«Sourtoe Cocktail»

22. Juni 2017 20:39; Akt: 23.06.2017 04:00 Print

Gast stiehlt mumifizierte Zehe aus seinem Whisky

Ein kanadisches Hotel serviert den Gästen den «Sourtoe Cocktail» – Whisky mit einer mumifizierten Zehe eines Menschen. Jetzt hat ein Dieb das Stück Fuss entwendet.

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Diese Geschichte ist so skurril, dass 20 Minuten trotz Medienberichte der BBC, des «Guardian», CBC, AP, des «Telegraph» und vielen mehr auf eine Polizeiwache eines kleinen verschlafenen 1400-Seelen-Orts im Nordwesten Kanadas anrief, um auf Nummer sicher zu gehen.

Und tatsächlich: Die Polizei von Dawson City bestätigt, dass sie einem eigentümlichen Diebstahl im Downtown Hotel nachgeht. Da entwendete nämlich ein Gast die mumifizierte Zehe eines Menschen, die das Hotel den Gästen auf Anfrage in ihren Whisky wirft. Das nennt sich dann ein «Sourtoe Cocktail». Dabei wird tapferen Besuchern ein Shot Whisky serviert – normalerweise der nach der Region benannte Yukon Jack – und diese Zehe hineingeworfen. «Das ist Teil der lokalen Tradition, ja, das stimmt wirklich», sagt der Polizist am Telefon.

Nun hat aber ein Gast die Zehe gemäss der Medienmitteilung des Hotels am Samstagabend entwendet. «Wir sind sehr aufgebracht», meint da Terry Lee vom Downtown Hotel. Ihn trifft es ganz direkt, denn er ist einer der «Toe Captains»: Wenn ein Gast den «Sourtoe Cocktail» bestellt, schlüpft Lee in seine Rolle und begleitet das Prozedere.

Eine kurze Dokumentation über den «Sourtoe Cocktail» mit «Toe Captain» Terry Lee. (13. Dezember 2016) Video: CBC/Youtube

Polizei informiert

Den Gast, der die Zehe geklaut hat, kann der «Toe Captain» nicht verstehen. Der Mann sei aus Québec gekommen und habe mit französischem Akzent gesprochen. Er habe schon im Vorfeld damit geprahlt, dass er das Stück Fuss stehlen wolle.

«Der Typ wollte einen Sourtoe nach der offiziellen Toe Time von 21 bis 23 Uhr», erklärt Lee. «Eine Mitarbeiterin, die neu bei uns arbeitet, gab ihm den Drink – einfach um nett zu sein. Und so revanchiert er sich. Was für ein Loser.»

«Zehen sind schwer zu finden»

Es ist nicht das erste Mal, dass die Zehe für den «Sourtoe Cocktail» abhanden kommt. Seitdem der Cocktail 1973 im Downtown das erste Mal serviert wurde, sind schon mindestens acht Zehen verschwunden – die meisten gingen verloren oder wurden gestohlen.

Das Hotel hat deswegen eine Busse eingeführt. Nachdem ein Gast eine Zehe im August 2013 absichtlich verschluckte, erhöhte das Hotel die Busse von 500 auf 2500 kanadische Dollars.

Joshua Clark schluckt die Zehe. (August 2013) Video: CBC

Demgegenüber wurden aber auch bereits über zehn Zehen gespendet. «Glücklicherweise haben wir noch ein paar Zehen Vorrat», so Lee. «Aber wir brauchen wirklich das entwendete Exemplar zurück. Zehen sind schwer zu finden.»

Auch Hotel-Managerin Geri Coulbourne ärgert der Diebstahl: «Das war unsere neue Zehe, und sie war wirklich gut», sagte sie zu «CBC». Ein Mann habe die Zehe gespendet, nachdem sie ihm bei einer Operation amputiert wurde – und das Hotel pökelte sie sechs Monate lang.

Die Legende hinter dem «Sourtoe Cocktail»

Der Cocktail hat seinen Ursprung in einer Legende der 1920er Jahre. Louie und sein Bruder Otto, zwei Schnapsschmuggler, waren nach der Legende bei einer Lieferung in einen Schneesturm geraten. Um schneller vorwärtszukommen stieg Louie vom Hundeschlitten – und stand mit einem Fuss in eine eiskalte Pfütze. Louies Zehe fror ein und Otto musste sie deswegen amputieren. Aber beide Brüder überlebten den Sturm. Und um sich an die Episode zu erinnern, bewahrten sie die Zehe in Alkohol auf.

Als wäre man mit dabei: Ein Mann trinkt einen «Sourtoe Cocktail». (26. Juni 2015) Video: Youtube/Maclean's Magazine

1973 fand ein gewisser Captain Dick Stevenson der Legende nach diese eingelegte Zehe. Und da kam er auf eine Idee und erfand den «Sourtoe Cocktail Club», ein sehr exklusiver Club mit nur einem Eintrittskriterium: Man muss schon einmal einen «Sourtoe Cocktail» getrunken haben.

Die einzige Regel des Rituals wird traditionell in Reimform rezitiert: «You can drink it fast. You can drink it slow. / But your lips must touch that gnarly toe.» (auf Deutsch, aber ohne Reim: «Du kannst ihn langsam oder schnell trinken. Aber deine Lippen müssen die knorrige Zehe berühren.») Bis heute erhalten Gäste, die den «Sourtoe Cocktail» trinken ein Zertifikat, dass sie von nun an dem «Sourtoe Cocktail Club» zugehören.

(mch)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • cryptnick am 23.06.2017 05:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Würg.

    So krank und sinnlos, sorry. Bin grad ziemlich angeekelt...

    einklappen einklappen
  • Acidboy am 23.06.2017 04:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bit weird

    Ob das Gesundheitsamt das gutheisst? xD

  • Jarko 34 am 23.06.2017 04:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oje

    Wäre ich jetzt marko32 würde ich sagen: Super, da ich es nicht bin sage ich: voll krass :D

Die neusten Leser-Kommentare

  • June am 23.06.2017 16:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum?

    Ob man Getränke mit konservierten Körperteilen drin nun als Mutprobe anschaut oder nicht, aber was will der Dieb mit einer gepökelten Zehe? Das Restaurant macht damit Umsatz, aber was will ein Privater damit? O.o hoffentlich träumt er von jetzt an von den Füssen des Spenders!

  • Patrick Täuscher am 23.06.2017 15:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Alte Geschichte , Hauptsache man fragt etwas nach , was seit vielen Jahren sehr viele Leute wissen.

  • Flattom77 am 23.06.2017 09:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dawson City...

    Ist schon ein cooles kleines Städtchen ;-)) Mir hat's dort gefallen :-))

  • Jigan am 23.06.2017 09:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zitat

    Mit den Worten eines sehr weisen Mannes: Krass!

  • Joe Wild West am 23.06.2017 07:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gutes Ritual

    Das finde ich toll. Das sind noch richtige Männer. Nun führen wir das in unserem Whiskey und Cigarren Club auch ein ;-).