Hostess dreht durch

04. Dezember 2012 20:29; Akt: 04.12.2012 20:29 Print

Verbal-Amok bei Cathay Pacific

Eine Flugbegleiterin der Airline Cathay Pacific erwog, der Tochter eines unliebsamen Politikers den Kaffee ins Gesicht zu schütten. Nun ist die hitzköpfige Thailänderin ihren Job los.

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Paetongtarn Shinawatra (mit dem Handy) mit ihrem Vater Thaksin und ihren Geschwistern. (Bild: Instagram/ingshin21)

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«Menschen machen eine Fluggesellschaft aus», lautet der Slogan von Cathay Pacific aus Hongkong. Da passt eine Mitarbeiterin schlecht ins Konzept, die einem Passagier Kaffee ins Gesicht schütten will. Doch genau so wollte eine Flugbegleiterin mit einem Fluggast verfahren, der ihr nicht genehm war.

Flight Attendant «Honey Lochanachai» (Facebook-Name) war am 25. November 2012 in der Business Class eines Cathay-Pacific-Flugs von Bangkok nach Hongkong eingeteilt. Als sie die Passagierliste durchging, entdeckte sie den Namen «Paetongtarn Shinawatra» - keine Geringere als die Tochter des umstrittenen thailändischen Ex-Premier Thaksin Shinawatra.

«Ich teilte meinem Vorgesetzten umgehend mit, dass ich unmöglich arbeiten könne im Wissen, dass die Tochter meines Feindes an Bord sei», schrieb Lochanachai auf Facebook. Die Flugbegleiterin ist selbst Thailänderin und gehört den monarchistischen Gelbhemden an, die den ehemaligen Regierungschef Thaksin Shinawatra leidenschaftlich hassen. Dessen Schwester Yingluck ist derzeit Premierministerin.

Sitznummer gepostet

Offenbar wurde ihrem Wunsch entsprochen und sie musste Paetongtarn nicht in die Augen schauen. Doch der Gedanke liess sie nicht los: «Ich rief meinen persönlichen Berater an und fragte, ob ich Paetongtarn Kaffee ins Gesicht schütten kann». Der riet ihr ab. Im Gespräch mit einer gleichgesinnten thailändischen Mitarbeiterin erwog sie zudem, Paetongtarn beim Aussteigen zu beschimpfen.

All dies liess sie letztlich bleiben – was sie aber nicht davon abhielt, ihren verbalen Amoklauf auf Facebook fortzusetzen: «Ich habe ihr keinen Kaffee ins Gesicht geschüttet, aber sie weiss nicht, dass ich weiter kämpfen werde, bis ihr Clan nicht mehr wie Parasiten auf thailändischem Boden leben kann.» Zur Illustration postete sie zudem ein Bild mit der Sitznummer Paetongtarns.

«Tee oder Kaffee?»

Die Hass-Einträge riefen in Thailand schnell die Shinawatra-Anhänger auf den Plan. Diese beschwerten sich bei Cathay Pacific, dass die Flugbegleiterin die Privatsphäre Paetongtarns verletzt hatte. Die Airline teilte in einem Communiqué mit, dass sie den Vorwürfen nachgehen werde. Am Montag meldete sie auf ihrer Facebook-Seite mit, dass die besagte Flugbegleiterin «inzwischen nicht mehr für das Unternehmen tätig sei». Laut eigener Darstellung hat Lochanachai von sich aus gekündigt.

Auch das Beinahe-Opfer meldete sich zu Wort: «Ich wollte doch nur meinen Vater besuchen», schrieb Paetongtarn auf ihrer Instagram-Seite. Sie fühle sich ein wenig «unwohl», dass ihr jemand Kaffee ins Gesicht schütten wollte: «Und das von einer Flugbegleiterin...Tee oder Kaffee?», witzelte sie.

(kri)