Bromölla, Schweden

20. Februar 2015 19:11; Akt: 20.02.2015 19:11 Print

Was passierte hinter dieser Tür?

Jahrelang soll eine schwedische Mutter ihre drei Töchter – im Alter von 24, 26 und 31 – zuhause eingesperrt haben. Jetzt kommen erste Details ans Licht.

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In einer Wohnung von nur 65 Quadratmetern soll eine 59-jährige Frau in der südschwedischen Stadt Bromölla ihre drei Töchter im Alter von 24, 26 und 31 jahrelang eingesperrt haben. «Es ist die Rede von über zehn Jahren – eine sehr lange Zeit», sagt eine Polizeisprecherin in der südschwedischen Provinz Schonen am Freitag der Nachrichtenagentur DPA. «Sie konnten nicht zur Schule gehen.»

Wenig ist bisher darüber bekannt, was sich in der Wohnung abspielte. Nachbarn sagen, die Rollläden an den Fenstern seien immer heruntergelassen gewesen. Und auch die Mutter hätten sie nur selten zu Gesicht bekommen. Anzeichen dafür, dass sich drei weitere Frauen in der Wohnung befanden, habe es keine gegeben. Nur ein Nachbar glaubt, etwas gesehen zu haben: «Einmal habe ich eine junge Frau um die 30 an der Tür gesehen», sagt Jens Bars Farm zum «Expressen». Die Frau habe auf den Boden gestarrt und eine Kapuze über ihren Kopf gezogen. «Sie hatte wohl Angst vor mir oder war sehr scheu.»

«Ich hatte dort drinnen ein komisches Gefühl»

Eine Person will die Wohnung auch von innen gesehen haben. Im Gespräch mit dem «Aftonbladet» bleibt diese anonym. Wann sie die Wohnung betrat, bleibt unklar. Sie erzählt: «Es lagen Matratzen auf dem Boden. Ich hatte dort drinnen ein komisches Gefühl.» Die Wohnung hätte nicht wie ein Ort gewirkt, an dem drei junge Frauen wohnten. Auffällig sei nur gewesen, dass die Mutter die Tür zum Schlafzimmer sehr gründlich verschlossen habe.

Nach der Festnahme der 59-jährigen Mutter sind die Nachbarn schockiert. «Es war immer so friedlich und ruhig», sagte eine Nachbarin der Zeitung. Viele von ihnen wussten nicht, dass die drei jungen Frauen überhaupt in ihrem Haus lebten. Die Mutter hatte scheinbar mit allen Mitteln zu verhindern versucht, dass ihre Töchter mit der Aussenwelt in Kontakt treten. Einmal habe sich eine fremde Katze auf den Balkon der Wohnung verirrt, erzählt eine Nachbarin dem «Expressen». Die Mutter habe dem Besitzer aber verboten, die Katze zu holen. «Sie sagte, niemand dürfe in die Wohnung kommen – nicht mal der Hausmeister.»

«Sie liebt ihre Kinder»

Dem «Expressen» bestätigt die schwedische Polizei inzwischen, das die Mutter ihre drei Töchter gegen deren Willen festgehalten habe. Die Familie sei 2012 in die Wohnung in Bromölla eingezogen – bei ihrer Flucht aus der Wohnung sprach eine der Töchter aber von zehn Jahren Gefangenschaft. Wo sich die Familie vorher aufgehalten habe, werde gerade abgeklärt, sagt Polizeisprecherin Ewa-Gun Westford zum «Expressen». «Wir haben hier viel zu untersuchen. Das wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen.» Ein schwedischer Fritzl-Fall habe sich in der Wohnung aber nicht abgespielt, sagt die Staatsanwaltschaft – der Österreicher Josef Fritzl hatte seine 14 Kinder jahrelang in seinem Keller eingesperrt und missbraucht.

Angehörige der Familie der Mutter bestreiten die Vorwürfe unterdessen. Der Grossmutter der drei jungen Frauen zufolge hatte die Mutter versucht, ihre Kinder vor dem Vater zu schützen. «Sie hat keine Jugendlichen eingesperrt», sagte sie. «Sie liebt ihre Kinder.» Die Mutter sitzt in Untersuchungshaft. Eine Anhörung ist für heute Nachmittag angesagt.

(nsa)