Zensur in extremis

02. Oktober 2012 22:05; Akt: 03.10.2012 14:18 Print

Saudis malen selbst Katy Perry züchtig

Nicht nur in Schweden ist man empört über den saudischen Ikea-Katalog, in dem sämtliche Frauen wegretouchiert wurden. Doch Photoshop und Filzstift sind in Riad unbezwingbar.

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Der schwedische Möbelkonzern Ikea steht nach der vollständigen Entfernung von Frauen aus der saudiarabischen Ausgabe seines Katalogs in der Kritik. Bei einem Vergleich der Ikea-Kataloge in Saudi-Arabien und Schweden stellte die schwedische Zeitung «Metro» fest, dass in ansonsten identischen Fotos Frauen in der saudiarabischen Ausgabe wegretuschiert waren.

Die Retusche führte im Heimatland von Ikea zu einem Sturm der Entrüstung. Schwedische Frauenrechtlerinnen kritisierten das Möbelhaus, das sich umgehend entschuldigte.

Auch Katy Perry ist ein Opfer

Dabei ist Zensur in Saudi-Arabien nichts Aussergewöhnliches. Frauen kommen in der Werbung nur selten vor. Saudiarabische Fernsehsender zeigen Frauen häufig in langärmeligen Kleidern und mit Kopftüchern. In importierten Zeitschriften führt die saudiarabische Zensur dazu, dass viele Teile eines Frauenkörpers schwarz übermalt werden, darunter die Arme, Beine und die Brust.

Das wohl berühmteste Opfer der saudischen Religionspolizei, der Muttawa, ist Katy Perry: Als ihr Album «One of the Boys» im Jahr 2008 erschien, war der Skandal gross. Die knapp bekleidete Sängerin musste auf allen Bildern «angezogen» werden. Perry sass bald in virtuellen Leggings und T-Shirt da.

Zensur mit dem Filzstift

Die Liste der zensierten Frauen in Katalogen und auf Verpackungen ist lang: Produkte für werdende Mütter müssen sich verkaufen, ohne die Schwangere im Bild zu zeigen. Auch die Poolparty findet auf der Box eines Plastikplanschbeckens ohne Mama statt. Selbst das jüngste Opfer Ikea hatte schon in der Vergangenheit Frauen aus Bilderrahmen zu verbannen. Kaffee-Multi Starbucks musste ebenfalls vor den saudischen Moralisten in die Knie: Die Sirene, die ihre Becher ziert, wurde durch eine Krone ersetzt - obwohl es sich nur um eine Illustration handelt.

Dass Ikea sich entschied, ihre Frauen aus dem aktuellen Katalog mittels Photoshop verschwinden zu lassen, ist aber verständlich: Die Muttawa hat wenig Sinn für Ästhetik und ihre Waffe ist ein kunstloser und tollpatschiger schwarzer Filzstift.

(kle)