Überfälle als Job

13. November 2017 14:29; Akt: 13.11.2017 17:20 Print

Polizei jagt drei brutale «RAF-Rentner»

Drei ehemalige RAF-Terroristen verdienen ihren Lebensunterhalt mit Raubüberfällen, inklusive Panzerfäusten und Kalaschnikows. Die Polizei intensiviert nun die Fahndung.

Fahndungsvideo des LKA Niedersachsen zu den drei «RAF-Rentnern».
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Ernst-Volker Staub (63), Daniela Klette (59) und Burkhard Garweg (49) gehören zur «dritten Generation» der Roten Armee Fraktion (RAF). Die linksextreme terroristische Vereinigung löste sich 1998 auf, doch ein Teil ihrer Mitglieder ist nach wie vor aktiv und, so die Polizei, verdient sich seinen Lebensunterhalt durch bewaffnete Raubüberfälle. Bei einigen ihrer Coups, bei denen sie auch Kalaschnikows und Panzerfäuste einsetzten, erbeuteten sie mehr als eine Million Euro.

Das Landeskriminalamt Niedersachsen hat jetzt die Fahndung nach Staub, Klette und Garweg neu und europaweit ausgeschrieben: Dafür hat sie neue Fahndungsbilder und -videos (siehe unten) herausgegeben. Darunter sind Aufnahmen einer Überwachungskamera aus einem Bus in Osnabrück, die Garweg und Staub zeigen sollen, sowie eine weitere Aufnahme, die aus einem gescheiterten Raubüberfall auf einen Supermarkt in Hildesheim aus dem vergangenen Jahr stammen. Sie zeigen zwei maskierte und bewaffnete Männer, die ebenfalls Garweg und Staub sein sollen.

Merkmal: Schiefe Zähne

Dass es dem «RAF-Rentnertrio» bis heute gelingt, im Untergrund zu leben und die bisherige Fahndung keinerlei Erfolge zeigte, ist für die Polizei unerklärlich – zumal etwa Staub ein auffälliges Merkmal aufweist: Er hat stark hervorragende, schiefe Zähne. «Wenn so ein Mann in meinem Umfeld wäre, würde ich ihn sofort wiedererkennen», so der Sprecher des Landeskriminalamtes gegenüber ARD.de.

Klette, von der es kein aktuelles Foto gibt, Garweg und Staub sollen in den 90er-Jahren bis heute mindestens sechs Überfälle verübt haben. Klette wird zudem für drei Anschläge wie jenen auf die Justizvollzugsanstalt Weiterstadt 1993 verantwortlich gemacht.

DNA-Abgleich liess Polizei aufhorchen

Dass hinter den Überfällen drei Senioren-RAFler stecken, war der Polizei lange nicht klar. Erst als im Juni 2015 bei einem missglückten Überfall auf einen Geldtransporter bei Bremen das Fluchtauto der Täter sichergestellt und darin DNA-Spuren gefunden worden waren, liessen die Abgleichresultate aufhorchen: Sie stammten von den drei untergetauchten RAF-Mitgliedern.

Die RAF habe sich schon immer durch ihre guten Kenntnisse in Tarnung und Waffengebrauch ausgezeichnet, sagt RAF-Kenner Wolfgang Kraushaar der ARD. «Alte RAF-Mitglieder sind in der Lage, auch nachdem der politische Kampf offenbar vorüber ist, diese Dinge nach wie vor abzurufen und einzusetzen, und damit sind sie hochqualifizierte Schwerstkriminelle.»

Die neue Fahndung wurde nach Italien, Spanien, Frankreich und die Niederlande ausgedehnt – alles Länder, in denen es gemäss Polizei enge Verbindungen zwischen verschiedenen linksterroristischen Gruppen gibt.

Fahndungsbilder des LKA Niedersachsen

Polizei jagt drei «RAF-Rentner»



(gux)