Massensterben

10. Mai 2012 23:58; Akt: 11.05.2012 15:11 Print

So strandet Perus Umweltpolitik

Das Verenden von Delfinen und Seevögeln an den Küsten Perus nimmt kein Ende. Jetzt geraten die Behörden in die Kritik. Ihnen wird Vertuschung und Korruption vorgeworfen.

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Seit Anfang 2012 wurden an den Nordküsten Perus tausende Delfin-Kadaver angeschwemmt. Rund 3000 tote Meeresäuger wurden bisher eingesammelt. Dabei handelt es sich mehrheitlich um Grosse Tümmler. Ausserdem sind an den Stränden - je nach Quelle - 1500 bis 3000 Pelikane und Tölpel verendet. Wegen eines angeblich auf den Menschen übertragbaren Virus, der für das Massensterben verantwortlich sein soll, hat die peruanische Regierung Anfang Mai 2012 einen Gesundheitsalarm ausgelöst. Zudem liess sie Strände nördlich der Hauptstadt Lima sperren. Seit Monaten befreien dutzende Helfer betroffene Küstenstriche von den Tierkadavern. Biologen haben jedoch andere Ursachen herausgefunden - zumindest für das Massensterben der Seevögel: Überduchschnittlich warme Küstengewässer sind nach wochenlangen Untersuchungen für ihren Tod verantwortlich. Deren Hauptnahrung, Sardellen, halten sich deswegen in tieferen Wasserregionen auf oder sind ganz einfach in kühlere Gebiete ausgewandert. Während die Ursache für das Sterben der Seevögel geklärt ist, bleibt der Massentod der Delfine bislang rätselhaft. Wissenschafter der Tierschutzorganisation ORCA äussern den Verdacht, dass Explosionen im Rahmen von Ölbohrungen für den Massentod der Tümmler verantwortlich seien. Umweltschützer kritisieren zudem die Behörden und das Fischereiministerium: Dieses hätte zu zögerlich auf das akute Problem reagiert, um die wirtschaftlichen Interessen der Fischerei-Industrie zu wahren. Die moderne Fischerei setzt Sonarwellen ein, welche die empfindsamen Organe der Meeressäuger schädigen können. Obwohl das Gesundheitsministerium die Bevölkerung dazu aufrief, sich von den Stränden fern zu halten, bleiben unerschrockene Sonnenanbeter am Strand. Ein Massensterben der Seevögel in ähnlichem Ausmass ereignete sich bereits vor 15 Jahren. Auch damals waren die Tiere verhungert und zu tausenden verendet. Ursache für das Massensterben war damals jedoch das Wetterphänomen El Niño.

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Ein trauriges Bild zeigt sich an den Küstenregionen im Norden Perus – und noch immer scheint kein Ende in Sicht: Tausende Pelikane und Tölpel sind seit Beginn des Jahres verendet, tausende tote Delfine wurden angespült (20 Minuten Online berichtete).

Die Behörden gaben ein Virus als Ursache für das Massensterben an, das auch dem Menschen schaden könnte. Deshalb liess das Gesundheitsministerium am Wochenende betroffene Küstenregionen und Strände nördlich der Hauptstadt Lima sperren. Zudem warnte es die Bevölkerung vor dem Verzehr von rohem Fisch.

Zumindest für den Massentod der Seevögel ermittelten Wissenschaftler jedoch andere Ursachen: Wegen unüblich warmem Küstengewässer seien die Vögel verhungert, berichteten die Biologen gemäss AP Television.

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(Quelle: AP Television)

Pelikane zu Tausenden verhungert

Die Hauptnahrung der Pelikane und Tölpel, die Sardellen, hielten sich deswegen in tieferen Regionen des Gewässers auf oder seien in kühlere Gebiete ausgewandert. Dadurch würden sie für die Vögel unerreichbar. Die Gründe für das Delfinsterben bleiben jedoch nach wie vor ein Mysterium: Die wissenschaftlichen Untersuchungen kämen nur schleppend voran, berichtet AP Television.

Verantwortliche Behörden hätten Gewebeproben zu spät weitergeleitet, so dass diese nicht mehr auswertbar gewesen seien, sagt Armando Hung, Pathologe an der Universität Cayetano Heredia, gegenüber AP. Untersuchungen zufolge seien die Meeressäuger nicht an denselben Folgen wie die Seevögel gestorben, bestätigt Carlos Yaipen, Leiter der Tierschutzorganisation ORCA, an einer Medienkonferenz vom Dienstag.

Ölbohrungen verantwortlich für Delfinsterben?

Die Organisation hat den Verdacht, dass Explosionen im Rahmen von Ölbohrungen für den Massentod der Tümmler verantwortlich seien. Dreissig untersuchte Meeressäuger hätten gebrochene Knochen und Blutungen in den Hörorganen sowie kollabierte Lebern aufgewiesen, so Yaipen. Delfine und andere Zahnwale empfangen hochfrequente Töne über den Unterkiefer und leiten diese an ihr Hörorgan weiter.

Scharf kritisiert wird auch das Fischereiministerium: Die Behörden hätten zögerlich auf das Problem reagiert, um die wirtschaftlichen Interessen der Fischerei-Industrie zu wahren, monieren Umweltschutz-Organisationen. Denn die zum Fischfang eingesetzten Sonarwellen schädigen ebenfalls die empfindsamen Organe der Delfine. Wegen «Schlamperei, Ungereimtheiten und Korruption» kündigte letzten Freitag die Vize-Ministerin des Fischereisektors, Patricia Majluf, ihren Rücktritt an, wie die peruanische Zeitung «La Republica» berichtet.

Das Massensterben der Vögel und Delfine hält seit Beginn dieses Jahres an. Helfer befreiten bislang ganze Küstenstriche nördlich des Landes von rund 3000 toten Delfinen und – je nach Quelle – 1500 bis 3000 Vogelkadavern. Ein Ende ist nicht in Sicht.



Massenfriedhof an den Küstenregionen nördlich der peruanischen Hauptstadt Lima:

(dga)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Silvana am 11.05.2012 01:04 Report Diesen Beitrag melden

    Bald hat der Mensch alles getötet

    Was der Mensch nicht auffressen kann, killt er durch Raubbau und Umweltverschmutzung. Ich schäme mich, ein Mensch in dieser extrem primitiven Kultur zu sein.

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  • Nymiker am 11.05.2012 02:29 Report Diesen Beitrag melden

    Wozu brauchen wir Vögel und Delfine...

    ... hauptsache es gibt noch genügend Thunfisch und Fleischvögel.

    einklappen einklappen
  • t-driver am 11.05.2012 07:18 Report Diesen Beitrag melden

    Profitgier

    Ja, die Profitgier des Menschen kennt keine Grenzen. Dabei wird über Leichen gegangen und vor der Umwelt schon gar nicht halt gemacht - MENSCH, SCHÄME DICH!

Die neusten Leser-Kommentare

  • denker am 11.05.2012 12:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    noch was

    Aussersem scheint es hier unter den Lesern auch Misanthropen zu geben.. den Hass auf Menschen.. schaut das ihr euch zuerst beachtet bevor ihr das Tier #Mensch# verallgemeinert und verabscheut. der hauptteil der Probleme kommt aus der Politik und hat wenig mit dem Volke zu tun.

  • denker am 11.05.2012 12:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    interessante kommentare hierzu

    Ueberbevoelkerung.. lese ich (endlich das Problem verstanden?) immer oefters.. der Mensch muss sich seiner Verantwortung irgendwie und irgendwann stellen muessen und das heisst nicbt das Menschen sterben muessen, sondern bewusster Leben. Wenn die Natur das in die Hand nimmt.. man denke an die Pest.

  • Hanni am 11.05.2012 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    Zeit zu gehen..

    Wir sind dabei unser eigenes Grab zu schaufeln, und merken es nicht einmal.. :-) Aber ist vermutlich für die Erde das Beste, wenn der Mensch endlich wieder verschwindet. Denn er hat leider bewiesen, dass er sich alles andere als verantwortungsvoll verhält...

  • Johnny W. am 11.05.2012 10:39 Report Diesen Beitrag melden

    Auslöschung des Menschen

    Ich hoffe sehr, dass der Mensch sich selbst zerstörrt bevor die Natur ganz zu Grunde gerichtet ist. Ich freue mich auf den Tag wenn endlich Alle realisieren, dass der Mensch von der Natur abhängig ist, und nicht umgekehrt. Das wird schneller kommen als viele denken. Wenn z.B. das Bienensterben so weiter geht, werden wir in absehbarer Zeit grosse Probleme in der Lebensmittelindurstrie bekommen.

  • serge schmid am 11.05.2012 10:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    der anfang vom ende

    es hat begonnen