Tessin

02. Mai 2017 19:16; Akt: 04.05.2017 02:11 Print

Gotthard-Raser soll doch noch ins Gefängnis

Ein Gerichtsurteil aus dem Tessin gegen einen Raser wird auf Deutsch übersetzt. Das Ziel: Deutschland soll ihn verurteilen.

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Mit 200 Kilometer pro Stunde durch die Alpen: Im Gotthardtunnel überholte der Raser zehn Mal. (29. Januar 2016)

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Für den im Februar im Tessin verurteilten Autobahnraser aus Deutschland wird von den Schweizer Behörden ein Gesuch um stellvertretende Strafvollstreckung gestellt werden. Dafür wird das Gerichtsurteil derzeit ins Deutsche übersetzt. Ob der Raser dann hinter Gitter wandert, muss allerdings die deutsche Justiz entscheiden.

Das Bundesamt für Justiz (BJ) werde das Ersuchen um stellvertretende Strafvollstreckung an die deutschen Behörden stellen, teilte BJ-Sprecher Folco Galli am Dienstag auf Anfrage mit. Man stütze sich dabei auf das Rechtshilfegesetz.

Mit Tempo 200 über Autobahn gerast

Zunächst müsse aber die zuständige Tessiner Justizdivision das rechtskräftige Gerichtsurteil sowie weitere Dokumente vom Italienischen ins Deutsche übersetzen. Der 43-jährige Autobahnraser war im Februar von einem Gericht in Lugano zu einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten verurteilt worden – 12 Monate davon unbedingt.

Im Sommer 2014 war der Mann mit bis zu Tempo 200 über die Autobahn A2 gerast und hatte dabei im Gotthard-Strassentunnel zehn Mal überholt.

Fahrer blieb Prozess fern

Da der Fahrer seinem Gerichtsprozess Anfang des Jahres fern blieb, kam die Frage auf, ob und in welcher Form dieser überhaupt zur Rechenschaft gezogen werden könne. Eine Auslieferung erschien von Anfang an als sehr unwahrscheinlich, da Deutschland sich wie die Schweiz und zahlreiche andere Staaten das Recht vorbehält, die Auslieferung eigener Staatsangehöriger abzulehnen.

Ob die in der Schweiz verhängte Freiheitsstrafe nun auch in Deutschland vollstreckt werden kann, hängt laut dem BJ insbesondere davon ab, ob «der Sachverhalt auch nach deutschem Recht strafbar ist».

Autorennen ist nur Ordnungswidrigkeit

Am Berliner Landgericht wurden im Februar zwei Männer wegen eines illegalen Autorennens, bei dem eine Person starb, zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt. Das Urteil lautete auf Mord.

Laut der Wochenzeitung «Die Zeit» ist derzeit ein Gesetzesentwurf auf Bundesebene in Arbeit, der illegale Autorennen unter Strafe stellen soll. Bislang seien illegale Autorennen als Ordnungswidrigkeit mit 400 Euro Bussgeld und einem Monat Fahrverbot geahndet worden.

Mit dem neuen Gesetz wäre die Teilnahme an einem solchen Rennen keine Ordnungswidrigkeit mehr, sondern eine Straftat. Sie könnte mit bis zu zwei Jahren Gefängnis geahndet werden, auch dann, wenn niemand zu Schaden kommt. Gemäss der Zeit unterstützt auch die deutsche Bundesregierung das Vorhaben.

(oli/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • äsä am 02.05.2017 19:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Soll?

    MUSS! Und ein Lebenslanges Fahrverbot für die Schweiz!!!

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  • Get Hin am 02.05.2017 19:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    International zur Fahndung ausschreiben

    Falls das Urteil in DE nicht umgesetzt wird, den Mann international zur Fahndung ausschreiben. So muss er im Ausland angehalten und verhaftet werden!

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  • Marcello am 02.05.2017 19:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Harte Strafe

    So ein unbelehrbarer Autofahrer braucht mal eine harte Strafe. Ich darf mir nicht vorstellen was alles hätte passieren können und unschuldige wieder getötet oder lebenslänglich behindert sein könnten. Wer in einem Notfall oder behinderten Heim arbeitet weiss was ich meine.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Remo am 03.05.2017 22:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Menschheit

    Von heute regt mich immer wie mehr auf. Jeder hat das Gefühl er ist was besseres er ist cool ect. Ich habs langsam so sat.

  • Elmar am 03.05.2017 21:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mensch ohne Eigenverantwortung

    Genau wegen solchen Wahnsinnigen ist schnelles Fahren gefährlich und am Pranger. Wenn jeder Mensch Eigenverantwortung hätte, würde keiner so einen Schwachsinn in einem Tunnel veranstalten, und wir könnten freier und sicher Autofahren. Der soll in Deutschland bleiben und nie wieder in die schöne Schweiz dürfen. Damit sind die Schweizer Straßen wieder um ein Stück sicherer.

  • Ärklärbär am 03.05.2017 18:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Krasse Kommentare zt.

    Diese Feindseeligkeit. Die meisten wollen ihn aufs härteste Bestrafen. Diese Lynchjustiz unter den Kommentatoren ist erschreckend! Und so tickt unsere Gesellschaft..... das sollte einem Gedanken machen. Aber stetig das Miteinander und Teilen und Helfen und was sonst noch alles predigen. In wirklichkeit wollen alle dem anderen eins auswischen oder bestrafen.... Bedenklich.

  • Lindo Anjo am 03.05.2017 14:39 Report Diesen Beitrag melden

    FRAGE:

    Müssen die Schweizer Raser, die jedes Wochenende in Deutschland ihre Rennen austragen, in der Schweiz auch ins Gefängnis?

    • AppleBee am 03.05.2017 16:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Lindo Anjo

      Wäre richtig wenn ja!

    • Dani am 27.05.2017 18:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Lindo Anjo

      Wenn sie mit 200 anstat 120 fahren ganz klar ja und aussweis weg mit hohen kosten Ausser sie fahren dort wo unbegrenzt ist,aber auch wenn sie dort andere nötigen gibt es ne strafe wenn solche erwischt werden.

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  • GSXR1100 am 03.05.2017 13:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bodenrakete

    In der guten alten Zeit vor 2000 bin ich überland dauernd 200+ gefahren. Nie was passiert....

    • Franco 26 am 09.05.2017 21:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @GSXR1100

      Wahrscheinlich mehr Glück als Verstand.

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