Tödliche Attacke in Hamburg

28. Juli 2017 16:33; Akt: 29.07.2017 07:36 Print

Passanten knöpfen sich den Messer-Angreifer vor

Ein Toter und sechs Verletzte in Hamburg: Nach einer Messerattacke im Stadtteil Barmbek konnte der Angreifer zunächst flüchten – doch Passanten überwältigten ihn.

Nach Messerattacke: Passanten überwältigen den Angreifer. Video: Youtube/Loritus News
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Bei einer Messerattacke in einem Hamburger Supermarkt sind am Freitag ein Mensch getötet und sechs verletzt worden. Am Nachmittag, kurz nach 15 Uhr, betrat ein Mann den Supermarkt in der belebten Fuhlsbüttler Strasse im Stadtteil Barmbek und stach unvermittelt mit einem Küchenmesser auf Kunden ein.

Zeugen verfolgten den Mann und alarmierten die Polizei. Der Täter wurde zunächst von Passanten überwältigt und dabei leicht verletzt. Mehrere Männer rannten hinter dem Täter her und bewarfen ihn mit Stühlen und Steinen, berichtet der «Spiegel» mit Bezug auf Zeugenaussagen und Videoaufnahmen. Eines der Videos tauchte auch auf Youtube auf.

Dazukommende Polizisten nahmen den Mann schliesslich fest. Aufnahmen der «Bild»-Zeitung zeigen den festgenommenen, blutverschmierten Täter in Handschellen im Polizeiauto. Die Polizei ist sich sicher: «Es handelt sich definitiv um einen Einzeltäter.»

Der Sender «n-24» hat mehrere Augenzeugen aus dem Supermarkt interviewt. Eine Frau berichtete, sie habe Todesangst durchlitten. «Ich dachte, jetzt sticht er mich ab – wenn Sie da an der Kasse stehen und nicht weg können?» Als der Reporter fragt, wie gross denn das Messer gewesen sei, hebt sie die Arme parallel vom Körper weg und zeigt knappe 50 Zentimeter an. Beim Verlassen des Ladens habe er dann die Arme in Höhe gerissen und gerufen: «Allahu Akbar» (Gott ist gross). Mehrere Augenzeugen berichten das Gleiche.

Die Attacke ereignete sich in einem Supermarkt in der belebten Fuhlsbüttler Strasse im Stadtteil Barmbek. (28. Juli 2017) Bild: Screenshot Google Maps

Die Polizei ermittle in alle Richtungen, sagte Sprecher Timo Zill. Die Mordkommission übernahm die Ermittlungen. «Zum jetzigen Zeitpunkt ist eine Einschätzung seriös nicht möglich», sagte Zill zu einem möglichen Terror-Hintergrund der Tat. Die Berichte darüber, dass der Angreifer «Allahu Akbar» gerufen habe, bestätigte der Sprecher nicht.

«Er war ausreisepflichtig, konnte aber nicht abgeschoben werden»

Einem Bericht des «Tagesspiegel» zufolge sei der Mann deutschen Behörden als Islamist bekannt. «Auch wenn das Motiv noch nicht ganz klar ist, müssen wir offenbar von einem Anschlag ausgehen», zitiert die Zeitung einen Sicherheitsexperten.

Messerattacke in Hamburg

Nach Informationen des «Spiegel» handelt es sich beim Angreifer um einen 26-Jährigen Flüchtling mit Kontakten in die salafistische Szene. Mit Bezug auf Sicherheitskreise schreibt das Magazin, der Angreifer habe auch unter psychischen Problemen gelitten und regelmässig Drogen konsumiert. Ob er also «aus ideologischen Motiven» gehandelt habe, bleibe unklar, schliesst der «Spiegel» daraus.

Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) hat bestätigt, dass der Mann offenbar «Schutz bei uns in Deutschland beansprucht und dann seinen Hass gegen uns gerichtet hat». Dies mache ihn «wütend», erklärte Scholz. Brisant ist zudem, dass der Mann ausreisepflichtig gewesen sei. «Aber er konnte nicht abgeschoben werden, weil er keine Papiere hatte», erklärte Scholz am Freitagabend.

«Er hat Leute erstochen und schrie Allahu Akbar»: Ein Augenzeuge schildert, was er gesehen hat. (28. Juli 2017) Video: Twitter/Larry Hagler

Beim Todesopfer handelt es sich um einen 50-jährigen Mann. Daneben wurden eine 50-jährige Frau und vier Männer im Alter zwischen 19 und 64 Jahren durch Messerstiche zum Teil schwer verletzt. Ein 35-Jähriger wurde zudem bei der Überwältigung des Messerstechers verletzt.

Kurz nach der Tat sicherten schwerbewaffnete Polizisten den Tatort. Rettungskräfte rückten mit einem Grossaufgebot an, auch ein Rettungshelikopter landete auf der Strasse. Es komme zu Strassensperrungen, teilte die Polizei mit. «Bereich bitte weiträumig umfahren!», schrieb sie bei Twitter.

Am frühen Abend waren die meisten Einsatzkräfte wieder abgerückt. Beamte der Spurensicherung untersuchten in weissen Schutzanzügen den Tatort. Ausserdem bat die Polizei die Bevölkerung auf Twitter um Mithilfe und um die Zusendung von Videos und Handy-Aufnahmen vom Tatgeschehen.

(mch/sda/afp)