Aletschgletscher

03. Juli 2012 11:58; Akt: 03.07.2012 14:52 Print

Jetzt hat auch das Wallis seine Ötzis

Britische Touristen haben sie entdeckt: Mitten im Aletschgletscher lagen die Überreste von drei oder vier menschlichen Skeletten im ewigen Eis.

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Der Aletschgletscher im Wallis hat letzte Woche die Skelette von möglicherweise vor 86 Jahren verschollenen Bergsteigern freigegeben. Die Identifikation der sterblichen Überreste läuft, wie die Kantonspolizei Wallis auf Anfrage bestätigte.

Ein britisches Touristenpaar stiess am vergangenen Donnerstag um 11.45 Uhr auf menschliche Skelette von «zwei oder vier, wahrscheinlich aber drei Personen», wie Polizeisprecher Markus Rieder am Dienstag zu einem Bericht des «Walliser Boten» sagte. Die Überreste fanden sich auf zirka halbem Weg zwischen Konkordiaplatz und Märjelensee, in einem Umkreis von 50 Quadratmetern.

Zudem wurden Kleiderreste, ein Fernglas, eine Sackuhr, eine Tabakpfeife, Schneeschuhe, Bergstöcke und ein Geldbeutel aus schwarzem Leder mit neun Franken gefunden. Die neuste Münze hatte den Jahrgang 1921.

Es wird nun vermutet, dass es sich bei den Toten um die drei Lötschentaler Gebrüder Johann, Cletus und Fidelis Ebener (geboren 1895, 1897 und 1903) und ihren Begleiter Max Rieder handelt, die seit März 1926 in dieser Region verschollen waren.

Verwandte leben noch

Nachdem das englische Touristenpaar den Fund im Tourismusbüro von Fiesch gemeldet hatte, wurde die Fundstelle von der Bergrettung und der Kantonspolizei im Auftrag der Staatsanwaltschaft angeflogen und geräumt.

Das gerichtsmedizinische Institut und die kriminaltechnische Abteilung der Kantonspolizei Wallis werden die Skelette und materiellen Fundstücke untersuchen, sagte Rieder. Die Identifikation werde aber einige Zeit in Anspruch nehmen.

Die Gebrüder Ebener waren am frühen Morgen des 4. März 1926 zusammen mit ihrem Begleiter von Kippel aus zur Lötschenlücke aufgestiegen. Seither fehlte von ihnen jede Spur.

Das Verschwinden der vier jungen Männer versetzte das Lötschental damals in grosse Aufregung; man sprach vom bis dahin grössten Bergunglück des Tales.

Ob es sich um die vor 86 Jahren verschollenen Bergsteiger handelt, soll nun anhand von DNA-Übereinstimmungen herausgefunden werden. Kinder hatten die vier Männer zwar keine, Neffen und Nichten leben dagegen noch viele; Polizeisprecher Markus Rieder ist selber in direkter Linie mit einem der vier Männer verwandt.

(sda)