David gegen Goliath

04. Dezember 2012 12:22; Akt: 04.12.2012 23:15 Print

Kung-Fu-Meister vertreibt Dutzende SchlägerKung-Fu-Meister vertreibt Dutzende Schläger

Immer wieder kommt es in China zur Zwangsräumung von Hausbewohnern. Doch mit Herrn Shen hat die Schlägerbande in Bazhou nicht gerechnet. Denn Shens Held heisst Bruce Lee.

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Herr Shen, Fitness-Coach, ist laut zuverlässigen Quellen Rekordhalter im Rollliegestützmachen. (Bild: World Record Association)

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Sie sind an den Falschen geraten. Das mussten 30 bis 50 Schläger schmerzlich erfahren, als sie das Haus der Familie Shen in Bazhou überfielen. Der Schlägertrupp war von einer Immobilienfirma beauftragt worden, die dreiköpfige Familie aus ihrem Haus zu schmeissen, wie «Beijing Cream» schreibt.

Was die Eindringlinge nicht wussten: Der 38-jährige Herr des Hauses, Shen Jianzhong, ist ein Kung-Fu-Meister mit 20-jähriger Erfahrung, Weltrekordhalter im Rollliegestützen und bekennender Fan von Bruce Lee.

Als die grobschlächtige Bande ins Haus stürmte, dachte sich Shen, was sein Held Bruce Lee in einem solchen Moment gemacht hätte und schlug zusammen mit seinem Sohn – ebenfalls mit der Kung-Fu-Technik betraut – zu. Nach kurzer Zeit waren sieben Schläger k.o. Der Rest der Truppe traute sich nicht mehr ins Haus.

Helden-Video à la Bruce Lee

Das von Shen gefilmte Video, das bereits seit einem Monat auf der chinesischen Internetseite Youmaker kursiert, dokumentiert diese erfolgreiche Abwehr der Familie. Es zeigt zwar die eigentliche Schlägerei nicht, doch die Minuten danach. Und die haben es in sich: Einige röchelnd und hustend, andere regungslos, liegen die bezwungenen sieben Männer am Boden. Draussen vor der Tür steht der Rest der Schläger eingeschüchtert und etwas ideenlos herum. Manche haben sogar die Flucht ergriffen. Ernsthaft verletzt wurde bei Shens Attacke aber niemand.


Herr Shens Opfer nach dem Kung Fu-Angriff (YouTube)

In diesem Fall hat Chinas rigorose Enteignungspraxis nicht funktioniert. Immer wieder werden Bewohner aus ihren Häusern gedrängt, damit Immobilienfirmen Profit aus dem Grundstück schlagen können. So auch in Shens Fall. Das Dorf Bazhou sollte zu einer Stadt umgebaut werden. Hierzu mussten Strassen neu angelegt und neue Gebäude gebaut werden. Die Firma bot Shen einen Deal an. Sie sollten zwei Jahre Miete zahlen und anschliessend ein gleich grosses Haus an der selben Stelle erhalten. Shen lehnte ab. Da drohten die Schläger, die Kinder der Bewohner zu töten und Fenster einzuschlagen. Viele von Shens Nachbarn, die in derselben Lage steckten, verliessen ihre Häuser, nachdem sie auf offener Strasse zusammengeschlagen worden waren. Shen hat sein Haus nicht verlassen.

Kein Happy End

Mit der Kung-Fu-Aktion hätte die Story von Shen glücklich enden können. Doch Chinas Polizei kannte keine Gnade. Da der Schlägertrupp unbewaffnet war, müssen sich Shen und sein Sohn für die Körperverletzung rechtfertigen. Zudem wurde Shen gezwungen, den Vertrag für die Übertragung seines Eigentums zu unterschreiben. Doch die Familie floh am 21. November nach Peking, wo der Sohn verhaftet wurde. Unterdessen hat ihm ein Mitglied der Zentralen Militärkommission einen Maulkorb verpasst, wie «The Telegraph» schreibt: keine Interviews mit Medien, sonst werde Shen abgeholt. Chinas Zensur funktioniert wie am Schnürchen.

Immer wieder wehren sich Hauseigentümer gegen Immobilienfirmen und dessen Schläger gegen eine Zwangsenteignung, wie folgende Videos zeigen:

Im Mai 2012 verteidigte Herr Zhou aus Kunming, 70-jährig, sein Heim wie ein mittelalterliches Schloss. Mutig warf er einen Molotowcocktail gegen die Schlägerbande, die sein Haus räumen wollte. Auf Zhous Grundstück sollte ein Multimillionenprojekt gebaut werden.

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(Längeres Feature über Herrn Zhou von NBC News)

Vor zwei Jahren schoss Bauer Yang Youde aus Wuhan mit einer selbstgebastelten Kanone gegen die brutalen Abrissmannschaften, wie folgender Bericht eindrücklich zeigt:

(YouTube)

Manchmal ist passiver Widerstand erfolgreich, wenigstens für ein Weilchen. Lange wehrte sich ein chinesisches Ehepaar dagegen, dass sein Haus für eine Autobahn abgerissen wird. Beim neuesten Angebot der Behörden jedoch wurden sogar die beiden Rentner schwach. Die Eigentümer, der Entenzüchter Luo Baogen und seine Frau, hätten eine Summe von 260'000 Yuan (38'000 Franken) akzeptiert. Ihr Haus mitten auf der Autobahn wurde am 2. Dezember 2012 abgerissen.


(YouTube)

(kub)

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  • Phil D. am 04.12.2012 19:31 Report Diesen Beitrag melden

    China zerstört sich langfristig selber!

    So wie jedes Land, dass nicht ein Mindestmass an Strukturen, Menschlichkeit und Rechtsverständnis aufbringt. LANGFRISTIG.

  • Iva Pavlo am 04.12.2012 15:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Leistung !

    Absolut richtig gehandelt ! Manchmal kann man Feuer nur mit Feuer bekämpfen. Ich hätte das volle Video gerne gesehen. Auch hier in der Schweiz wäre es mir egal, sobald jemand mein Zuhause betritt mit schlechten Absichten und mich um mein Hab und Wohl bringen möchte, würde ich handgreiflich werden. Da dies aus einem Affekt passiert, boxt dich jeder gute Anwalt problemlos aus der Schusszone.

  • Yitzhak Shamir am 04.12.2012 14:26 Report Diesen Beitrag melden

    6 Monate Frist

    Ein Hausabriss muss in der Schweiz meines Wissens 6 Monate im Vorraus angekündigt werden von der Immobilienfirma. Diese Praxis scheinen die Chinesen nicht zu kennen.