Aufruhr in den USA

05. September 2016 20:52; Akt: 05.09.2016 20:52 Print

«Kastriert den Vergewaltiger!»

Der ehemalige Stanford-Student, der wegen Vergewaltigung verurteilt worden war, ist nach nur drei Monaten wieder zu Hause. Willkommen ist er nicht.

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Brock Turner (21), reicher, weisser Sohn, Student und Athlet an der Eliteuniversität Stanford, vergewaltigte im Januar 2015 nach einer durchzechten Nacht eine junge Frau (20 Minuten berichtete). Er kam mit einem aufsehenerregend milden Urteil davon und letzten Freitag nach drei Monaten Haft wegen guter Führung auf Bewährung frei. Von einem Justizskandal war die Rede, landesweit wurde über den Fall debattiert.

Mittlerweile ist Turner ins elterliche Zuhause in Ohio zurückgekehrt – wo ihn rund ein Dutzend, teils bewaffnete Demonstranten erwarteten. «Kastriert den Vergewaltiger», fordern sie, oder «Wenn ich Brock vergewaltige, kriege ich nur drei Monate». Botschaften wurden mit Kreide auf das Trottoir und die Strasse vor Turners Haus gekritzelt und ein Mann sagte: «Turner wird hier kein angenehmes Leben haben. Wir werden nie verzeihen, was er getan hat.» Eine Demonstrantin forderte, dass die Familie aus der Nachbarschaft wegziehe. «Sie ist ein Krebsgeschwür, und wir müssen sie hier wegkriegen.»

«20 minutes of action»

Turner wird sich in den kommenden Tagen bei der Polizei melden müssen, die ihn fotografiert und in das Register der Sexualstraftäter aufnimmt. Beim Opfer hat er sich nie entschuldigt, sondern die Tat stets mit seinem Alkoholkonsum in jener Nacht erklärt.

Er hatte die 23-Jährige im Januar 2015 nach einer Studentenparty vergewaltigt. Zwei andere Studenten hatten Turner beobachtet, wie er sich hinter einem Müllcontainer an der bewusstlosen Frau verging. Als er zu fliehen versuchte, überwältigten sie ihn. Das blutverschmierte Opfer kam erst im Krankenhaus zu sich. Am Prozess verlas die Frau eine aufwühlende Erklärung: «Du kennst mich nicht, aber du warst in mir.» Dennoch verurteilte Richter Aaron Perksy, ein früherer Stanford-Student, Turner diesen Juni zu lediglich sechs Monaten Gefängnis, nachdem eine Jury Turner in drei Anklagepunkten schuldig gesprochen hatte (schuldig des «Überfalls mit der Absicht, eine berauschte Frau zu vergewaltigen», des «sexuellen Einführens eines Fremdobjekts» und «sexuellen Einführens eines Fremdobjekts bei einer bewusstlosen Frau»). Die Staatsanwaltschaft hatte sechs Jahre Haft für Turner gefordert.

Richter macht keine Strafrechtsfälle mehr

Das milde Urteil sorgte national für Empörung und die Reaktion von Turners Vater auf das Urteil hat alles noch schlimmer gemacht: Das Leben seines Sohnes sei wegen «20 minutes of action» (sic!) verpfuscht, die Strafe viel zu hart. Diese Ignoranz, die stossende richterliche Nachsicht sowie die Tatsache, dass statt eines Polizeifotos (Mugshot) lediglich eine Aufnahme Turners aus dem Uni-Jahrbuch veröffentlicht wurde, heizte die Diskussion landesweit weiter an: Viele klagten die Ungleichbehandlung und Parteinahme der Justiz in diesem Fall an.

Der zuständige Richter Persky hatte Ende August darum ersucht, fürs Erste nur noch zivilrechtliche und keine strafrechtliche Prozesse mehr zu führen. Die kochende Volkseele besänftigte dies wenig: In einer Online-Petition fordern über 1,3 Millionen Amerikaner seinen Rücktritt.

(gux)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • wednesday am 05.09.2016 21:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Monster vom Monster

    Eine unglaublich abscheuliche Tat und ein erschreckend lächerliches Urteil. Dreimal schuldig gesprochen von der Jury und drei Monate Knast vom Freund Richter, lächerlich. Bei der Aussage des Vaters fehlen mir die Worte. Ein Monster erschuf ein Monster.

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  • Candy1980 am 05.09.2016 21:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    diese amis

    jaja diese amis, normalerweise sind die knüppelhart mit ihren urteilen. gerade samstags in einer doku gesehen "frauenknast" ersttäterin zum dealen angestiftet von ihrem damaligen freund und von undercovercops hops genommen muss die arme 30 jahre absitzen..dagegen ist 20 minutes of action natürlich nur ein klacks....ironieironie

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  • Bvlck am 06.09.2016 05:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lächerlich

    Wie wäre wohl das Urteil ausgefallen wenn er eine andere Hautfarbe hätte? Er hätte sehr wahrscheinlich nicht nur lächerliche 3 Monate gekriegt...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Walles am 06.09.2016 08:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Dieser Artikel hat mich einfach nur traurig und wütend gemacht. Was ist das für ein Richter, der in keinster Weise Gerechtigkeit verübt? Wo bleibt denn der "Rechtsstaat", wenn ein Vergewaltiger keine angemessene Strafe bekommt? Ich habe Mitleid mir der Frau, absolut kein Verständnis für den Täter und dessen Familie, und vor allem würde ich mich nicht wohlfühlen wenn ich wüsste, dass jemand, der mich vergewaltigt hat, möglicherweise ohne grosse Anstrengung wieder auf freiem Fuss ist.

  • Mimi1982 am 06.09.2016 08:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heftig

    Das ist schon heftig!!! Wenn man doch ganz klar weiss was sache ist! Nicht vermutet usw. Sondern ganz klare Beweise hat! Wo bleibt da die Gerechtigkeit?? Wärs jemand gewesen der nicht so "angesehen" ist hätte der Jahrelang (zu Recht) gesessen! Aber der vorzeigejunge nicht.....! Kastrieren fände ich nichtmal ne schlechte Idee!!!!

  • Jane38 am 06.09.2016 07:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    stinkt

    dass das urteil faul zum himmel stinkt ist klar...aber das man das elternhaus angreift ist unter aller würde.

  • Waterpolo1s am 06.09.2016 06:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    OPFER ?

    Immer spricht man von den Verbrechern .... und was ist mit den Opfern?!

  • Bvlck am 06.09.2016 05:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lächerlich

    Wie wäre wohl das Urteil ausgefallen wenn er eine andere Hautfarbe hätte? Er hätte sehr wahrscheinlich nicht nur lächerliche 3 Monate gekriegt...