Legendärer Gangster

14. Juni 2012 14:13; Akt: 14.06.2012 14:25 Print

Mafioso und «Good Fella» Henry Hill ist tot

Der durch eine Hollywood-Verfilmung berühmt gewordene US-Mafioso Henry Hill ist im Alter von 69 Jahren verstorben. Zwei spektakuläre Überfälle im New Yorker Flughafen gingen auf sein Konto.

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Henry Hill in einer Aufnahme von 2005. Im Hintergrund ein Porträt des Schauspielers Ray Liotta, der ihn in «Good Fellas» verkörpert hat. (Bild: Keystone/AP/Nati Harnik)

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«Good Fellas» gilt neben «Taxi Driver» als grösstes Meisterwerk von Regisseur Martin Scorsese. Für viele ist es schlicht der beste Film über die italoamerikanische Mafia, weil er im Gegensatz zur «Pate»-Trilogie von Francis Ford Coppola auf jegliche Romantisierung verzichtet. Vorlage war das Buch «Wiseguy – Der Mob von innen» des Journalisten Nicolas Pileggi, das auf der wahren Geschichte des Gangsters Henry Hill basiert.

Jetzt ist der im Film von Ray Liotta gespielte Hill gestorben. Der Ex-Mafioso, der sich jahrelang mit Hilfe eines Zeugenschutzprogramms verborgen hatte, starb nach Angaben der Website «TMZ» am Dienstag in einem Spital in Los Angeles. «Er war lange krank», zitiert die Seite seine Lebensgefährtin Lisa Schinelli Casterta. «Sein Herz hat aufgegeben.» Hill wurde 69 Jahre alt. Die genaue Todesursache ist nicht bekannt.

Air France und Lufthansa beraubt

Der in Brooklyn geborene Sohn einer irisch-italienischen Arbeiterfamilie wollte ursprünglich Priester werden, liess sich dann aber von der Lucchese-Familie anheuern, einer der Fünf Familien der Cosa Nostra in New York. Im Jahr 1967 hatte Hill mit dem Air-France-Raub Schlagzeilen gemacht. Zusammen mit Komplizen hatte er auf dem Kennedy-Flughafen aus einem Raum der französischen Fluggesellschaft 420 000 Dollar in bar erbeutet.

Dabei waren die Gangster filmreif vorgegangen und hatten einen Wachmann mit einer Prostituierten abgelenkt, um einen Nachschlüssel anfertigen zu können. Letztlich gelang der Coup, ohne dass ein Schuss abgefeuert wurde. Das Verschwinden der 420 000 Dollar – damals lag das Jahreseinkommen im Schnitt bei gut 7000 Dollar im Jahr – wurde sogar erst nach Tagen bemerkt.

Henry Hill war auch in den Lufthansa-Raub elf Jahre später verwickelt, ebenfalls auf dem Flughafen JFK. Dabei wurden fast sechs Millionen Dollar erbeutet, fünf Millionen in bar und eine Million in Juwelen. Bis heute gilt er als einer der grössten Raubzüge in der Geschichte der USA. Der Coup lief aber längst nicht so elegant ab wie jener von 1967 und die Gangster kamen nur mit Gewalt an das Geld. Später brachten sich einige gegenseitig um.

Aus Schutzprogramm geworfen

Hill war noch in viele andere Verbrechen verwickelt, vor allem in den Drogenhandel, und wurde 1980 verhaftet. Mehr Angst als vor der Justiz hatte er aber vor seinen früheren Komplizen: Weil er von einem Mordkomplott gegen sich erfahren hatte, sagte er gegen die Mafia aus und wurde per Zeugenschutzprogramm abgeschirmt. Fortan lebten er, seine Frau und seine Töchter unter falschem Namen und nie länger an einem Ort.

Unter FBI-Schutz beging er aber weitere Verbrechen und wurde deshalb nach ein paar Jahren aus dem Programm geworfen, seine Frau verliess ihn. «Good Fellas» machte ihn dann 1990 noch einmal berühmt. Hill versuchte mit dem Verkauf eigener Kunst auf seiner Website davon zu profitieren. Er kam immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt, war aber auch gern gesehener Gast in Talkshows. Zuletzt lebte er in aller Öffentlichkeit in Kalifornien.

(pbl/sda)