Entführung entkommen

19. Juli 2012 18:35; Akt: 20.07.2012 13:15 Print

Sie strampelte, bis er sie losliess

In Philadelphia versuchte ein Mann ein zehnjähriges Mädchen zu entführen. Doch das ging ziemlich schief. Das Mädchen konnte sich erfolgreich wehren. Eine Überwachungskamera filmte mit.

Die misslungene Entführung wurde von einer Überwachungskamera festgehalten. (Video: Philadelphia Police/AP)
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Es geschah am hellichten Dienstag: Ein zehnjähriges Mädchen läuft mit ihrem zweijährigen Bruder eine Strasse entlang. Ein weisses Auto fährt an ihnen vorbei und hält an. Der Fahrer wartet geduldig. Nachdem die Kinder um die Ecke gebogen sind, steigt er aus und folgt ihnen. Plötzlich packt er das Mädchen von hinten und versucht, es bis zu seinem Wagen zu zerren. Der kleine Bruder schreit, das Mädchen strampelt. Mit Erfolg. Denn schlussendlich gibt der Entführer sein Vorhaben auf.

Bürgerschaft soll mithelfen

Die Ermittler fahnden nun mit Hilfe der Videosequenz nach dem Täter. Die Bilder wurden an einer Pressekonferenz am Mittwoch präsentiert. Philadelphias Bürgermeister Michael Nutter sagte, «solche Verbrechen» würden «überhaupt nicht toleriert» und seien «total ungeheuerlich». Die Stadt benötige die Unterstützung ihrer Bürger, damit «die Kinder frei durch die Nachbarschaft gehen können, ohne dass ein degenerierter Mensch wie dieser sie schnappt, anfasst oder ihnen noch Schlimmeres antut».

Es ist nicht das erste Mal, dass die Polizei von Philadelphia die sozialen Plattformen Twitter und Facebook benützt, um einen Kriminellen zu schnappen. Auch diesmal veröffentlichte sie die Aufnahmen mehrerer Überwachungskameras, auf denen der Versuch einer Entführung zu sehen ist.

Die Stadt Philadelphia setzt seit einigen Monaten auf die Kooperation der Bewohner – vor allem nach der bitteren Erfahrung vom vergangenen Mai. Damals war ein Mann in einem Bus angegriffen worden. Weder der Chauffeur noch die Mitfahrer halfen dem Opfer. Als die Polizei die Bilder der Überwachungskamera veröffentlichte, meldeten sich jedoch mehrere Augenzeugen und die Täter konnten gefasst werden. Die Behörden merkten dabei, dass die Zeugen anonym bleiben wollen, aber dennoch gerne elektronisch Auskunft über eine Tat geben.

Inzwischen wurden 87 Kriminalfälle auf diese Art und Weise gelöst. In zwei Fällen waren es sogar die Mütter der Täter, die ihre Söhne angezeigt hatten, nachdem sie die Bilder auf Facebook oder YouTube gesehen hatten.

(kle)