Genf

02. Februar 2017 22:50; Akt: 02.02.2017 22:50 Print

Saudi-Prinz mit Sex-Tape erpresst

Ein saudischer Tourist hatte Sex mit einer Minderjährigen. Danach wurde er mit einem Video erpresst. Diese Woche stehen drei der elf Erpresser vor Gericht.

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Im Hotel Bristol in Genf soll der Prinz mit der Minderjährigen geschlafen haben. (Bild: bristol.ch)

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Ein naher Verwandter der Königsfamilie aus Saudiarabien tappte im Sommer 2015 in Genf in eine Falle. Während seines Aufenthalts als Tourist hatte er Geschlechtsverkehr mit einer Prostituierten. Was er nicht wusste: Diese war damals noch minderjährig und das Hotelzimmer wurde per Video überwacht.

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Kriminelle hatten das Mädchen engagiert, um den Prinzen danach mit dem Sex-Tape zu erpressen. Eine Million Franken sollte er ihnen zahlen. Doch ihr Plan ging nicht bis zum Schluss auf.

Zuerst reduzierten sie die Forderung auf 200'000 Franken, dann konnte die Genfer Polizei die insgesamt elf Erpresser verhaften. Unter den Verhafteten war auch die junge Frau, die mit dem Mann geschlafen hatte. Seit Mittwoch müssen sich drei der Verdächtigen vor dem Genfer Strafgericht verantworten.

Minderjährige sagte, sie sei 21 Jahre alt

Zwei der 28- bis 35-jährigen Täter hätten in der Vergangenheit für den Saudi und seine Frau als Fahrer oder Leibwächter gearbeitet, schreibt «Le Matin». Der Tunesier und die zwei Franzosen leben in Frankreich.

Im Sommer 2015 engagierten sie demnach extra eine minderjährige Prostituierte, die das Opfer umgarnte. Sie erzählte dem Mann, dass sie bereits 21 Jahre alt sei. Wenig später hatten die beiden Sex in einem Zimmer im Hotel Bristol.

Erpresser drohten, Video der Polizei weiterzuleiten

Der Geschlechtsverkehr wurde mit einem iPhone gefilmt und danach auf USB-Sticks übertragen. Ob mittlerweile alle Kopien vernichtet wurden, ist unklar. Die Familie müsse damit leben, dass das Sex-Tape des Prinzen jederzeit veröffentlicht werden könne, so «Le Temps».

Nach dem Schäferstündchen kontaktierten die Erpresser den Saudi und drohten damit, das Video der Polizei weiterzuleiten, sollte er nicht zahlen. Bei der Polizei solle er sich besser nicht melden, drohten sie.

«Es war ein Albtraum»

Trotz der Drohungen schaltete der Mann die Polizei ein. Während elf Tagen lebte seine Familie in Angst, bis es den Beamten gelang, durch gezielte Abhörmassnahmen die Erpresser zu verhaften.

Die Anwälte des saudiarabischen Paares, Thomas Mes Barth und Romain Jordan, sagen: «Für unsere Klienten war die Zeit ein Albtraum.» Als ob ihnen jemand eine Pistole an die Schläfe gesetzt hätte, beschreibt die Frau des Opfers die Zeit.

Araber immer öfter erpresst

Das Paar und seine vier Kinder seien seit dem Vorfall nie wieder in die Schweiz gekommen, auch nicht für den Prozess, schreibt «Le Matin». Stellvertretend fordern die Anwälte 30'000 Franken Genugtuung. Am Freitag soll das Urteil fallen. Die Staatsanwaltschaft fordert bis zu fünfeinhalb Jahre Haft.

Saudiaraber würden immer häufiger mit Sex-Tapes erpresst, so der Anwalt der Familie. Rund 30'000 Araber seien weltweit betroffen. Mittlerweile gäbe es sogar eine NGO, die den Opfern Hilfe anbietet.

(vbi)