Frankreich

16. März 2017 13:23; Akt: 16.03.2017 19:15 Print

«Schütze blickte mir direkt in die Augen»

Ein Schüler hat in einem Gymnasium im südfranzösischen Grasse um sich geschossen. Mehrere Personen wurden verletzt.

«Ich hörte vier Schüsse»: Ein Augenzeuge berichtet von den bangen Minuten in der Schule. (Video: Tamedia/AP)
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Ein schwer bewaffneter Schüler hat am Donnerstag in einem Gymnasium in der südostfranzösischen Stadt Grasse das Feuer eröffnet. Nach einer neuen Bilanz der Staatsanwaltschaft wurden zehn Menschen verletzt. Dem französischen Innenministerium zufolge wurden mehrere Menschen von Kugeln getroffen und mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden. Die anderen verletzten sich, als sie ihn Panik flohen.

Laut dem Sprecher des Innenministeriums, Pierre-Henry Brandet, schoss der Jugendliche mit einem Gewehr im Lycée Alexis de Tocqueville. Er habe zudem eine Pistole, einen Revolver und zwei Handgranaten bei sich gehabt, hiess es aus Polizeikreisen.

Kein Terroranschlag

Die drei Verletzten wurden ins Spital gebracht. Fünf weitere Personen verletzten sich leicht, als sie in Panik flohen. Die Behörden hatten zunächst von zwei Tätern gesprochen. Später ging die Polizei aber nur noch von einem Angreifer aus.

Schiesserei in französischer Schule

«Wir können den Verdacht eines Anschlags ausschliessen», sagte der Präsident der südfranzösischen Region Provence-Alpes-Côtes d'Azur, Christian Estrosi, der Nachrichtenagentur AFP. Vielmehr scheine der mutmassliche Täter unter «psychologischen Problemen» zu leiden.

Die Polizei nahm den Schützen fest. Bei ihm fand sie ein Jagdgewehr, zwei Handfeuerwaffen und zwei Handgranaten. Die Ermittler suchen noch nach einem Motiv für seine Tat. Der 17-Jährige habe schlechte Beziehungen zu seinen Mitschülern gehabt, sagte Staatsanwältin Fabienne Atzori in Grasse. «Es gibt keinen Hinweis auf Terrorismus.» Nach ersten Angaben war der 17-Jährige nicht polizeibekannt. Er handelte vermutlich allein.

Die Behörden hatten nach den Schüssen im Gymnasium zunächst über eine Handy-App eine Anschlagswarnung verbreitet. Menschen in der Gegend wurden aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. Die Polizei riegelte die Schule mit einem Grossaufgebot ab, auch Beamte der Sondereinheit Raid rückten an.

17-Jähriger trug mehrere Waffen auf sich

«Wir hörten einen Schuss», schildert ein Zeuge dem französischen Sender France Info. «Wir haben uns unter dem Tisch versteckt und auf die Polizei gewartet.» Sie wurden angewiesen die Fenster zu schliessen. «Er (der Schütze) hat mir direkt in die Augen geschaut, ich habe mich sofort unter dem Tisch versteckt.»

Beim Festgenommenen handelt es sich um einen 17-jährigen Schüler des Gymnasiums, er sei der Polizei unbekannt. Er sei mit einem Gewehr, einer Pistole, einem Revolver und einer Granate bewaffnet gewesen, hiess es aus Polizeikreisen. Unklar sei aber, ob alle Waffen funktionsfähig waren.

Schwarz gekleidet

Ein ehemaliger Schüler des Gymnasiums erzählt, der Schütze sei stets schwarz gekleidet, ein Satanist. «Er ist Metal-Fan», sagt der Schüler zu «Métropolitain».

Das Rathaus von Grasse erklärte, nach den Schüssen sei Panik ausgebrochen. Einige Schüler seien weggerannt und hätten in einem nahegelegenen Supermarkt Zuflucht gesucht. Dies habe dazu geführt, dass Gerüchte über einen Anschlag die Runde gemacht hätten. In Frankreich herrscht seit den Anschlägen von Paris vom 13. November 2015 der Ausnahmezustand. Die Anschlagsgefahr gilt weiterhin als sehr hoch.

Grasse liegt rund 20 Kilometer nördlich von Cannes im südostfranzösischen Département Alpes-Maritimes. Die Stadt hat rund 50'000 Einwohner.

(woz/mch/sda/afp)