Klage abgewiesen

28. Oktober 2014 16:34; Akt: 28.10.2014 16:55 Print

Nacktwanderer blitzt bei Strassburger Richtern ab

Ein schottischer Nacktwanderer ist vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gescheitert. Er hatte sich gegen Haftstrafen wegen Exhibitionismus gewehrt.

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Der schottischer Nacktwanderer Stephen Peter Gough ist vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte mit einer Klage gegen Haftstrafen wegen Exhibitionismus abgeblitzt. Die Strassburger Richter stellten sich am Dienstag hinter die britische Justiz.

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Dies hatte den 55-Jährigen rund 30 Mal wegen seiner öffentlichen Auftritte im Adamskostüm verurteilt. Insgesamt verbrachte der Mann gut sieben Jahre hinter Gittern.

Unverbesserlicher Nackedei

Gough hatte im Jahr 2003 beschlossen, nackt von Land's End im äussersten Südwesten Englands bis ins gut 1340 Kilometer entfernte John O'Groats an der nordwestlichen Spitze von Schottland zu marschieren – was ihm in Grossbritannien den Spitznamen «the naked rambler» (der nackte Wanderer) einbrachte.

Zwischen 2003 und 2012 wurde er immer wieder festgenommen, weil er sich nackt in der Öffentlichkeit zeigte – auf Strassen, Plätzen oder auch Flughäfen. Seine Weigerung, angezogen vor Gericht zu erscheinen, kostete den Schotten ausserdem eine Verurteilung wegen Beleidigung eines Richters.

Nach jeder Haftentlassung wurde der Mann schnell wieder festgenommen, weil er erneut alle Hüllen fallen liess. Daher hat er dem Urteil zufolge zwischen Mai 2006 und Oktober 2012 nur rund eine Woche in Freiheit verbracht.

«Gute Sitten» missachtet

Der Schotte wollte mit den hüllenlosen Auftritten nach eigenem Bekunden seine Überzeugung kundtun, dass der menschliche Körper nicht anstössig ist. Vor dem Strassburger Gericht machte er geltend, die britische Justiz habe mit ihren Urteilen gegen sein Recht auf Meinungsfreiheit verstossen.

Die Strassburger Richter räumten ein, die «öffentliche Nacktheit» des Klägers könne durchaus als eine Art Meinungsäusserung angesehen werden. Der Kläger könne aber nicht für sich selbst Toleranz beanspruchen und sich gleichzeitig über die Gefühle anderer hinwegsetzen, die sein Verhalten als schockierend oder verletzend empfinden könnten. Die nackten Auftritte hätten die Vorschriften über «gute Sitten» verletzt, die in «jeder modernen demokratischen Gesellschaft» gültig seien.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Carsten am 28.10.2014 17:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Interessant

    Interessant wäre es zu wissen ob man es als Sieg für den Femenismus gefeiert hätte wenn es eine Frau gewesen wäre.

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  • flo am 29.10.2014 01:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schäme mich

    Wir haben schon eigenartige wertvorstellungen. Bei einem Verkehrsunfall fahren Eltern extra langsam vorbei, damit der Nachwuchs alles ganz genau sieht. Kommt der selben Familie ein Nacktwanderer entgegen, halten sie den Kindern die Augen zu. Gilt übrigens auch für nicht Eltern. Enthauptungsvideo ja, Penis oder Brüste igitt. Bravo, tolle Zivilisation.

  • T.M. am 28.10.2014 21:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo liegt das Problem

    Ich sehe das Problem nicht.So sind wir auch geboren...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Kilty am 29.10.2014 09:10 Report Diesen Beitrag melden

    Schotte? Nackt unter Kilt...

    ...waere ja okay! Er hat halt einfach seinen Kilt vergessen.

  • Freidenkerin am 29.10.2014 08:45 Report Diesen Beitrag melden

    Meinungsfreiheit sicher, aber andere ...

    ... damit zwangskonfrontieren damit auf diese Art und Weise und mit dem Anblick seiner nackten Koerpers, ist das wirklich noetig und seine Auffassung von Menschenrecht? Auch Wir haben Meinungsfreiheit, und zwar, ob wir ihn so sehen wollen oder nicht!

  • Tüechli am 29.10.2014 07:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oder ein Tuch

    Der Typ trägt ein Tuch um den Hals, wenn er noch eins in den Beckengurt seines Rucksack steckt (vorne in der Mitte), ist sein bestes Stück verdeckt und trotzdem gut gelüftet.

  • Vanuatu am 29.10.2014 07:06 Report Diesen Beitrag melden

    Kompromissvorschlag: Peniskoecher?

    Ich habe einen Vorschlag: wie waere es mit einem Kompromiss? Wir waren in Vanuatu letztes Jahr, dort tragen die Einheimischen ausgehoelte Kuerbisse als Peniskoecher.

    • Eveline am 29.10.2014 07:29 Report Diesen Beitrag melden

      Die Urvölker können es, wir nicht

      Siehst du, sogar Urvölker haben eine Art von Rücksichtnahme den andern gegenüber entwickelt, was man von unserer sogenannten zivilisierten Welt nicht überall behaupten kann, da nehmen sich einige alles ohne Rücksicht auf Verluste.

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  • Nichtbluettler am 29.10.2014 06:55 Report Diesen Beitrag melden

    .. wie glaubensbedingte Kopftuecher z.B.

    Es wirkt auf mich nicht stoerender als glaubensbedingte Outfits wie Locken vor den Ohren, Kopftuecher etc., nur ist es halt eben aussengewoehnlicher fuer unser Empfinden weil seltener! Wir werden mit dem "Andersartigen" eines Mitmenschen konfrontiert ohne es zu wollen, was bei uns Gedanken und Gefuehle ausloesen kann und auf das wir nicht unbedingt jederzeit eingestellt sind. Ich persoenlich bin fuer Individualitaet und Toleranz, solange man niemanden aktiv auf die Fuesse steht. Vor Gericht nackt zu erscheinen ist allerdings schon eine Provokation, das war nicht wirklich durchdacht.