Tinder und Grindr im Visier

26. Mai 2015 20:28; Akt: 27.05.2015 08:31 Print

Dating-Apps fördern Geschlechts-Krankheiten

Apps wie Tinder sollen schuld daran sein, dass in Rhode Island die die Infektionen mit HIV, Syphilis und Gonorrhö markant zunehmen.

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Dating-Apps begünstigen beiläufigen und riskanten Sex. Viele Menschen vergessen, was sie in der Schule über Geschlechtskrankheiten gelernt haben. (Bild: Unterricht an der 2. Sekundarstufe in Chur 2013.) (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Mehr Gelegenheitssex bedeutet ein höheres Risiko einer Ansteckung mit Geschlechtskrankheiten. Und warum gibt es mehr beiläufigen Sex? Wegen Apps wie Tinder oder Grindr.

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Mit dieser Logik erklärt das Gesundheitsdepartement des kleinen US-Gliedstaats Rhode Island die markante Zunahme von Ansteckungen mit HIV, Syphilis und Gonorrhö zwischen 2013 und 2014. Nach einer neuen Verlautbarung nahmen im Neuenglandstaat innert Jahresfrist die Fälle von Syphilis um nicht weniger als 79 Prozent zu. Gonorrhö, auch Tripper genannt, verbreitete sich um 30 Prozent. Und auch die Immunschwäche HIV wuchs um 33 Prozent.

Nationaler Trend

«Die jüngste Zunahme an Geschlechtskrankheiten in Rhode Island folgt einem nationalen Trend», schreibt das Departement. Sie lasse sich durch bessere Tests und um sich greifende hoch riskante Verhaltensweisen erklären, heisst es. Zum Hochrisikoverhalten zähle «die Verwendung von Sozialmedien mit dem Ziel, beiläufige und zahlreiche sexuelle Treffen zu vereinbaren». Der Hinweis auf die Rolle der sozialen Medien nimmt einen prominenten Paltz ein: Er steht in der Pressemitteilung vor anderem Risikoverhalten wie Sex ohne Kondome, multiplen Partner und Sex unter Einfluss von Drogen.

Unter sozialen Medien meint das Gesundheitsdepartement in diesem Zusammenhang vor allem die Dating-Apps Tinder und Grindr. Letztere App, an homosexuelle und bisexuelle Männer ausgerichtet, war 2009 ein Pionier unter den Dating-Apps: Als erste verwendete Grindr die Fähigkeit von Smartphones, willige Partner in der geografischen Umgebung zu identifizieren. Tinder, eine Dating-App für alle, wurde laut Wikipedia 2012 lanciert und ist inzwischen in 30 Sprachen erhältlich. Tinder vermittelt unter seinen 50 Millionen Benutzern täglich zwölf Millionen Treffen.

Vorbote eines internationalen Trends?

Die Dating-Apps sind so jung, dass ihre mögliche Wirkung in der nationalen Statistik der USA noch kaum erkennbar ist. Nach den Daten der Centers of Disease Control blieben die Infektionszahlen zwischen 2012 und 2013 bei Gonorrhö stabil und nahmen bei Syphilis nur bei homosexuellen Männern leicht zu. HIV-Infektionen waren ebenfalls stabil.

Wie die «International Business Times» (IBT) berichtet, herrschen in Rhode Island keine besonders unaufgeklärten Verhältnisse: Der Sex-Unterricht und der Unterricht zum Thema HIV seien in dem Gliedstaat obligatorisch. Daher könnten die Zahlen aus Rhode Island und ihre Erklärung Vorboten eines grösseren, womöglich internationalen Trends sein.

Auch in Neuseeland und in Grossbritannien

Das Internet gerät nicht zum ersten Mal in Verdacht, Geschlechtskrankheiten zu fördern. 2013 untersuchten Forscher der New York University die Rolle der kostenlosen Kleinanzeigen auf Craigslist. Wie CNN zusammenfasst, kamen sie zum Schluss, dass zwischen 1999 und 2008 in 33 US-Gliedstaaten Craigslist 18 Prozent der Zunahme von HIV-Fällen verursachte.

Noch weiter gingen Forscher in Neuseeland. Sie führten dort einen Syphilis-Ausbruch im Jahr 2012 zu mehr als die Hälfte auf Grindr zurück, die App für schwule Männer. Laut IBT wird den Dating-Apps auch im Vereinigten Königreich die Zunahme von Geschlechtskrankheiten angelastet.

In der Schweiz nahmen die Infektionen mit HIV, Syphilis und Tripper 2014 ab. Lediglich Ansteckungen mit Chlamydien nahmen um zwölf Prozent zu, vor allem bei jungen Frauen.

(sut)