Bild schockiert New York

05. Dezember 2012 17:30; Akt: 05.12.2012 21:58 Print

Hätte der Fotograf diesem Mann helfen können?

Die «New York Post» empört mit einem Cover ihre Leser: Es zeigt einen Mann auf den U-Bahn-Gleisen – kurz bevor er von einem Zug getötet wird. Der Fotograf hat eine seltsame Ausrede parat.

Kurz vor dem tödliche Sturz vor die New Yorker Subway hat ein Fotograf auf den Auslöser gedrückt. (Quelle: YouTube/NYPost)
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Das Foto geht um die Welt und löst eine heftige Kontroverse aus: Ein Mann wird in der New Yorker Subway-Station Seventh Avenue/47th Street auf die Gleise gestossen und versucht sich mit letzter Kraft vor der heranbrausenden U-Bahn in Sicherheit zu bringen. Das Bild, das der Fotograf R. Umar Abbasi geschossen hat, prangte am Dienstag gross auf der Titelseite der «New York Post». «Doomed – Pushed on the subway track, this man is about to die» («Todgeweiht – Auf die Gleise gestossen, wird dieser Mann gleich sterben») steht in grossen Lettern neben dem Bild.

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Seinen letzten Kampf hat der Koreaner Ki Suk Han verloren – der Versuch, sich auf das Perron zurückzuhangeln, misslang. Kurz darauf wurde er vom Zug erfasst und getötet. Zeugen, die den Disput zwischen dem mutmasslichen Angreifer und dem 58-jährigen Familienvater aus Queens beobachtet haben, spielten den «NBC News» ein Handy-Video zu. Wer genau wen geschubst hat, ist auf den Bildern allerdings nicht zu erkennen.

Hat Abbasi abgedrückt, statt zu helfen?

Es zeigt einen Afroamerikaner in den Zwanzigern, der versucht, Han zu beschwichtigen. «Lass mich in Ruhe … Schlepp deinen verfluchten Arsch hinter die Linie und warte auf den R-Zug, so einfach ist das», soll er ihn angeschrien haben. Wie die New Yorker Polizei bestätigte, konnte ein Verdächtiger in der Zwischenzeit verhaftet werden. Er sitzt in U-Haft und wird von den Detektiven befragt.

Doch für einmal interessiert in den Leserkommentaren und weltweiten Blogs weniger das Verbrechen selbst, sondern vielmehr das dramatische Bild. Eine Welle der Entrüstung prasselte auf den Fotografen und die «New York Post» ein. Warum hat Abbasi das Bild geschossen, statt dem Opfer zu Hilfe zu eilen? Auf Twitter glauben viele, dass noch Zeit gewesen wäre, eine helfende Hand auszustrecken, statt auf den Auslöser zu drücken.

«Einer der schlimmsten Momente meines Lebens»

Abbasi wehrt sich gegen die Vorwürfe. Er habe mit der Kamera geblitzt, um den Zugführer zu warnen. «Ich bin einfach losgerannt und habe geblitzt, in der Hoffnung, dass mich der Fahrer bemerkt und den Zug noch rechtzeitig stoppen kann», zitiert der «Guardian» den Fotografen. Die Kritik an seiner Person sei unfair, er habe in der Eile gar nicht bemerkt, was er alles fotografiert habe.

«Der Mann war viel zu weit weg von mir, ich konnte ihn nicht mehr erreichen, alles ging viel zu schnell.» In der «New York Post» gibt sich Abasi verzweifelt: «Den Mann dort sterben zu sehen, war einer der schlimmsten Momente meines Lebens. Ich konnte den Mann nicht erreichen, das ist die Wahrheit. Hätte ich ihm helfen können, hätte ich es getan.»

«Das ist unmoralisch und krank»

Doch die Rechtfertigungen, die einen Tag später publiziert wurden, mag niemand recht glauben. Denn neben dem schockierenden Bild Sekunden vor dem Tod tauchte auch ein Foto auf, welches das Opfer kauernd auf den Gleisen zeigt.

Auf Twitter und Facebook ist die Entrüstung gross: «R. Umar Abbasi, dank ihnen habe ich jegliche Hoffnung in die Menschlichkeit verloren», schreibt ein User. «Wann hören die Journalisten auf zu recherchieren und stellen sich in den Dienst des Gemeinwohls?» fragt ein anderer. Jemand twittert: «Habe gerade das @nypost cover von heute gesehen auf dem ein Mann kurz vor seinem Tod steht. Das ist unmoralisch und einfach nur krank so was zu veröffentlichen.»

Rückendeckung von Berufskollegen

Differenzierter analysieren Berufskollegen Abbasis Verhalten. «Unter dem Umstand, dass ich nicht dabei war, muss ich seiner Version Glauben schenken. Als er realisierte, dass er physisch nicht im Stand war, dem Mann rechtzeitig helfen zu können, war das Blitz-Gewitter vielleicht wirklich die einzige Möglichkeit», sagt Vincent Laforet, Pulitzer-Preis-Gewinner dem Blog gawker.com.

John Kaplan, Professor für Fotojournalismus an der University of Florida, hofft, dass Abbasi sich richtig verhalten hat: «Im Ernst, niemand kann wirklich sagen, ob der Fotograf das Opfer hätte in Sicherheit bringen können. Aber wäre es so gewesen, dann hoffe ich, dass er das Richtige getan hätte und sich zuerst auf den Mann und erst nachher auf seine Kamera gestürzt hätte.»

Der Streit auf dem Perron

(Quelle: YouTube/ENEWSONLINE13)

(bee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Benno S am 05.12.2012 18:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwachsinn

    Meiner Meinung nach ist die Rechtfertigung diese Mannes reiner Schwachsinn. Als hätte das Blitzgewitter den Zugführer in irgendeinerweise dazu bringen können den Zug anzuhalten. In der Zeit in der er die Kamera bereit machte um ein foto zu schiessen wäre längst dem Opfer zur Hilfe gestanden... Ich verstehe solche Sachen nicht.

  • Marie am 06.12.2012 10:58 Report Diesen Beitrag melden

    Was mich am meisten stört ist

    dass er bereits den Disput gefilmt hat. Von der Perspektive der Fotos muss er an den beiden vorbei gegangen sein. Oder hat er nur das Foto gemacht, aber nicht den Film? Wieso filmt jemand so einen Streit? Man könnte auch darauf kommen, dass das alles abgesprochen war, um als Helden dazustehen, nur dass dann der Zug so früh/schnell kam und sie sich nicht mehr trauten, einzugreifen.

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  • Andrea M. am 06.12.2012 10:03 Report Diesen Beitrag melden

    Mutmassungen!

    Niemand war dabei, niemand kennt den genauen Hergang des Unfalls aber ALLE wissen wie sie reagiert hätten und ALLE wären Helden... Es ist so einfach hier kurz zu schreiben, wie man reagiert hätte. Aber das kann doch nicht euer Ernst sein, oder? Seit froh, dass ihr nicht in dieser Situation wart!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Radaumann am 07.12.2012 17:27 Report Diesen Beitrag melden

    Die Leser für Dumm verkaufen

    Die Sensation hatte hier vorrang vor der Hilfe. Liebe Reporter, langsam driftet ihr ab, aber es ist euer Gewissen, hoffentlich kommt ihr klar damit. Die negativen Sensationbilder werden immer schlimmer.

  • Dominic L am 06.12.2012 15:21 Report Diesen Beitrag melden

    Heutige Blitze?

    Er hat keine Zeit gehabt hinzugelangen aber er hat mehrmals geblitzt? Der Blitz muss sich auch aufladen oder gibt es Modelle die Serieblitzen können?

    • Heini am 06.12.2012 16:17 Report Diesen Beitrag melden

      Ja gibt's

      ja das gibt es.

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  • frau court am 06.12.2012 13:59 Report Diesen Beitrag melden

    gehts noch?

    also der fotograf ist in diesem fall also sicher unschuldig. schuldig ist in diesem fall nur wer in geschupft hat. lenkt hier nicht vom thema ab!!

  • Danny am 06.12.2012 12:50 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Alleinschuld

    Ich denke, dass der Fotograf falsch gehandelt hat. Andererseits können wir nicht mit Sicherheit beurteilen, ob es ihm zeitlich noch gereicht hätte zu helfen. Aber er war ja wohl nicht alleine in der U-Bahnstation. Andere hätten bestimmt auch die Gelegenheit (vielleicht nährer dran) gehabt zu helfen. Sicher hat nicht der Fotograf alleine Schuld. Schuldig ist in erster Linie der Täter, der den armen Kerl geschubst hat.

  • Marie am 06.12.2012 10:58 Report Diesen Beitrag melden

    Was mich am meisten stört ist

    dass er bereits den Disput gefilmt hat. Von der Perspektive der Fotos muss er an den beiden vorbei gegangen sein. Oder hat er nur das Foto gemacht, aber nicht den Film? Wieso filmt jemand so einen Streit? Man könnte auch darauf kommen, dass das alles abgesprochen war, um als Helden dazustehen, nur dass dann der Zug so früh/schnell kam und sie sich nicht mehr trauten, einzugreifen.

    • Micky am 06.12.2012 12:55 Report Diesen Beitrag melden

      also also..

      frau columbo - da geht woll gleich ihre fantasie mit ihnen durch! Genau so enstehen unnötige anschludigungen und gerüchte. schämen sie sich!

    • Herr Je am 06.12.2012 13:42 Report Diesen Beitrag melden

      Krimis

      Wohl zuviel Krimis geguckt. So entstehen schlimme Gerüchte. Gehen wir mal davon aus, dass der Fotograf unschuldig ist. Denn alles andere ist schlichte Vermutung und unangebracht. Vor allem dürfen wir nicht vergessen, wer hier wirklich Täter ist, nämlich derjenige, der ihn gestossen hat.

    • Marie am 06.12.2012 14:36 Report Diesen Beitrag melden

      Aha, da muss ich aber was klarstellen

      Wenn Ihr nur richtig lesen würdet, dann würdet Ihr es auch richtig interpretieren. Es ist keine Behauptung sondern ein Gedankengang. Und Gedankengänge braucht es, um etwas aufzuklären. Man will ja alles mit einbezogen haben, ja? Das ist übrigens mein tagtägliches Brot, solche Überlegungen anzustellen. So trage ich nämlich dazu bei, Schuldige von Unschuldigen zu trennen. Also hört bitte auf, solchen Mist zu schreiben. Hier seid nähmlich IHR die, die Gerüchte in die Welt setzen.

    • f meier am 06.12.2012 15:18 Report Diesen Beitrag melden

      @ Marie:

      Im Artikel steht, dass irgendwelche Zeugen, das Handy-Video den Medien zugespielt haben. Es ist also höchst unwahrscheinlich, dass es ebenfalls der Photograph war, der gefilmt hat (So von wegen richtig lesen). Am Foto kann man nicht erkennen, wie nahe er am Geschehen dran war, es gibt ja noch den Zoom. Was sind Sie denn von Beruf, dass solche Überlegungen ihr täglich Brot sind?

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