Präsident von Liberland

26. September 2015 14:16; Akt: 26.09.2015 15:25 Print

«Wir könnten das grösste Land der Welt werden»

von Marco Lüssi - Im April hat Vit Jedlicka die Freie Republik Liberland ausgerufen. In Zürich wirbt er für den neuen «Staat» – und verkündet grosse Pläne.

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Vit Jedlicka, der Präsident der freien Republik Liberland, machte am 24. September 2015 in Zürich Werbung für seinen jungen Staat. Er bezeichnet die Schweiz als Vorbild, auch in seinem Land soll es Elemente der direkten Demokratie geben, wie sie die Schweiz kennt. Liberland befindet sich im Niemandsland zwischen Serbien und Kroatien. Es sei ein Gebiet, das keines der Länder für sich beanspruche, sagt Jedlicka. Serbien erhebt tatsächlich keinen Anspruch auf das sieben Qudadratkilometer grosse Gebiet. Kroatien seinerseits zählt Liberland nicht zu seinem Staatsgebiet, stellt sich aber auf den Standpunkt, es gehöre zu Serbien. Diese Karte zeigt die Umrisse von Liberland, wie sie Präsident Vit Jedlicka gezogen hat. Dieses zerfallene Haus ist derzeit noch das einzige Gebäude, das es in Liberland gibt. Doch das soll sich ändern: Diese Visualisierung zeigt, wie Präsident Vit Jedlicka sich das Land vorstellt, wenn es von den vielen neuen Bürgern besiedelt ist. Die Ähnlichkeit mit Hongkong ist beabsichtigt. Zu bieten hat Liberland aber auch idyllische Strände entlang der Donau. «Man fühlt sich ein wenig wie in der Karibik», sagt Präsident Vit Jedlicka zu 20 Minuten. Präsident Jedlicka kann sich vorstellen, dass sein Land auch zu einer beliebten Tourismusdestination wird. Auch malerische Waldstücke hat das Land zu bieten. Dies ist die Flagge Liberlands... ...und das Wappen. Er will hin: Schon über 300'000 Menschen haben online die Staatsbürgerschaft von Liberland beantragt, darunter rund 600 Schweizer.

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Der tschechische Politiker Vit Jedlicka gab im April bekannt, dass er auf einem Landstrich im Niemandsland zwischen Kroatien und Serbien einen neuen Staat gegründet habe – die Freie Republik Liberland. Seither reist er um die Welt, um Unterstützer für sein Projekt zu finden. Am Donnerstag machte er in Zürich Halt – auf Einladung der Kleinpartei Up Schweiz, die bisher vor allem durch ihre Forderung zur Abschaffung der Biersteuer auf sich aufmerksam gemacht hat. Der Präsident von Liberland hat 20 Minuten in der «Rheinfelder Bierhalle» zum Interview empfangen.

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Herr Präsident Jedlicka, die drängendste Frage zuerst: Meinen Sie es wirklich ernst?
Und ob. Aber es stimmt, im Moment besteht meine wichtigste Aufgabe darin, die Leute davon zu überzeugen, dass das kein Scherz ist. Dafür bin ich derzeit weltweit in diplomatischer Mission unterwegs. Wir tun dasselbe, was damals auch die Gründer der USA getan haben. Jeder, der ein Territorium hat, das kein anderer beansprucht, kann dort einen Staat gründen. Das steht gemäss dem internationalen Recht allen zu – unabhängig davon, ob der neue Staat von anderen Staaten anerkannt wird.

Derzeit lebt noch niemand in Liberland, und es gibt dort nur ein einziges, baufälliges Gebäude. Das klingt nicht sehr vielversprechend.
Stimmt, die Situation ist schwierig, weil die kroatische Polizei uns immer wieder daran hindert, Liberland zu betreten, und unsere Leute immer wieder festnimmt. Deshalb können unsere Bürger – derzeit sind es 130 Personen – nicht in Liberland leben und keine Infrastruktur aufbauen. Wir sind den Kroaten gleichzeitig aber auch dankbar, dass sie die Grenzen zu unserer Republik sichern.

Heisst das, auch Sie als Präsident können nicht in Ihr Land einreisen?
Nein, leider nicht. Auch ich wurde schon zweimal verhaftet. Aber immerhin haben die kroatischen Behörden mich standesgemäss behandelt und mir die beste Zelle gegeben.

Gibt es überhaupt Hoffnung, dass Sie sich mit Kroatien einigen werden?
Durchaus, denn Kroatien beansprucht das Gebiet ja nicht für sich, sondern stellt sich auf den Standpunkt, es gehöre zu Serbien. Serbien aber hat bestätigt, dass Liberland nicht auf serbischem Territorium liegt. Die Einzigen, die das Gebiet beanspruchen, sind wir.

Nehmen wir an, Sie lösen das Problem und können Liberland besiedeln. Warum sollte man dort leben wollen?
In Liberland wird ein hohes Mass an Freiheit herrschen. Wir begrenzen die Gesetze auf das Minimum. Kapitalverbrechen wie Mord werden natürlich geahndet, Polizei und Justiz gibt es in Liberland. Aber auf alles Unnötige, das Staaten sonst noch finanzieren, verzichten wir: Etwa auf ein staatliches Gesundheits-, Bildungs- und Sozialsystem und auf eine eigene Währung.

Warum?
Spitäler und Schulen lassen sich privat viel kostengünstiger betreiben. Menschen in Not wird mit privaten Spenden geholfen, wobei wir als Bürger natürlich Menschen bevorzugen, die für sich selber sorgen können. Und zur Währung: Womit die Leute einander bezahlen, können sie untereinander selber regeln.

Wie hoch werden die Steuern sein?
Niemand wird Steuern zahlen müssen, das ist freiwillig.

Dann dürfte Liberland schnell bankrott gehen.
Nein, im Gegenteil, wir werden ja viel tiefere Ausgaben haben als andere Staaten. Ich bin sicher: Wir werden immer mehr Geld haben, als wir ausgeben können. Weltweit gibt es Hunderte Millionäre und selbst Milliardäre, die von Liberland fasziniert sind und in dieses Land investieren wollen.

Liberland ist nur sieben Quadratkilometer gross. Wie viele Menschen finden dort Platz?
Liberland ist immerhin mehr als dreimal so gross wie Monaco. Maximal werden 500'000 Menschen im Land leben können. Doch wir werden viel mehr Bürger haben. Nicht jeder Liberländer muss im Land leben – wir erlauben ja die Doppelbürgerschaft. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass Liberland gemessen an der Zahl der Staatsbürger irgendwann das grösste Land der Welt werden könnte. Bis heute haben sich über 300'000 Menschen online beworben, darunter über 600 Schweizer.

Wird Liberland auch Flüchtlinge aufnehmen?
Natürlich, Flüchtlinge können genauso die Staatsbürgerschaft beantragen wie alle anderen – Tausende Syrer und Iraker haben dies schon getan. Derzeit ziehen die Flüchtlingsströme ganz nahe an Liberland vorbei – diese Leute wollen aber lieber nach Deutschland.

Ist die Schweiz ein Vorbild für Liberland?
Ja, das grösste neben den USA. Liberland wird Elemente der direkten Demokratie übernehmen, wie sie die Schweiz kennt. Die Bürger sollen das Referendum ergreifen können gegen Gesetze, die ihnen nicht passen. Zudem setze ich in die Schweiz grosse Hoffnung: Sie spielt oft eine Vorreiterrolle, wenn es um die Anerkennung neuer Staaten geht, wie sich etwa am Beispiel von Kosovo gezeigt hat. Ich hoffe, dass die Schweiz bald auch Liberland anerkennt. In der Person von SVP-Nationalrat Lukas Reimann, mit dem ich mich gestern getroffen habe, haben wir bereits einen prominenten Unterstützer.

Als Nächstes planen Sie einen Architekturwettbewerb...
Ja, er wird im Oktober in Chicago lanciert. Architekten aus der ganzen Welt können ihre Vorschläge für die Überbauung von Liberland einreichen. Grundstücke werden wir vermutlich für Bauprojekte an Private vermieten, so wie es Hongkong tut. Ich rechne zudem damit, dass Liberland eine beliebte Tourismusdestination wird.

Ist es denn schön in Ihrem Land?
Ja, entlang dem Donau-Ufer hat es Strände, es herrscht fast ein Karibik-Feeling. Ich freue mich sehr darauf, dort zu leben.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • A.M. am 26.09.2015 14:25 Report Diesen Beitrag melden

    Meinung

    Von mir aus kann er gerne sein Land haben.

    einklappen einklappen
  • Felix am 26.09.2015 14:36 Report Diesen Beitrag melden

    Viel Erfolg

    Hoffe es tut sich was, würde gerne dort Ferien buchen. Eine willkommene Konkurrenz zu den auswuchernden bürokratisierten Abzockerstaaten.

  • mary rose am 26.09.2015 14:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    dreamer

    dreamer! schön das es noch Leute gibt die träumen, leider nicht umsetzbar, sonst würde ich mich umgehend mit ihm in Verbindung setzen!!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Liberlandanier_95 am 27.09.2015 12:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Free Liberland!

    Ich mag Leute, die auch mal etwas verrücktes machen.

  • Susi am 27.09.2015 12:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    .......

    Super, dann reisen unsere Millionäre dort hin und müssen gar keine Steuern mehr bezahlen.Ein normaler Arbeiter wird gar nicht reingelassen.Vielleicht noch eine Mauer drumherum, vom Militär bewacht, vom Steuerzahler bezahlt , ist ja klar.Dann sind sie vor den vielen Verbrecher sicher, wir können dann schauen , wo wir bleiben.

  • Träumer am 27.09.2015 11:52 Report Diesen Beitrag melden

    7 quadrat Km

    Wen die Stadt so gebaut wird wie er sich das vorstellt, dann wird von den Wäldern und dem schönen "Karibikstrand" nicht mehr viehl übrig bleiben.

  • KTM am 27.09.2015 11:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich muss dort hin!

    Ein Traum für jeden Endurofahrer!

  • Martin Müller am 27.09.2015 10:18 Report Diesen Beitrag melden

    Abzockerei

    ist der Plan vom möchtegern Präsident von Liberland. Die Idee ist auch nicht neu. Es gibt schon Sealand und da bin ich Honorar Konsul.