Gefährlicher Flug

10. September 2017 15:49; Akt: 10.09.2017 15:49 Print

Im Auge des Hurrikans –Sturm-Jäger trotzen Irma

Die Hurrikan-Jäger der US-Luftwaffe fliegen ins Zentrum des Sturms und sammeln dort wertvolle Daten.

So sieht ein Flug ins Auge von Irma aus. (Video: Tamedia/AFP)
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Der Himmel zieht sich zu. Es blitzt. Die Kabine der Turbopropeller-Maschine wird kräftig durchgerüttelt, als sich der Pilot den Weg ins Auge des mächtigen Hurrikans Irma bahnt. Hinter dem Steuer sitzt Oberstleutnant Jim Hitterman, der in den vergangenen 22 Jahren bereits in das Innere von mehr als 40 Wirbelstürmen geflogen ist.

Er vergleicht das Flugerlebnis mit einer Autowaschanlage. Allerdings würden zusätzlich noch eine ganze Reihe von Gorillas auf die Motorhaube springen, sagt Hitterman. Manchmal sei das Rütteln so stark, dass er die Steuerinstrumente nicht mehr sehen könne.

Hitterman gehört den sogenannten Hurrikan-Jägern der US-Luftwaffe an. Sie sammeln Daten mitten aus dem Inneren verheerender Stürme. Ihre Informationen gelten als unverzichtbar.

Satelliten kämen an diese Daten nicht heran, sagt der frühere Direktor des Nationalen Hurrikan-Zentrums (NHC), Rick Knabb. «Nur, wenn man in den Hurrikan hineinkommt, erhält man exakte Messungen über seine Lage, Struktur und die maximalen Windgeschwindigkeiten.»

Vom Sturm zurück in den Alltag

Die meisten Flüge werden von Reservisten der US-Luftwaffe vorgenommen. So ist der 49-jährige Hitterman in seinem normalen Alltag für Delta Airlines tätig und kehrt wie seine Kollegen nach wenigen Tagen oder Wochen, in denen er Stürme verfolgt, stets in seinen Job zurück.

Beim Flug durch Irma wird Hitterman von der Meteorologin Nicole Mitchell begleitet. Die Majorin ist eine erfahrene Wetterexpertin und arbeitet normalerweise fürs Fernsehen. Die Mutter eines acht Monate alten Babys schätzt an den Einsätzen als Hurrikan-Jägerin, dass mit Hilfe der Daten bessere Aussagen darüber getroffen werden können, wann und wo Menschen vor Stürmen in Sicherheit gebracht werden müssen.

Trotz der enormen Kräfte, die in einem Wirbelsturm wirken, haben die Hurrikan-Jäger eine hervorragende Statistik. Seit über 40 Jahren gab es keinen Absturz mehr. Trotzdem sind die Flüge enorm gefährlich. Seit Beginn der Erkundungen 1943 stürzten sechs Maschinen ab und 53 Menschen starben.

Plötzlich wird es ruhig

Auch der Flug ins Auge von Irma ist angsteinflössend. Innerhalb der Maschine wird die gesamte Ausrüstung durcheinandergewirbelt, die Notfallschirme schaukeln hin und her. Doch dann wird es auf einmal ruhiger. Es ist sogar möglich, die Anschnallgurte zu lösen.

Als sich die Maschine direkt im Auge von Irma befindet, bricht der Himmel auf, und aus dem Cockpit-Fenster ist der massive Wolkenwall des Hurrikans zu sehen. Experten sind der Meinung, dass eines Tages Drohnen die Aufgaben der Hurrikan-Jäger übernehmen können.

Hitterman denkt, dass diese Zeiten noch «in weiter Ferne» sind. Denn viele der Geräte an Bord seiner Maschine zur Aufzeichnung der meteorologischen Daten müssen manuell bedient werden. Dazu gehört auch, während des Fluges sogenannte Dropsonden abzuwerfen, die unter anderem den Luftdruck und Windgeschwindigkeiten messen. Bei dem Irma-Erkundungsflug fallen diese dann überraschend aus. Die technische Assistentin Karen Moore holt daraufhin einen Schraubenzieher hervor und repariert die kleinen Sonden noch während des Fluges – eine nach der anderen.

Leben Sie in Florida oder machen dort Ferien? Wenn Sie von Hurrikan Irma direkt oder indirekt betroffen sind, schreiben Sie uns.

(mlr/sda)