Theorie zerschmettert

16. Juli 2017 20:51; Akt: 16.07.2017 20:51 Print

Das alles stimmt am Bild von Amelia Earhart nicht

Ein altes Foto sollte belegen, dass US-Flugpionierin Amelia Earhart ihren letzten Flug überlebt hat. Zwei Tage später kam schon der Gegenbeweis.

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Dieses Foto entstand im Jahr 1935, ein Jahr später erschien es in einem Buch: Das ist der klare Beweis, dass die Frau, die am Pier sitzt, nicht US-Flugpionierin Amelia Earhart ist. Die Theorie machte Anfang Juli 2017 die Runde: Das Foto war vom pensionierten FBI-Agenten Les Kinney im US-Nationalarchiv entdeckt worden. Kinney und Forscher Kent Gibson waren überzeugt, dass es Earhart und ihren Navigator Fred Noonan auf den Marshallinseln im Jahr 1937 zeigt. Das nährte die Theorie, dass die beiden ihren Rundflug um die Welt eigentlich überlebt hatten und auf den damals von Japan kontrollierten Marshallinseln abgestürzt waren. Sie seien, vermutlich unter dem Verdacht, Spione der USA zu sein, von den Japanern in Haft genommen worden, glaubten Vertreter dieser Theorie. Earhart und Noonan starteten am 21. Mai 1937 in Miami und erreichten nach Zwischenlandungen in Brasilien, Westafrika, Indien und Burma die Insel Neuguinea. Von dort aus wollten sie am 2. Juli das letzte Stück, den Pazifik, in Angriff nehmen. Am 2. Juli 1937 verschwanden sie auf dem letzten Abschnitt ihrer Route. In ihrem letzten empfangenen Funkspruch erklärte die 39-Jährige, sie könne die Howlandinsel nicht finden und habe kaum noch Treibstoff. Sie flogen die Howlandinsel an, wo die letzte Zwischenlandung geplant war. Doch das Flugzeug kam nie dort an. Wahrscheinlich hatte sich Earhart verirrt. Nach ihrem letzten Funkspruch wurde eine grosse Suchaktion gestartet, doch weder das Flugzeug noch seine Insassen wurden gefunden. Bild: Auf der Aufnahme, die im Oktober 1939 bei Nikumaroro (Kiribati) gemacht wurde, sind Trümmer zu erkennen, die möglicherweise Earharts Maschine zuzuordnen sind. Kurz vor ihrem 40. Geburtstag hatte sich Earhart vorgenommen, als erster Mensch die Erde am Äquator zu umrunden. Die Tochter eines Juristen aus Kansas war vom Fliegen begeistert, seit sie 1920 zum ersten Mal in einem Flugzeug mitfliegen durfte. Ein halbes Jahr nach ihrer ersten Flugstunde stellte sie schon einen Höhenweltrekord für Frauen auf. 1932, fünf Jahre nach Charles Lindbergh, überquerte sie als erste Frau den Atlantik im Alleinflug. Im Januar 1935 folgte dann der erste Alleinflug über die Hälfte des Pazifiks (von Hawaii nach Kalifornien).

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Der US-Sender History Channel kündigte kürzlich Spektakuläres an: Im Dokumentarfilm «Amelia Earhart: The Lost Evidence» wurde ein neu aufgetauchtes Foto präsentiert, das beweisen sollte, dass die US-Flugpionierin Amelia Earhart und ihr Kopilot Fred Noonan im Jahr 1937 ihren Welt-Rundflug eigentlich überlebten hatten. Doch es vergingen keine 48 Stunden, da war die Theorie schon in sich zusammengebrochen.

Im Dokfilm hiess es nämlich, dass Earhart und Noon nicht beim Absturz ihrer Maschine über dem Pazifik ums Leben gekommen seien, sondern auf den damals von Japan kontrollierten Marshallinseln abgestürzt seien. Die beiden seien unter Spionageverdacht von den Japanern in Haft genommen worden und schliesslich auf den Marshallinseln gestorben. Zudem wurde gemutmasst, die USA hätten davon gewusst, es aber aus diplomatischen Erwägungen vertuscht.

Foto in einem Buch aus 1936

Die neue Theorie um Earharts Schicksal setzte der pensionierte FBI-Agent Les Kinney in die Welt, als er vor Kurzem das Bild im US-Nationalarchiv entdeckte. Eine Analyse der Schwarz-Weiss-Aufnahme mit Software zur Gesichtserkennung sollte wenig später auch den Forscher Kent Gibson überzeugen. Die Frau, die auf dem Bild nur von hinten zu sehen ist und auf einen Kahn starrt, sei «höchstwahrscheinlich» Earhart, versicherte Gibson im Film.

Die Version hielt nicht lange: Ein japanischer Blogger postete dasselbe Bild, das allerdings 1935 aufgenommen und ein Jahr später in einem japanischen Buch veröffentlicht worden war. Zu jenem Zeitpunkt hatte die Reise von Earhart und Noonan noch gar nicht begonnen.

Zu lange Haare

Auch der US-Militärexperte Matthew B. Holly kannte das alte Foto aus dem 100-seitigen Buch «Die Lebenslinien der See – Meine Reise in der Südsee», das heute in der National-Diet-Bibliothek in Japan zu finden ist. «Das Foto wurde tatsächlich auf den Marshallinseln aufgenommen, aber es stammt aus dem Jahr 1935», erklärte Holly der Nachrichtenagentur AFP. Dass auf dem Foto weder japanische Flaggen noch Soldaten zu sehen seien, sei der Beweis dafür, dass das Bild älter sei, als die Experten aus dem Dokfilm behaupteten.

Ric Gillespie, ein Experte in Luftfahrtgeschichte, der zu Earhart ein Buch geschrieben hat, sagte gleich nach Ausstrahlung des Dokfilms, dass die Theorie «lächerlich» sei. Er glaube nicht, dass Earhart auf dem Foto zu sehen sei: Die Haare der Frau seien zu lang.

(kle)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Yeti am 16.07.2017 22:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sensation

    Ich bin fast vom Stuhl gefallen, als ich das Foto sah... Elvis lebt! Daneben ist unschwer Michael Jackson zu erkennen.

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  • Butch am 16.07.2017 21:53 Report Diesen Beitrag melden

    Super Foto...

    Echt ein super Foto, wo man wahnsinnig viel darauf erkennen kann. Das kann irgend eine Frau sein, denn das Gesicht ist nicht zu erkennen.

  • A. R. am 16.07.2017 21:40 Report Diesen Beitrag melden

    Theorie der 90er

    Diese Theorie gab es schon in den 90er bei Star Trek Voyager.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sioux am 17.07.2017 11:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ratespiel

    Also ich sehe auf dem Bild ganz deutlich Indianer, wahrscheinlich sind es Apachen, die einen Segelkurs gebucht haben.

  • Eine Frau am 17.07.2017 10:50 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Frage?

    Wenn sie von Hawaii nach Kalifornien geflogen ist, wer hat dann das Flugzeug zuvor nach Hawaii geflogen? Ein Mann?!

    • Peter Wüest am 17.07.2017 14:45 Report Diesen Beitrag melden

      Eine Antwort

      Ein Schiff namens "Lurline" hat's nach Honolulu transportiert.

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  • David Stoop am 17.07.2017 09:54 Report Diesen Beitrag melden

    Nur noch peinlich

    Software zur Gesichtserkennung sowie Identifizierung durch einen Experten, bei einem Bild, das die Frau nur von hinten zeigt? Mann, das schlägt ja sogar die abstrusesten Internet-Verschwörungstheorien um Längen und ist an Verblödung nicht mehr zu überbieten. Naja, "History Channel" eben.

    • Friedlidaenu am 17.07.2017 12:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @David Stoop

      Wo ist das Problem? Foto umdrehen, Gesichtserkennungssaftware laufen lassen, ferig.

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  • M.G. am 17.07.2017 09:39 Report Diesen Beitrag melden

    Je bekannter eine Person ist

    desto grandioser oder spektakulärer soll auch sein Tod sein. Da passt Profanität nicht hinein. Das empfinden viele Menschen als Widerspruch den sie nicht akzeptieren können.

  • Tumarello am 17.07.2017 09:02 Report Diesen Beitrag melden

    Weltmännerbund

    Die Verschwörung der Weltmänner war es, sie konnten nicht zulassen das eine Frau als erster die Welt umekreiste, deshalb liess man Sie über dem Pazifik abschiessen. Deshalb müssen wir schauen, das überall frauenquoten eingeführt werden!