Anschlag auf BVB-Teambus

06. November 2017 16:29; Akt: 06.11.2017 16:29 Print

Täter plante weitere Attentate – etwa am Titlis

Sergej W. hat im April mutmasslich neben dem Mannschaftsbus von Borussia Dortmund mehrere Sprengsätze gezündet. Nun glauben die Ermittler: Er wollte auch in der Schweiz zuschlagen.

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Der mutmassliche Urheber des Anschlags auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund vom April hat womöglich weitere Attentate geplant. Das geht aus der 43-seitigen Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Dortmund gegen den 28-jährigen Sergej W. hervor. W. beschäftigte sich im Internet mit mehreren Seilbahnbetreibern und deren Aktienkursen, wie der «Spiegel» am Montag schreibt.

Als Suchbegriff gab W. unter anderem «Bergbahnen Engelberg-Trübsee Titlis AG» und deren Wertpapierkennnummer ein, ebenso suchte er nach der «Karwendelbahn AG». Die Staatsanwaltschaft schreibt in ihrer Anklageschrift, dieses Verhalten lasse nur den Schluss zu, dass W. «sich ein neues Ziel suchte, um aus Kursverlusten aufgrund von Anschlägen Gewinne» zu erzielen.

Täter soll auf fallende BVB-Aktie gewettet haben

Die Staatsanwaltschaft hatte Ende August Anklage gegen W. erhoben. Die Entscheidung des Landgerichts Dortmund über die Zulassung der Anklage steht noch aus. Dem 28-Jährigen wird unter anderem versuchter Mord zur Last gelegt.

Der bereits wenige Tage nach dem Anschlag vom 11. April festgenommene W. soll aus Habgier gehandelt haben. Er soll vor dem Anschlag mit geliehenem Geld auf einen fallenden Kurs der BVB-Aktie gewettet haben.

Falsche Spuren gelegt

Die Ermittler fanden ausserdem weitere Hinweise, dass Sergej W. versuchte, den Tatverdacht in Richtung islamistischer Terroristen zu lenken. Kurz nach dem Anschlag waren am Tatort drei wortgleiche Schreiben aufgefunden worden, die Glauben machen sollten, die Terrormiliz Islamischer Staat stecke hinter dem Bombenanschlag. Diese Schreiben werden inzwischen als falsche Spur W.s gewertet.

Nach der Tat entdeckten Zeugen eine Feuerstelle im Wald nahe dem Tatort. Die Ermittler gehen inzwischen davon aus, dass Sergej W. sich dort aufhielt und unter anderem Einkäufe aus einem belgischen Supermarkt dort hinterliess, um eine weitere falsche Spur zu legen.

Zwei Verletzte im April

Der mutmassliche Attentäter hatte offenbar psychische Probleme. Kurz vor der Tat versorgte er sich mit einem Rezept für das Medikament Escitalopram, das bei Angststörungen und Depressionserkrankungen verschrieben wird. Auf einem seiner Laptops entdeckten die Fahnder Links zu Websites, die sich mit unterschiedlichen psychischen Krankheitsbildern befassen. Dazu gehörten unter anderem Persönlichkeitsstörungen und bipolare Störungen.

Bei dem Attentat waren drei mit Metallstiften gefüllte Sprengsätze in unmittelbarer Nähe des BVB-Mannschaftsbusses explodiert, als dieser gerade mit dem Team an Bord das Gelände des Mannschaftshotels in Dortmund zu der Champions-League-Partie gegen AS Monaco verliess. Durch die Explosionen wurden BVB-Verteidiger Marc Bartra und ein Polizist verletzt. Dass es nicht mehr Opfer gab, lag nur daran, dass der Attentäter einen der Sprengsätze falsch deponiert hatte.

(nk/sda)