Cyberkriminalität

12. Mai 2014 07:06; Akt: 12.05.2014 07:06 Print

Der beste Hacker kriegt einen Ferrari

Cyberkriminelle werden immer unverfrorener: Mit einem professionell produzierten Video sucht ein Boss den «Angestellten des Monats». Der beste erhält einen Luxusschlitten.

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Cyberkriminelle rekrutieren neue Hacker-Talente direkt an Universitäten und gezielt im Internet, sagt EC3-Chef Troels Oerting. (Bild: Keystone/Olivier Hoslet)

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Attraktive Blondinen räkeln sich in einem Showroom auf Luxusschlitten. Daneben steht ein Präsentator der sich an den Zuschauer richtet: «Wer am meisten Geld macht, kriegt einen Ferrari oder einen Porsche».

Die Botschaft ist an Hacker gerichtet, die für eine grosse Organisation arbeiten. Das professionell produzierte Video ist nicht leicht zu finden, es liegt gut versteckt in den dunklen Bereichen des Internets. Es wird jetzt vom Europäischen Zentrums zur Bekämpfung der Cyberkriminalität (EC3) analysiert.

Talent-Suche an Unis

Wie EC3-Chef Troels Oerting gegenüber dem «Independent» sagte, zeigt das Filmchen, wie lukrativ das Geschäft der Cyberkriminellen ist. Und es sei auch ein Zeichen dafür, dass cyberkriminelle Organisationen neue Hacker immer unverfrorener suchen würden, sagt Oerting weiter. Talente werden demnach direkt an Universitäten und gezielt im Internet rekrutiert.

Gemäss Oerting operieren die Cyberkriminellen von Staaten aus, in denen sie ihrem Geschäft mehr oder weniger unbehelligt nachgehen können. 85 Prozent der cyberkriminellen Aktivitäten gehen von russisch-sprechenden Gebieten aus. Dort seien laut dem EC3-Chef die Kriminellen relativ sicher vor Verfolgung.

Cyberkriminalität teilt Europa

Mit der Verbreitung des Breitbandnetzes auf dem Kontinent würden Cyberkriminelle aber auch zunehmend von Afrika aus aktiv. Nur wenn die Hacker das Land verlassen, könne man sie verhaften. Doch meist müsse man sie wieder ausliefern. Und wenn die Beschuldigten dann überhaupt angeklagt werden, ziehe sich der Prozess ewig in die Länge, klagt der EC3-Chef.

Oerting sagt auch, dass er in näherer Zukunft mit einem geteilten Europa rechnet. Reichere Staaten werden sich – im Gegensatz zu ärmeren Nationen – vor Cyberkriminalität schützen können. Und auf lange Sicht werden es sich viele Geldinstitute nicht mehr leisten können, die Kosten für das Hacken von Konten zu übernehmen, sagt der EC3-Chef weiter.

(kmo)