Mallorca

12. Juli 2016 13:59; Akt: 12.07.2016 14:23 Print

Korrupte Polizisten teilten Beute mit Dieben

Polizeibeamte auf Mallorca sollen Taschendieben geholfen haben, Opfer zu finden — um sich dann einen Anteil am Diebesgut zu sichern.

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Die Ortspolizei von Mallorca ist in einen schweren Korruptionsskandal verwickelt. (Bild: Keystone/AP/Manu Mielniezuk (Symbolbild))

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Ein grosser Skandal um korrupte Ortspolizisten erschüttert die spanische Ferieninsel Mallorca. Dutzende Beamte sitzen derzeit in Untersuchungshaft — viele von ihnen sagen nun vor der Staatsanwaltschaft von Palma de Mallorca aus.

Laut «Diario de Mallorca» berichtete ein Polizist der Justiz, dass zwei seiner Kollegen eng mit Taschendieben zusammengearbeitet hätten. Die Beamten sollen mit Nachtsichtgeräten und Ferngläsern leichte Opfer für rumänische Diebesbanden ausfindig gemacht haben, um sich dann die Beute mit den Verbrechern zu teilen. Die Beamten hätten von Hotel-Terrassen aus mit ausgefeilter Überwachungstechnik Ausschau nach potenziellen Opfern gehalten und über Walkie-Talkies mit den Kriminellen kommuniziert.

Mehrere ähnliche Fälle

Die jüngste Aussage des Polizisten bekräftigt die Version eines weiteren Kollegen, der Anfang Juli über die systematische Forderung von Bestechungsgeldern bei der Ortspolizei berichtete. So soll ein weiterer Arbeitskollege eng mit rumänischen Gangs kollaboriert und als Gegenleistung Kokain bekommen haben, schreibt die Zeitung «El Mundo».

In einem 25'000 Seiten umfassenden Dossier heisst es, dass der korrupte Polizist den Rumänen unter anderem half, schneller freizukommen, wenn sie bei Kontrollen verhaftet wurden. Um seine «Geschäftspartner» besser zu verstehen, habe der Polizist sogar Rumänisch gelernt.

Gewalt an Prostituierten

Diese drei Fälle sind bei weitem nicht die einzigen: Seit fast drei Jahren verfolgt die spanische Justiz ein Netzwerk von Korruption und Gewalt, bei dem es um Gratis-Sex mit Prostituierten und Erpressung von Ladeninhabern und Etablissement-Besitzern an der Playa de Palma geht.

Eine noch minderjährige Prostituierte aus Rumänien sagte aus, dass Polizisten und Politiker häufig in dem Club feierten, in dem sie gearbeitet habe. Wenn es Razzien gab, wurden die Beamten demnach von ihren Kollegen telefonisch benachrichtigt, damit sie rechtzeitig flüchten konnten. Eine Brasilianerin berichtete zudem, dass die Polizisten immer zu viert oder fünft kamen – darunter auch Chefs — und reichlich Kokain mitbrachten.

Eine andere junge Frau schilderte, wie sie einmal von einem «grossen, gut aussehenden» Polizeibeamten verprügelt worden sei, nachdem sie ihn mit den Fingernägeln gekratzt habe. Ein anderer Polizist soll eine rumänische Prostituierte nach einer Diskussion in einen Abfallcontainer geworfen haben.

Politiker stolpert über Skandal

Erst vergangene Woche war der Chef des Ortsverbandes von Palma, José María Rodríguez, wegen der Enthüllungen zurückgetreten. Der zuständige Untersuchungsrichter hat den Politiker der konservativen Volkspartei (PP) im Verdacht, der wahre Drahtzieher des Netzwerks zu sein.

(kle)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • wenn die Arbeit zum Urlaub wird am 12.07.2016 14:21 Report Diesen Beitrag melden

    Mallorca

    hahah richtige party insel dort :D egal ob beamte oder nicht es wird gefeiert, und die armen leute die ihr geld noch auf die altmodische / legale art verdienen wollen, werden abgezockt.... läuft...

  • Spikey am 12.07.2016 14:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ist so einfach

    Das ist wirkich nichts Neues!!! Je ärmer die Länder werden desto grösser wird die Kriminalität und zwar auch betr. Staatsangehörigen wie Polizei ect.

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  • Peter Kaufmann am 12.07.2016 14:32 Report Diesen Beitrag melden

    Spanien das Abzockerparadies

    Das ist nichts Neues. Wir wurden auf der Autobahn bei einem Kaffeehalt aufgebrochen und ausgeräumt. Die anrückende Polizei war nicht an Details zu unserer Beobachtung interessiert. Auf einem späteren Rastplatz sahen wir sie beim Beuteteilen. Als nicht spanischsprechender Sommerferientouri habe ich das Richtige getan. Ich hab weggeschaut und bin vom Platz gleich wieder weggefahren.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Arada am 13.07.2016 09:02 Report Diesen Beitrag melden

    Gleich Umgebucht

    Als ich das im Fernseher gestern gesehen habe, habe ich meine 2 Mallorcaurlaubwochen gleich umgebucht. Ich gehe 2 Wochen nach Malbun im Liechtenstein und freue mich sehr.

  • Don Quichote am 13.07.2016 09:02 Report Diesen Beitrag melden

    Zuhause bleiben

    Solche Meldungen sind mit ein Grund, weshalb ich inzwischen zuhause Ferien mache und den Garten samt Pool geniesse, auch wenn es ab und zu regnet.

    • Hitsch k. am 13.07.2016 11:26 Report Diesen Beitrag melden

      Urlaub kann Nervig sein

      Da hast du völlig recht. Die Urlauber sind sowieso gestresst und unfreundlich. Ich nerve mich nie so viel als im Urlaub. Liegen besetzen, drängeln beim essen schöpfen, und dann essen zurücklassen das es eine Schande ist und und....

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  • Soraja am 13.07.2016 08:34 Report Diesen Beitrag melden

    Auch bei uns keine Strafen auf Bewährung

    Weshalb erwarten wir dann, dass Menschen aus solchen Regionen bei uns - alli so nätt - sind und kein Wässerchen trüben können? Ohne alle in den gleichen Topf zu werfen, bei Einwanderung kommt auch die Kriminalität mit, und es sind nicht die bravsten, die den Mut haben aus- resp. einzuwandern. Deshalb wäre es auch wichtig, dass alle, die sich strafbar machen, entsprechend behandelt resp. abgeschoben werden, keine Strafen auf Bewährung mehr.

  • Cavi33 am 13.07.2016 08:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freund und Helfer ?????

    Das nennt man Ankurbelung der danieder liegenden spanischen Wirtschaft. Dass die Polizei korrupt und nur die Touristen zusätzlich ausnimmt ist ja seit Jahren bekannt. Die Rumänenbanden sind ein gesamt europäisches Risiko .

  • p.z. am 13.07.2016 08:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorfahrt den Kriminellen

    Ist in allen Ländern so - In der Schweiz nicht viel besser Bin mir Einiges gewohnt !