Rechtliches Nachspiel

13. April 2017 15:29; Akt: 13.04.2017 19:25 Print

Rausgeworfener Passagier will gegen United klagen

Zähne verloren, Nasenbruch, Gehirnerschütterung: Die Anwälte des gewaltsam von Bord gezerrten Passagiers bereiten eine Klage gegen United Airlines vor.

In diesem Handyvideo wirkt Dao nicht besonders «streitlustig». (Video: Tamedia/Mashable)
Zum Thema
Fehler gesehen?

David Dao (69), der vergangenen Sonntag gewaltsam aus einer überbuchten United-Airlines-Maschine gezerrt wurde, überlegt sich offenbar, die US-Fluggesellschaft zu verklagen. Wie aus einem Tweet der Nachrichtenagentur Reuters zu entnehmen ist, hat Dao allen Grund zum Klagen: Beim Vorfall habe der Mann «eine erhebliche Gehirnerschütterung sowie einen Nasenbruch» erlitten. Weiter teilten die Anwälte mit, der Passagier habe beide Vorderzähne verloren.

Am Mittwoch hatten Daos Rechtsberater in einem eingereichten Antrag bei Gericht in Chicago die Herausgabe der Videos der Überwachungskameras aus dem Flugzeug, die Listen der Passagiere und Besatzung sowie weiteres Beweismaterial angefordert.

Ihr Mandant habe normal eingecheckt und ein Crewmitglied habe ihm seinen Platz im Flugzeug gezeigt, heisst es in dem Schreiben der Anwälte. Danach sei er von Angestellten der Stadt Chicago gewaltsam aus der Maschine geschleift worden, wobei er verletzt worden sei.

Halb so «streitlustig», wie United sagte

Auf einem neu aufgetauchten Handyvideo eines Mitreisenden ist zu sehen, wie die Situation eskalierte. Eines wird dabei klar: Dao ist nicht so «streitlustig und störend», wie ihn United-Boss Oscar Munoz Anfang Woche darstellte. «Ich bin Arzt und muss morgen arbeiten», sagt Dao mit ruhiger Stimme zu den Polizisten, die vor seinem Sitz stehen. Als einer der Sicherheitsleute droht, ihn «mit Gewalt» aus dem Flieger zu zerren, meint Dao nur: «Na gut, dann tun Sie, was Sie tun müssen.»

Der Polizist zerrt den asiatischstämmigen Mann von seinem Sitz, Dao stösst mit dem Kopf gegen eine Sitzlehne. Der blutende Passagier wird dann schreiend durch den Gang zum Ausstieg geschleift, während die anderen Insassen schockiert zuschauen. Der Image-Schaden für United Airlines ist immens.


«Wir sind geschockt»:Die Tochter des United-Passagiers spricht über den Vorfall.

Dao liegt noch im Spital

Der in Vietnam geborene Dao ist Mediziner und lebt seit mehreren Jahren in den USA. Seine Herkunft schürte Vermutungen, hinter seiner Behandlung steckten rassistische Motive.

Nach Angaben der Anwaltskanzlei Corboy & Demetrio ist Dao weiter im Spital in Behandlung. Ein Familienangehöriger werde an seiner Stelle an einer Pressekonferenz am Donnerstag in Chicago teilnehmen.

United-Chef Munoz hatte sich erst am Dienstag – rund 48 Stunden nach dem Vorfall – offiziell entschuldigt. «Niemand sollte so behandelt werden», erklärte Munoz. Der Vorfall sei «wirklich schrecklich». United Airlines übernehme die Verantwortung dafür.

Alle Passagiere werden entschädigt

Am Mittwoch wiederholte Munoz sein Bedauern, einen Rücktritt lehnte er ab. Die Fluggesellschaft habe versucht, Dao zu erreichen, damit er sich persönlich entschuldigen könne, doch sei dies bislang nicht gelungen.

Die Fluggesellschaft kündigte an, allen Passagieren eine Entschädigung zu zahlen, die an Bord von Daos Maschine gewesen waren. Die Aktie von United Airlines sank aufgrund der weltweit für Schlagzeilen sorgenden Affäre in den Keller.


(kle)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Reto am 12.04.2017 11:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fehlender Respekt

    Boykottieren... Es gibt viel zu viele schlechte Fluglinien. Die amerikanischen Trainings für Mitarbeitende scheinen nicht auf Respekt aufgebaut zu sein. Das ist leider zu oft zu beobachten. Wir Kunden haben die Macht solches Verhalten zu ändern.

    einklappen einklappen
  • Wilhelm Tell am 12.04.2017 11:52 Report Diesen Beitrag melden

    Fracht

    United Airlines sollten sich auf Fracht spezialisieren, dann können sie sich den mühsamen Umgang mit Passagieren ersparen.

    einklappen einklappen
  • Rita Wirz am 12.04.2017 12:04 Report Diesen Beitrag melden

    Boykottieren

    Sorry so etwas geht nun gar nicht. Schliesslich ist das nicht das Problem der Fluggäste wenn es die Fluggesellschaft einfach aus Geldgier das Flugzeug über buchen lässt... SCHANDE!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Frank P. am 23.04.2017 01:08 Report Diesen Beitrag melden

    Trittbrettfahrer

    Da werden wir in nächster Zeit mehr ähnliche Fälle haben. In den USA lohnt es sich durchaus ein bisschen Theater zu spielen und dann eine Entschädigung zu kassieren.

  • Ungerecht? am 16.04.2017 22:02 Report Diesen Beitrag melden

    Schauspieler

    Dieser Dr. Dao ist ein Krimineller, der die Anweisungen nicht befolgt hat. So einfach ist das.

    • Fairness.... am 25.04.2017 19:38 Report Diesen Beitrag melden

      überlegen sie mal

      Tragisch einen Menschen einen Kriminellen zu nennen, der sich absolut korrekt verhalten hat. Das heisst alle die etwas kaufen und bezahlen Kriminelle sind. Aus welchem Land kommen sie denn.... etwa Türkei??!!!

    einklappen einklappen
  • Barbara Sägesser am 15.04.2017 11:24 Report Diesen Beitrag melden

    Was ich noch immer nicht verstehe ...

    wieso ist es notwendig zu überbuchen, wenn der Sitz sowieso bezahlt wurde und die Fluggesellschaften eh nicht bei Nichtantritt der Reise zu bezahlen scheinen -> für irgendwas hat man Versicherungen. Oder bin ich da falsch?

  • Worm77 am 15.04.2017 10:40 Report Diesen Beitrag melden

    Überbucht

    Ist mir bei der Swiss auch mal passiert, dass der Flug überbucht war. Aber da wurde ich am Check-in darüber informiert und gefragt, ob ich nicht am Nachmittag fliegen könne. Habe eingewilligt und bekam Ben Gutschein, den ich in Zürich in bar auszahlen lassen konnte. Bekam mehr Geld zurück als ich für Hin- und Rückflug bezahlt hatte. So geht Kundendienst.

  • Tes Stickle am 15.04.2017 10:25 Report Diesen Beitrag melden

    immer meckern

    klar unverhältnismässig - aber alle wollen billigst preise doch niemand akzeptiert die damit verbundenen konsequenzen..

    • M.Gerber am 18.04.2017 08:52 Report Diesen Beitrag melden

      @Tes Stickle Ja nein aber doch

      Was jetzt, finden Sie es Richtig das man Leute die den Flug bezahlt haben mehr als pünktlich da sind, wie ein Renitenten Schwarzfahrer aus dem Flieger Brügelt ?

    • David Stoop am 18.04.2017 11:38 Report Diesen Beitrag melden

      @Tes Stickle

      Die Überbuchungspraxis ist wesentlich älter, als die Billig-Preise. Das hier hat nun wirklich nichts mit Billig-Preisen zu tun.

    einklappen einklappen