Betrügerin droht

26. Juli 2012 07:40; Akt: 26.07.2012 13:34 Print

«Ich veröffentliche dein Nackt-Video»

Was als harmloser Chat im Internet begann, endete mit einer Erpressung: Hans B. ging fast einer Web-Betrügerin auf den Leim. Als er ihr eine Geldzahlung verweigerte, drohte sie ihm.

storybild

Dieses Nacktfoto schickte Claudia Lavoie Hans B. Mit harmloseren Fotos auf ihrem Facebook-Profil ködert sie neue Kontakte.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Mit diesen Folgen hätte er nicht gerechnet: Über Facebook bewirbt Hans B. seine Informationsseite mit Gesundheitstipps und schreibt dazu immer wieder Unbekannte an. Prompt meldet sich eine junge Frau auf seine Werbenachricht und beginnt schnell, mit dem 70-Jährigen zu flirten. «Dass daraus ein Sex-Kontakt wird, war nicht meine Absicht», sagt der Basler - doch er denkt sich zu Beginn nicht viel dabei und fängt an, mit der jungen Frau zu chatten.

Auf Facebook nennt sich die hübsche Dame Claudia Lavoie und gibt an, in Toulon zu leben. Sie schickt ihm Nacktbilder und schreibt nette Mails. In einem Skype-Gespräch sitzt sie dann zum ersten Mal vor ihm und blickt ihn an, alles scheint echt. Als sie Videos und Fotos von Hans B. verlangt, sendet er ihr bereitwillig eine Nackt-Aufnahme von sich. «Damit habe ich absolut kein Problem. Mich kennen hunderte Bekannte nackt von der Sauna und von FKK-Geländen», erzählt der Basler. Lavoie ist begeistert: «Ich liebe dein Video» schreibt sie ihm Anfang Juli in einem Mail.

Er soll für den Internetanschluss zahlen

Doch eigentlich liebt sie vor allem sein Geld. «Plötzlich fing sie an, für alles mögliche Geld zu fordern – für den Internetanschluss, eine Webcam, ein Mikrofon», erzählt B. Sie nennt ihm ein Konto in Abidjan. Beim Basler läuten die Alarmglocken. «Ich sagte ihr, ich könne etwas hier kaufen und ihr schicken, doch sie wollte Bares», so B. Der 70-Jährige wird misstrauisch und informiert sich über Betrugsfälle im Internet. «Via Homepage der deutschen Botschaft habe ich schnell herausgefunden, was da an der Elfenbeinküste alles abläuft.»

Die Botschaft warnt vor Personen, die im Internet Leute ködern, um den Finger wickeln und dann Geld verlangen. B. ahnt, dass er es mit einer Betrügerin zu tun hat und verweigert ihr die Zahlung. Doch Lavoie lässt nicht locker und beginnt, ihn zu erpressen. «Ich veröffentliche dein Nackt-Video», droht sie ihm. B. aber lässt sich nicht beeindrucken: «Meine engsten Bekannten habe ich bereits orientiert. Ich habe mit dem Video kein Problem», sagt er.

Neues Profil, neue Beute

Trotzdem ärgert sich B.: «Ich finde die Art und Weise eine extreme Sauerei.» Er löscht Lavoie aus seiner Freundesliste, informiert die Basler Polizei und Facebook. Der Account der jungen Frau wird gelöscht - doch bereits geistert die Betrügerin wieder durch das Netzwerk. Seit Mittwoch existiert das Profil unter dem Namen Claudia Lavoie wieder. Sie gibt an, in Toulon, Frankreich, zu leben und zu studieren und sammelt Stunde für Stunde neue Freunde - darunter viele Schweizer.

Offenbar will die Betrügerin oder die Organisation, die dahinter steckt, die Masche weiterziehen. Peter Gill von der Basler Staatsanwaltschaft kennt ähnliche Fälle. «Wir wissen, dass teilweise Organisationen dahinter stecken.» Die Frauen seien Teil der Betrugsmasche. «Sie treten höchstens am Telefon auf.» Meistens überweisen die Betrogenen das Geld freiwillig - dass es sogar zu Erpressungen kommt, ist seltener. Gill warnt davor, persönliche Daten zu verschicken. «Je mehr man preisgibt, desto verletzlicher ist man.» Doch Hans B. gibt sich unangreifbar. «Mir ist das egal, ich bin nicht erpressbar.»

Feedback
Haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht? Oder haben Sie Hinweise, Anregungen oder Informationen zu dem Thema? Schreiben Sie uns ein Mail an: feedback@20minuten.ch

(dwi/jsk)