02. August 2006 21:02; Akt: 02.08.2006 22:15 Print

Kuba rollt

Ein Skater in Kuba zu sein, ist alles andere als ein Zuckerschlecken. Keine Parks, keine Rollen, keine Bretter. Doch nun naht Hilfe aus Europa.

Fehler gesehen?

Der Skater nimmt Anlauf. Das Metall der zusammengebastelten Rampe scheppert gefährlich. «Du machst es!», feuert ihn Weltmeister Sandro Dias aus Brasilien an. Ein Fifty Fifty Grind soll es werden. Aber der Fahrer bricht den Trick auf der Kante der Miniramp ab. Dias hält das geschundene Brett seines Skate-Kollegen in die Kamera: «Er schafft den Trick einfach nicht, weil auf seinem Deck kaum noch Grip Tape drauf ist und seine Füsse keinen Halt finden.»

So ist Skaten in Kuba. Von nichts gibt es genug, wie eben auch sonst in diesem Land. Ein Brett ist unerschwinglich – womit die Jungs fahren, haben meist Touristen dagelassen. Alt, kaputt und abgegriffen. Trotzdem lässt sich die Skaterszene in Kuba nicht unterkriegen: Man teilt sich Bretter, bastelt Rampen aus dem, was gerade da ist, schraubt aus zwei kaputten Decks eins zusammen, und wenn gar nichts mehr geht, muss auch mal eine alte Holztür dran glauben.

Die Not und die Tugend der Kubaner hat bei Skatern weltweit Respekt und Engagement ausgelöst: Zusammen mit dem Sponsor Subvert Skateboards gründeten sie das Subvert Cuba Project, um ihre Kollegen in Kuba zu unterstützen. So sammeln etwa Schirmherr Chris Pfanner aus Österreich und der deutsche Halfpipe-Skater Volker Lux alte Decks und verschicken sie nach Kuba. «Die freuen sich dort über alles – auch über ein angebrochenes Deck, solange man damit noch springen kann», so Lux. «Oft läuft es so, dass der beste Skater eben auch das am besten erhaltene Brett haben darf und sein Brett an den zweitbesten abgibt.» Damit genügend Bretter für alle zusammenkommen, gibt es auf der Homepage von Subvert Skateboards einen Rabatt von rund 20 Euro für ein neues Brett – wenn das alte gespendet wird.

Mit einer grossen Sammelaktion gingen die wohltätigen Skater während der Bright Skateboarding Trade Show am vergangenen Wochenende in Frankfurt aber noch weiter: Die weltbesten Skateboardfotografen, darunter auch der Schweizer Alexis Zavialoff, vervielfachten ihre Bilder, welche die Messebesucher dann erstehen konnten. Der Erlös fliesst ins Subvert Cuba Project. Und zukünftig sollen Profis den Kubanern zeigen, wie sie sich selbst Bretter bauen können – das nötige Material wird ihnen zur Verfügung gestellt. Ausserdem soll ein belgisches Skate-Kollektiv nach Kuba reisen, um den Skatern vor Ort zu zeigen, wie man Skate-Anlagen baut. Damit die kubanische Szene endlich richtig ins Rollen kommt.

Kerstin Netsch