06. Januar 2006 23:06; Akt: 06.01.2006 23:17 Print

Immer mehr Briten saufen sich zu Tode

In Großbritannien hat sich die Trunksucht derart ausgeweitet, dass immer mehr Menschen am Alkohol sterben. Dieser Trend ist in der EU einzigartig.

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Wegen ihrer "Liebesaffäre mit der Flasche" würden immer mehr Briten an Leberzirrhose und anderen Alkoholkrankheiten sterben, warnten Wissenschaftler in einer am Freitag veröffentlichten Langzeitstudie.

Großbritannien sei das einzige Land Europas, in dem die Todesfälle durch Zirrhose zunehmen, während sie ansonsten fast überall auf dem Kontinent zurückgingen. Dieses Ergebnis der Studie habe die Forscher "keineswegs überrascht", sagte Robert Patton, Psychologe des Nationalen Zentrums für Suchtkrankheiten am King's College in London. "Wir wissen seit geraumer Zeit, dass der Alkoholkonsum seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs stark zugenommen hat."

Drastischer Anstieg der Alkoholtoten
In den 50er Jahren seien in England und Wales gemessen an der Gesamtbevölkerung viel weniger Menschen an Leberzirrhose gestorben als anderswo in Westeuropa. Doch in den 80er und 90er Jahren seien die Zirrhose-Sterberaten in England und Wales um zwei Drittel gestiegen, während sich die Zahlen in Schottland verdoppelten. Die Heimat des Single Malt-Whisky habe inzwischen europaweit eine der höchsten Sterberaten bei Leberzirrhose erreicht.

Die Zirrhose ist das Endstadium chronischer Lebererkrankungen. Sie entwickelt sich meist über einen langen Zeitraum. In Industrieländern ist Alkoholsucht die häufigste Ursache der Krankheit, bei der die Leberzellen nach und nach absterben. Der Leiter des Forschungsteams der Organisation "Aktion gegen Sucht", Lesley King-Lewis, erklärte im britischen Wissenschaftsmagazin "Lancet", die Studie sei "ein weiterer Beweis" dafür, dass die in Großbritannien immer mehr um sich greifende "Kultur des Besaufens bis zur Ohnmacht" die Volksgesundheit untergrabe.

(sda)