war ein Monster und es ist nicht nötig jetzt noch den Mörder zu suchen.

    • Ermittler am 27.02.2016 12:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Beo Bachterin

      Ach so, sie sind also die grosse Expertin. Nun ich muss ihnen sagen dass wohl weder sie noch dieser Richter jemals bei einem Zugunglück vor Ort war. Ich als Ermittler allerdings schon. Und ich muss ihnen sagen, dass bei hoher Geschwindigkeit eines Zuges es völlig normal ist, dass nur wenig Blut gefunden wird. Auch habe ich mehrfach sauber abgetrennte Köpfe vorgefunden. Auch an den Zugkompositionen sind aufgrund der Geschwindigkeit oft kaum Spuren zu finden. Ich will nicht bestreiten, dass an dem Fall etwas faul ist, aber das alles sind mit Sicherheit keine schlüssigen Beweise.

    • Gast am 27.02.2016 21:09 Report Diesen Beitrag melden

      unglaubwürdig

      Wohin ziehen Sie sich zuruck, wenn alles zu viel wird? Ich habe durch die Gefangenschaft Routine im Allein sein, und deswegen fallts mir nicht so schwer, mich allein zu Hause zuruckzuziehen dieser satz widerspricht sich sehr, wenn sie keine menschenansammlungen will, warum fährt sie dann U-Bahn?

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