Aktivist ist sich sicher

08. Oktober 2012 21:31; Akt: 08.10.2012 23:07 Print

«Ich habe das Bild verbessert»

In der Tate Modern Gallery in London hat ein Besucher ein Gemälde des Malers Mark Rothko beschmiert. Der Täter hat sich inzwischen zu erkennen gegeben. Vor einer Festnahme hat er keine Angst.

Die Mitglieder wollen auf ihre Bewegung «yellowism» aufmerksam machen. Ihr Video hat - bis jetzt - knapp 300 Views. (Quelle: ThisIsYellowism/YouTube)
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Als die Sicherheitsleute den Raum betraten, war der Schock gross: «Black on Maroon», eines der «Seagram Murals» des Künstlers des amerikanischen Künstlers Mark Rothko, war in einer Ecke mit einem Grafitti beschmiert worden. «Vladimir Umanets, ein potenzielles Stück von ‹yellowism›», hatte der Täter mit schwarzer Farbe gekritzelt. Sofort machte sich das Personal auf die Suche nach dem Vorfall nach dem Vandalen. Die Galerie schloss sogar kurzzeitig ihre Türen, es war aber zu spät. Der Täter war bereits geflüchtet.

Unerkannt wollte der Urheber des Graffitis jedoch nicht bleiben. Am Sonntagabend gab ein Mann namens Wladimir Umanets auf Anfrage der britischen Zeitung «The Guardian» zu, dass er hinter der Aktion stecke. Er erklärte, dass er damit dem Rothko-Bild «einen zusätzlichen Wert» gegeben habe. «Ich glaube, wenn jemand das Werk restauriert und meine Unterschrift entfernt, dass das Bild etwas an Wert verlieren wird. In ein paar Jahren wird es wegen meiner Aktion aber wieder an Wert gewinnen», sagte er. Dabei verglich er sich mit dem französischen Künstler Marcel Duchamp, der im Jahr 1917 ein Pissoir signiert und es danach ausstellte.

Was ist «yellowism»?

Umanets ist zusammen mit einem anderen Künstler, Marcin Lodyga, Teil einer Kunstbewegung namens «yellowism». Einem Manifesto zufolge, das im Internet zirkuliert, sind die beiden Mittzwanziger die einzigen Mitglieder der Gruppe.

Der Täter ist sich dann auch keiner bösen Tat bewusst. «Ich habe das Bild nicht zerstört. Ich habe nichts gestohlen. Es gab ein Haufen solcher Vorfälle in der Vergangenheit. Marcel Duchamp oder gar Damien Hirst haben Werke gezeichnet, die nicht von ihnen kreiert worden waren.» Umanets gibt zu, ein grosser Rothko-Fan zu sein. «Er ist einer der grössten Künstler des letzten Jahrhunderts. Ich glaube nicht, dass ich etwas Falsches getan habe. Wenn mich die Polizei verhaftet muss, dann soll sie mich verhaften. Das ist für mich okay.»

Ein einziger Zeuge

Inzwischen meldete sich auch der einzige Zeuge des Vandalenaktes zu Wort. Er schoss als Erster ein Foto des beschmierten Bildes und postete es auf Twitter. «Ich habe das Kritzeln eines Stiftes gehört. Bis wir aber zum Tatort kamen, war er (Umanets, Anm. d. Red.) fast fertig mit seinem Schriftzug», erzählte Tim Wright aus Bristol, der mit seiner Freundin das Museum besuchte. «Die Farbe begann gerade zu tröpfeln, als wir beim Bild ankamen. Da wurde uns bewusst, was gerade passiert war und wir suchten einen Museummitarbeiter.» Nun befasst sich Scotland Yard mit dem Fall.

(kle)