«Finis Germania»

29. Juli 2017 08:57; Akt: 30.07.2017 06:45 Print

Deutschland streitet über Skandalbuch

Der «Spiegel» hat das Buch «Finis Germania» aus seiner Bestseller-Liste entfernt. Kritiker unterstellen dem Magazin Allmachtsfantasien.

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Der Umschlag des umstrittenen Buches. (Bild: Amazon.de)

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In Deutschland ist eine heftige Diskussion ausgebrochen. Ausgelöst hat sie der «Spiegel», welcher das Buch «Finis Germania» von der Bestsellerliste entfernt hat – ohne Erklärung. Der Platz 6, welcher das umstrittene Buch des Historikers Rolf Peter Sieferle eigentlich belegte, wurde ausgelassen. Stattdessen hüpfte das Ranking von Rang 5 direkt auf Rang 7.

Kurz darauf hagelte es heftige Kritik über das «klangheimliche» (sic!) Entfernen des Buches. So sprach der Journalist und AfD-Berater Michael Klonovsky von «Literatur-Stasi». In einem Kommentar der «Welt» (Artikel ist kostenpflichtig) hiess es: «Auf diese Weise hatten auch sowjetische Zensoren Geschichtsschreibung betrieben.»

«Rechtsradikal und antisemitisch»

Schliesslich sah sich auch das kritisierte Magazin veranlasst, eine Erklärung abzugeben: «Der Spiegel, der sich auch bei historischen Themen als Medium der Aufklärung versteht, will den Verkauf eines solchen Buches nicht befördern», schreibt die stellvertretende Chefredakteurin Susanne Beyer in einer Stellungnahme. Sie hatte das Buch bereits zuvor als «rechtsradikal, antisemitisch und geschichtsrevisionistisch» bezeichnet.

Die Stellungnahme konnte aber nicht beruhigen. Wie es in einem Artikel von «Übermedien» heisst, werden dem «Spiegel» «Allmachtsfantasien» unterstellt: «Mit dem Löschen des Buches von der Bestsellerliste habe er das Buch an sich auslöschen wollen.» Das Beispiel zeige, dass Versuche, die Wahrheit zu manipulieren, tatsächlich existieren.

Ohne Einwilligung des Autors

Das Manuskript ist ohne den Willen des Autors und aus dessen Nachlass veröffentlicht worden. Im Herbst 2016 schied Rolf Peter Sieferle freiwillig aus dem Leben. Der «Tages Anzeiger» hat in einer Rezension geschrieben, dass die 100 Seiten keinen Zweifel daran lassen, dass «Finis Germania» eine antisemitische Hetzschrift ist, «welche zum einen die Täter zu Opfern macht und zum anderen die Opfer als letztlich von und vor der Geschichte begünstigt erscheinen lässt». So lege das Buch die Marschrichtung schon auf den ersten Seiten vor: «Es gibt tragische Völker, wie die Russen, die Juden und die Deutschen, an denen sich die Paradoxien geschichtlicher Prozesse in ihrer ganzen Schärfe vollziehen.»

Die unerwartete Parallele von Juden und Deutschen erkläre der einem breiten Publikum unbekannten Historiker mit einem Gegensatz: Dem «positiv auserwählten Volk» stehe das «negativ auserwählte Volk» gegenüber. «Hitler ist damit etwas gelungen, womit er selbst vielleicht nicht gerechnet hat: Er hat für alle Zeiten den Deutschen und den Juden eine komplementäre Sonderrolle zugewiesen, die im Gedächtnis der Menschheit nicht verschwinden wird, solange es noch Deutsche und Juden gibt.»

Was denken Sie, hat der «Spiegel» das Buch zu Recht von der Bestseller-Liste entfernt? Teilen Sie Ihre Meinung mittels Kommentarfunktion mit.

(woz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mani Motz am 29.07.2017 09:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Spiegel ist eben kein Spiegel

    Eine Rangliste soll aufzeigen, welches Buch am meisten verkauft wird und zwar völlig unabhängig von Inhalt. Alles Andere ist Zensur

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  • Vogt am 29.07.2017 09:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Skandalbuch

    Es ist einfach erschreckend, wie das Recht auf freie Meinungsäusserung immer mehr beschnitten wird!

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  • Karsten S am 29.07.2017 09:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    EiGene Meinung bilden 

    Um urteilen zu können sollte man das Buch selbst lesen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • ungewollt zensuriert am 29.07.2017 18:34 Report Diesen Beitrag melden

    viele Bücher auf eine Schwarze Liste

    Heiko Maas (dt.Politiker) will, sowie Spiegel zensuriert, viele Bücher auf eine Schwarze Liste stellen wie z.B. Buch "Grenzenlos kriminell" von Ulfkotte. Es ist nicht alles rechts populistisch, was kritisch (islamkritisch, asylkritik) ist.

  • Thomas am 29.07.2017 18:25 Report Diesen Beitrag melden

    Klasse

    Super Buch. Deutschland von sinnen von akif pirincci ist auch sehr zu empfehlen!

  • Papa von alles am 29.07.2017 17:10 Report Diesen Beitrag melden

    Das Buch ist toll.

    Mehrmals gelesen und für gut befunden. Passt nun mal nicht zum politkorrekten Zeitgeist.

    • Ralf Sinner am 29.07.2017 18:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Papa von alles

      Braunes Gedankengut gehört auch nicht in diese Welt. Es ist schon erschreckend das es immer noch Menschen gibt die solch ein Geschmiere auch noch gut finden. Ich habe das Buch gelesen und finde es einfach widerlich.

    • Cartman1993 am 29.07.2017 19:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Papa von alles

      Wieso findest du es toll? Weil es gut geschrieben ist, es neue Ansätze beinhaltet oder weils einfach dem entspricht, was du von ihm erwartet hast?

    • Kartoschka am 29.07.2017 20:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ralf Sinner

      Wenn man's verbietet, steigert das lediglich die Verkaufszahlen. Negativ kritisieren muss sein, oder noch sinnvoller IGNORIEREN aber zensieren? Nein.

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  • dieter am 29.07.2017 16:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bravo!

    Danke, "Spiegel", für den Mut, sich auch auf unpopuläre Weise dem Nazi-Gedankengut in den Weg zu stellen!

  • Cartman1993 am 29.07.2017 16:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hmm

    Angenommen Erdogan würde ein Buch schreiben, in welchem er die Vernichtung der Armenier rechtfertigen, sich selbst mit falschen Angaben feiern und seine bisherige Politik herherrlichen würde, dann würde dieses Buch wahrscheinlich auch in dieser Liste landen und vom Spiegel gestrichen werden. Was würdet ihr dann davon halten?

    • Rüedu am 29.07.2017 21:24 Report Diesen Beitrag melden

      Cartman1993

      JEDES Buch, auch von Erdogan, ist im Rahmen der Meinungs - und Pressefreiheit selbstverständlich zugelassen, solange die gesetzlichen Rahmenbedingungen, Leugnung von Völkermord oder Holocaustm Rassismus oder Volksverhetzung, nicht verletzt werden. Eine Demokratie muss es aushalten können, dass auch extreme Meinungen in aller Oeffentlichkeit ohne Repressionen verbreitet werden dürfen. Wenn dieses Recht nicht mehr gilt, der Staat bestimmt, was gesagt werden darf, sind wir bald bei dem von Dir angesprochenen Erdogan...

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