Erpresser verklagt

27. November 2009 14:49; Akt: 27.11.2009 14:57 Print

Die süsse Rache der Susanne Klatten

Die Quandt-Erbin Susanne Klatten hat ihren Erpresser Helg Sgarbi erfolgreich verklagt. Nach einem Urteil des Landgerichts Augsburg hat die 47-Jährige Anspruch auf Rückzahlungen von rund 9,5 Millionen Euro.

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Susanne Klatten ist Teilhaberin von BMW und Erbin der Unternehmerfamilie Quandt. Seit 1990 ist sie mit Jan Klatten verheiratet. Das Paar lebt mit seinen drei Kindern sehr zurückgezogen in München. Susanne Klatten ist Werbekauffrau und Ökonomin. Ihr Studium absolvierte sie in England und Lausanne. Im August 2007 lernt sie den damals 43-jährigen Helg Sgarbi kennen. Der charmante Offizier der Schweizer Armee, der sechs Sprachen beherrscht und einst dem Kader der Credit Suisse angehörte, wurde 2009 in München in einem Blitzprozess zu sechs Jahren Haft verurteilt. Vier Tage später treffen sich die beiden zum Sex im Zimmer 629 des Münchner Holiday Inn. Was Susanne Klatten nicht ahnt: Im Zimmer nebenan wird das Treffen gefilmt, von Sgargis Komplize Ernano Barretta. Die Milliardärin wird erpresst: Zuerst verlangt Sgarbi 11 Millionen Franken. Er gibt an, selber von einer italo-amerikanischen Mafiafamilie erpresst zu werden. Klatten zahlt. Doch nicht zufrieden, will er wenige Tage später weitere 72 Millionen. Sonst würden die Aufnahmen veröffentlicht, droht er. Susanne Klatten zeigt ihn an. Bei der vermeintlichen Geldübergabe im Januar 2008 werden der Gigolo und sein Komplize von der österreichischen Spezialeinheit Cobra bei Innsbruck verhaftet. In Uznach, wo Sgarbi lebte und ein Übersetzungsbüro betrieb, war man überrascht. (Bild: Urs-Peter Zwingli / upz) «Er war ein ruhiger Mieter, und seine Wohnung war so pedantisch aufgeräumt wie eine Kaserne», sagt seine ehemalige Vermieterin Elisabeth Holzer (81). (Bild: Urs-Peter Zwingli / upz) Sgarbi sei stets elegant gekleidet und charmant gewesen und bei Frauen gut angekommen. (Bild: Urs-Peter Zwingli / upz) Der italienische Komplize Ernani Barretta kommt nach der Verhaftung bald wieder frei. Gegen dem selbsternannten Heiler und Sektenführer fehlen Beweismittel. Er reist in sein Landhotel «Rifugio Valle Grande» in den Abruzzen. Er zerstört das gesamte Beweismaterial, erfährt die Polizei, die an der angezapften Telefonleitung die Gespräche mitschneidet. Doch Sgarbis Frau will nicht aufgeben. Sie will den Coup durchziehen und fordert über ihren Anwalt bei Klatten die ausstehenden Millionen. Im Juni 2008 wurde Franziska Sgarbi zusammen mit dem Rest der Bande, dem 63-jährigen Ernani Barretta, seiner 60-jährige Ehefrau Beatrice und den Kindern Marcello (32) und Clelia (35), festgenommen.

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Dieses Urteil ist rechtskräftig, teilte ein Gerichtssprecher am Freitag mit und bestätigte damit einen Bericht der «Augsburger Allgemeinen» (Freitag). Das Gericht sprach Klatten eine Rückzahlung über die Millionensumme plus Zinsen zu. 30 Jahre lang kann sie das Geld von Sgarbi zurückfordern.

Von den knapp 9,5 Millionen Euro sind sieben Millionen für die Klägerin, den Rest erstritten ihre Anwälte für zwei andere von Sgarbi geschädigte Frauen.

Der Schweizer Helg Sgarbi war im März wegen gewerbsmässigen Betrugs und versuchter gewerbsmässiger Erpressung zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte Klatten und weitere Frauen verführt und sie mit einer Lügen-Geschichte zu Millionenzahlungen gebracht.

(sda)