«Verrat des Punk»

01. Dezember 2012 18:50; Akt: 01.12.2012 18:50 Print

Das Geschäft mit den Pussies

Ob Popstar Madonna, Anwalt oder Ehemann - jeder will ein Stück des Pussy-Riot-Kuchens. Es tobt ein Streit um Markenrechte, Punkideologien und «Verrat».

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Für ihre Überzeugung liessen sie sich festnehmen, in einen Glaskasten stecken und ins Straflager schicken. Was für die drei Frauen von Pussy Riot ein Kampf um Gerechtigkeit bedeutet, wurde für viele in ihrem Umfeld zu einer vielversprechenden Geschäftsidee.

Mark Feigin, der Anwalt der Punkband, hat gemäss Spiegel Online versucht, die Marke Pussy Riot rechtlich schützen zu lassen. Während zwei der drei Punkerinnen im Straflager schufteten, wollte sich der umtriebige Jurist zusammen mit seiner Frau die Rechte an Spielzeug, Kleidung und DVDs mit dem Pussy-Riot-Logo sichern.

Das Patentamt erteilte Feigin jedoch eine Abfuhr und die Sängerinnen feuerten den Mann. Doch der Anwalt war nicht der einzige, der in der Kommerzschlacht um die Punkband mitmischen wollte. Die Profiteure stammen teilweise aus dem nächsten Umfeld von Pussy Riot.

Sängerin wirft Ehemann Verrat vor

So versuchte der Ehemann der im Straflager weilenden Pussy-Riot-Sängerin Nadeschda Tolokonnikowa, hohe Honorare an öffentlichen Anlässen zu erwirtschaften. Als Druckmittel diente ihm dabei der «drängende Bedarf» des «Free Pussy Riot Campaign Fund».

Damit handelte er aber ganz und gar nicht im Sinne seiner Frau. Nadeschda Tolokonnikowa rechnete mit einem Brief aus dem Straflager öffentlich mit ihrem Gatten ab. Im Schreiben, das vom Radiosender Echo Moskau veröffentlicht wurde, warf sie ihm «Verrat an der Idee des Punk und an Pussy Riot» vor. Nur kurz darauf doppelte sie in einem zweiten Brief nach: «Stoppt die Streitigkeiten über die Marke! Stoppt die Registrierung der Marke! Geld ist Staub», wetterte sie.

Nicht einmal die ganz Grossen schrecken davor zurück, den Namen Pussy Riot zu Geld zu machen. Popstar Madonna verkauft in ihrem Online-Fan-Shop T-Shirts mit dem Logo der Band für 19.95 Dollar pro Stück. Eine Erlaubnis dafür hat sie beim Punk-Trio nicht eingeholt.

(jbu)