Australien

17. August 2011 12:27; Akt: 17.08.2011 15:05 Print

Was hatte der Halsketten-Bomber vor?

Nach dem spektakulären Überfall auf eine 18-jährige Millionärstochter in Australien ist der mutmassliche Täter festgenommen worden. Nun rätseln die Ermittler über das Motiv des Mannes. Einen ersten Verdacht haben sie schon.

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Das Opfer ist «froh und erleichtert», nachdem der Täter gefasst wurde. (Video: AP/dga) Im Grossformat auf dem Videoportal Videoportal
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Der 50-jährige Paul Douglas Peters wurde am Montag in der Wohnung seiner Exfrau im US-Staat Kentucky aufgegriffen. Am 4. August war der vermummte Australier in das Haus der wohlhabenden Familie Pulver in einem Vorort von Sydney eingebrochen und hatte eine vermeintliche Bombe am Körper der 18-jährigen Madeleine Pulver befestigt. Auf einem Zettel liess er Anweisungen für ihre Angehörigen zurück. Danach flüchtete er.

Der bizarre Vorfall fand ein glimpfliches Ende, als Sprengstoffexperten die junge Frau nach zehn Stunden Arbeit von dem verdächtigen Gerät befreien konnten, das Peters seinem Opfer um den Hals gebunden hatte. Es stellte sich als Attrappe heraus.

Kein direkter Bezug zum Opfer, doch da wäre was

Nach Peters Festnahme zeigte sich Pulver sehr erleichtert: «Ich bin froh, dass jetzt alles vorbei ist», sagte sie vor den Medien. Gefragt, wieso Peters ihr das angetan haben könnte, behauptete sie, so ratlos wie die Ermittler zu sein. Anscheinend gibt es keine direkte Verbindung zur Opfer-Familie. Die 18-Jährige kannte ihren Peiniger nicht. Doch bei genaueren Untersuchungen kamen die Ermittler nun auf eine erste heisse Spur.

Paul Peters arbeitete als Investment Banker in Sydney, pflegte aber sowohl familiäre als auch geschäftliche Verbindungen in die USA. Seine Ex-Frau und seine Töchter wohnen in Kentucky, er selber hatte seinen Wohnsitz in Copacabana, einem kleinen Dorf 90 Kilometer nördlich von Sydney. In der Vergangenheit hatte er für eine Firma gearbeitet, die einen engen Bezug zu den Pulvers hat. William Pulver ist CEO eines Unternehmens, das Spracherkennungssoftware anbietet.

Peters’ Umfeld ist überrascht

Diejenigen, die mit Peters zu tun haben, sind überrascht von seiner Tat. Sein Bruder Brent kann die Geschichte immer noch nicht glauben. «Ich glaube, in diesem Fall hat es noch einen Haken. Ich meine, mein Bruder ist ein Mann, der eine Viertelmillion Dollar pro Jahr verdient», versucht er die Unschuld seines Bruder zu beweisen.

Auch seine Nachbarn können es nicht fassen. «Er ist ein sehr netter Mensch, immer hilfsbereit. Mann kann mit ihm sehr gut reden», meint Tammy Schreiber, seine Coiffeuse, gegenüber der Nachrichtenagentur AP. «Er ist ein echter Familienmensch. Er liebt seine Töchter. Über seine Arbeit haben wir nie geredet.»

So verlief die Entführung

Die Behörden in Kentucky gaben inzwischen Details über den Verlauf der Entführung bekannt: Madeleine Pulver habe an jenem Tag in ihrem Zimmer gerade gelernt, als Peters mit einem schwarzen Aluminium-Baseballschläger plötzlich auftauchte. Der Mann hatte einen Rucksack dabei. «Setz dich hin und keiner wird verletzt», soll er gesagt haben.

Das Opfer tat, was ihm befohlen wurde. Peters hielt eine kleine schwarze Box an Pulvers Hals und befestigte sie mit einer Kette, ähnlich wie die der Velos. Daran hängte er einen Plastik-Umschlag mit einem Schreiben und einen USB-Stick. «Zähle bis 200. Ich komme gleich wieder. Wenn du dich bewegst, werde ich es sehen und sofort zurückkommen», drohte der Täter. Dann verschwand er.

Der Täter wählt eine Mail-Adresse aus einem Roman

Pulver soll nach wenigen Minuten ihrer Mutter ein SMS geschickt und ihren Vater angerufen haben. Sie bat sie, die Polizei zu alarmieren. Erst danach sah sie, dass im Schreiben davor gewarnt wurde, die Behörden zu kontaktieren. Der Mann behauptete im Text, dass es sich bei der Bombe um «machtvolle neue Technologie im Bereich des Kunstsprengstoffes» handle.

Seine Anforderungen auf eine «definierte Summe» würde erst gestellt werden, wenn «der Erhalt dieses Schreibens bestätigt ist». Die Bestätigung hätten die Pulvers an die Mailadresse dirkstraun1840(at)gmail.com senden sollen. Dirk Straun ist der Protagonist eines Romans von James Clavell aus dem Jahr 1966. In «Tai-Pan» wird die Rivalität zwischen mächtigen Hongkonger Geschäftsmännern am Ende des Ersten Opiumkriegs beschrieben.

Peters kann leicht überführt werden

Die Mailadresse war am 30. Mai in einem Internet-Cafe am Flughafen von Chicago erstellt worden. Tatsächlich soll sich Peters zu jenem Zeitpunkt dort aufgehalten haben. Am Tag der Attacke loggte sich der Täter mehrmals auf seinem Mailkonto ein. Einmal um 16.09 Uhr aus einer Bibliothek in Kincumber, etwa 80 Kilometer vom Anwesen der Pulvers entfernt. Knapp zwei Stunden später erfolgten zwei weitere Anmeldungen, diesmal aus einem Videoladen.

Die Überwachungskamera der Bibliothek zeigt tatsächlich einen Mann, der Peters sehr ähnlich sieht. Auch der Mitarbeiter des Videogeschäfts erinnert sich an einen Kunden, der zweimal vorbeikam, weil er «ein E-Mail erwartete». Doch das sind nicht die einzigen Hinweise, die Peters belasten: Die Überwachungskameras zweier Geschäfte zeigen den 50-Jährigen beim Kauf eines schwarzen Baseballschägers und eines USB-Sticks, der wie derjenige an Pulvers Hals aussieht.

Bei seiner ersten Anhörung vor Gericht am Dienstag sagte Peters, er hoffe, Madeleine Pulver gehe es gut. Seine Ex-Frau Debra sass alleine in der ersten Reihe und weinte. Das Paar hatte sich im Jahr 2007 scheiden lassen. Danach war Debra Peters mit den drei gemeinsamen Töchtern, alle im Schulalter, nach Kentucky gezogen.

(kle)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • info am 17.08.2011 15:03 Report Diesen Beitrag melden

    fehldende details

    und wurde die bombe dann entschärft oder wie?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • info am 17.08.2011 15:03 Report Diesen Beitrag melden

    fehldende details

    und wurde die bombe dann entschärft oder wie?

    • Blubb am 17.08.2011 16:23 Report Diesen Beitrag melden

      Attrappe

      ne musste ned entschärft werden, war ne attrappe

    • Dani am 17.08.2011 16:27 Report Diesen Beitrag melden

      nein..

      Es stellte sich heraus, dass die vermeintliche Bombe nur eine Attrappe war

    • Bombig am 17.08.2011 16:29 Report Diesen Beitrag melden

      Augen auf

      "... Es stellte sich als Attrappe heraus." - Wer lesen kann ist klar im Vorteil... ;-)

    • der da am 17.08.2011 16:32 Report Diesen Beitrag melden

      Liess den Artikel nochmals

      "Es stellte sich als Attrappe heraus."

    • nicole am 17.08.2011 16:42 Report Diesen Beitrag melden

      Lesen

      Der bizarre Vorfall fand ein glimpfliches Ende, als Sprengstoffexperten die junge Frau nach zehn Stunden Arbeit von dem verdächtigen Gerät befreien konnten, das Peters seinem Opfer um den Hals gebunden hatte. Es stellte sich als Attrappe heraus.

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