Massaker zur Sonntagsmesse

06. November 2017 16:46; Akt: 06.11.2017 16:46 Print

Ryland (5) verliert Mutter und zwei Schwestern

Ein Fünfjähriger wird beim Amoklauf in einer Baptistenkirche in Texas durch mehrere Schüsse schwer verletzt. Seine Familie bangt um sein Leben.

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Leslie Ward arbeitet am Sonntagmorgen in ihrem Garten im texanischen Sutherland Springs, ihr Mann Michael schläft auf der Couch. Gegen 11.20 Uhr hört Leslie Schüsse aus dem Dorfzentrum. Sie weckt ihren Mann und beide rennen in Richtung der Baptistenkirche los. Im Gotteshaus, direkt vor ihren Augen, liegen Dutzende blutüberströmte Menschen. Wenige Minuten zuvor hat ein Schütze mit seinem Sturmgewehr auf die Gläubigen geschossen. 26 Menschen sind tot, rund 20 weitere verletzt.

Unter ihnen entdeckt Michael seine Schwägerin Joann Ward und ihre Kinder Rihanna (9), Emily (7), Brooke und Ryland (beide 5). Als der Täter schoss, hatte sich die Mutter schützend über ihre Kinder geworfen. Sie und ihre Töchter Emily und Brooke überleben den Amoklauf nicht. Rihanna bleibt unverletzt. Auch der kleine Ryland überlebt, ist aber schwer verletzt.

Als sein Onkel Michael ihn findet, ist der Fünfjährige zwar bei Bewusstsein, kann aber nicht mehr sprechen. Er hat vier Schüsse abbekommen: in den Bauch, in die Hüfte und in den Arm. Michael trägt ihn nach draussen und wartet, bis ein Rettungshelikopter den Jungen ins Universitätsspital nach San Antonio fliegt.

«Gott sagte, ‹geh nicht in die Kirche›»

«Er hat sehr schwere Verletzungen», sagt Michael zu «Dallas News». «Sie haben ihn operiert, aber ich glaube nicht, dass er es schaffen wird», erzählt Michael am Abend. Der Mann weint – zum ersten Mal seit Sonntagmorgen. Seine kleine Tochter McKinley tröstet ihn: «Papa, du musst jetzt dafür beten, dass er überlebt», sagt sie.

Ihr Schwager begleite seine Familie sonntags normalerweise in die Kirche, sagt Leslie Ward. Am Wochenende habe Chris jedoch Nachtschicht gehabt und sei deshalb zu Hause geblieben. Auch Leslies Tochter McKinley geht sonst mit ihrer Grossmutter zum Gottesdienst. «Es ist, als Gott diesmal zu mir gesagt hätte, ‹geh nicht in die Kirche›», sagt die Frau.

Auch die Pfarrerstochter ist unter den Opfern

Unter den Toten ist auch die 14-jährige Tochter des Pastors Frank Pomeroy, wie dieser dem Sender ABC News bestätigte. «Annabelle war ein wunderbares, einzigartiges Kind», sagt ihr Vater, der sich während des Blutbads nicht in der Stadt aufhielt.

Bryan Holcombe, der Frank Pomeroy als Pfarrer an diesem Tag vertrat, befindet sich ebenfalls unter den Todesopfern, genauso wie seine Frau Karla und seine hochschwangere Schwiegertochter Crystal. Laut «Mirror» kamen auch drei von Crystals fünf Kindern beim Amoklauf ums Leben.

(kle)