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Neu Delhi
30. Juli 2008 16:41; Akt: 30.07.2008 17:43 Print
Kindersklaven: Zum Schuften gezwungen
Einem deutschen Reporterteam gelang es, mit versteckter Kamera die erbarmungslose Ausbeutung von Kinderklaven in Neu Delhi zu filmen.
Der achtjährige Junge sitzt auf dem Boden eines schmutzigen Kellers und klebt kleine Spiegelscherben auf Kugelschreiber. «Los jetzt, arbeite weiter!», blafft ihn sein Aufseher an. Der Junge duckt sich und macht weiter. «Die Kinder arbeiten auch nachts. Ich kann rund um die Uhr produzieren. Die Polizei macht keine Probleme», erklärt der Aufseher stolz.
Der 11-jährige Sumit wurde gezwungen, als Schweisser zu arbeiten. Ein Funke zerstörte dabei sein Auge. (Bild: ARD) TV-Tipp:
«ARD-exklusiv: Die Kindersklaven», heute, 21:45 Uhr in der ARD.
Geschäft mit Kindersklaven floriert
Die Chancen, dass der Achtjährige seine Eltern jemals wieder sieht, sind gering; er ist Hunderte von Kilometern von ihnen entfernt und wurde von ihnen für umgerechnet 33 Franken verkauft – als Kindersklave. Wenn Eltern nicht «freiwillig» verkaufen, werden Kinder sogar entführt.
Sie enden in Hinterzimmern und Kellerräumen von verwinkelten Stadtvierteln in Neu Delhi und müssen zum Beispiel Geschenkartikel produzieren, die dann nach Europa verkauft werden. Das Geschäft mit Kindersklaven läuft erstklassig.
Mit versteckter Kamera
Getarnt als interessierte Käufer für verschiedene Produkte und ausgerüstet mit versteckten Kameras dringen die beiden ARD-Reporter Rebecca Gudisch und Tilo Gummel in dieses System der Kindersklaverei ein und spüren Kinder, Eltern, Schlepper, Firmenchefs auf – gemeinsam mit denen, die die Kinder befreien wollen.
Steine aus Kinderhänden: Auch in der Schweiz
Ein verwirrendes Netz aus Zwischen- und Unterhändlern macht es oft schwer nachzuweisen, wo die von Kindern produzierten Waren letztendlich landen. Doch jetzt gelingt der Nachweis bei verschiedenen Produkten, z. B. bei indischen Pflastersteinen. Sie sind mittlerweile der Renner bei den deutschen Steinhändlern – weil sie deutlich billiger sind als Steine aus Deutschland. Nur solche billigen Steine haben bei öffentlichen Ausschreibungen inzwischen überhaupt noch eine Chance. Viele deutsche Firmen behaupten: Unsere Steine sind «kinderarbeitsfrei». Doch gerade Pflastersteine werden von Kindern geschlagen.
Auch in der Schweiz ist man den fragwürdigen Steinhändlern auf den Leim gegangen: Der Dorfplatz der Gemeinde Uitikon-Waldegg wurde mit Steinen geplastert, die von Kindersklaven in Indien unter katastrophalen Arbeitsbedingungen zurechtgeklopft wurden (20 Minuten Online berichtete).
Der Trick mit dem UNESCO-Zertifikat
Ein deutscher Steinhändler wirbt mit einem UNESCO-Zertifikat, das kinderarbeitsfreie Ware garantieren soll. Wieder als Grosshändler aus Deutschland getarnt, findet das Reporterteam jedoch genau in den Steinbrüchen dieser Firma Kinder, die dort Pflastersteine schlagen. Und das UNESCO-Zertifikat, so stellt sich heraus, wurde nie von der UNESCO ausgestellt.
Die ARD-Reporter fahren zu der deutschen Firma und konfrontieren die Chefs mit ihren Bildern (siehe TV-Tipp).
ARD/rre

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