Fettsucht

15. September 2016 22:08; Akt: 15.09.2016 22:08 Print

BBC lässt dicke Frau am TV aufschneiden

Für eine Dokumentation über die Folgen von Fettleibigkeit wird der BBC «Fat-Shaming» vorgeworfen.

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Bis 2035 werden rund 75 Prozent der britischen Bevölkerung übergewichtig sein. England steht vor einer Fettleibigkeit-Epidemie: Dies besagt eine Studie von Cancer Research UK und UK Health Forum. Vor einer Woche entschied das staatliche Gesundheitssystem Grossbritanniens, der National Health Service (NHS), Personen mit einem Body Mass Index (BMI) von 30 oder mehr Routineoperationen zu verweigern. Das britische Fernsehen versuchte nun, seinen Teil zur Prävention von Fettsucht beizutragen.

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In der als Bildungsfernsehen deklarierten BBC3-Sendung «Obesity: The Post Mortem» (dt.: «Fettsucht: Die Obduktion») wird daher nicht um den heissen Brei herumgeredet. Sondern dem Zuschauer vor Augen geführt, welche gesundheitsschädigenden Auswirkungen Fettleibigkeit nach sich ziehen kann. Und wie diese genau aussehen, wie die Macherselber die Sendung beschreiben: «Wir wissen alle, wie Fett von aussen aussieht. Aber wie sieht der Schaden aus, den Fettsucht unter der Haut anrichtet? The Post Mortem deckt auf, wie gefährlich zu viel Fett ist.» Zur Veranschaulichung dient die einstündige Autopsie einer übergewichtigen, toten Frau.

Das Problem der fetten Frau

Auf die Sendung folgte Kritik über die Art, wie die Thematik von Fettsucht angesprochen wurde. Einerseits wird Unverständnis darüber laut, wieso eine übergewichtige Frau und kein Mann obduziert wurde, sowie jemand aus Übersee und nicht aus England selber.

Während der Sendung wurde zudem nur ein Mann zum Thema interviewt. «Es wird vorausgesetzt, dass Frauen dekorativ sind und so wenig Platz wie nötig in der Welt einnehmen. Fette Frauen brechen beide Regeln», so das Verdikt der englischen Online-Zeitung «The Independent».

Fat-Shaming bis in den Tod

Zusätzlich zur Feminismus-Perspektive stört man sich am «Fat-Shaming», das mit der Dokumentation betrieben wird. «Sogar im Tod ist man nicht sicher vor grausamem Fat-Shaming» empört sich «The Guardian». «Diese Autopsie (...) ist ein Fat-Shaming-Spektakel», so auch das britische Magazin «New Statesman».

Sprüche sollen respektlos sein

Das die Obduktion vollziehende Ärzteteam soll zudem ungenügend Respekt für die vor ihnen liegende tote Frau gezeigt haben. So ruft die Pathologin Carla Valentine beim ersten Schnitt aus: «So viel Fett!» und gleich weiter «Das fühlt sich wie Butter an.» Ihr Kollege Mike Osborn seinerseits vergleicht die Konsistenz der Leber mit einer «Pastete».

Über die Frau wird wenig bekanntgegeben. Sie war in ihren Sechzigern, aus Kalifornien und circa 108 Kilogramm schwer. Ausserdem starb sie an den Folgen einer Herzerkrankung. Es wird betont, dass sie ihren Körper vor ihrem Tod der Medizin vermacht hat. Trotzdem darf angezweifelt werden, dass ihr dabei bewusst war, dass ihrer Autopsie ein Millionenpublikum beiwohnen und ihr Äusseres – respektive ihr Inneres – beurteilt würde.

(sep)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Deia am 15.09.2016 22:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genau richtig

    Fett sein ist nicht geil, ok oder irgendwas. Jeder darf hübsch finden was er möchte, aber wer fett ist, ist nicht gesund. Punkt. Darüber muss man nicht diskutieren. BBC versucht uns das zu zeigen aber alle lätschen mal wieder rum weil man in ihren "Safespace" eingedrungen ist.

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  • M.G. am 15.09.2016 22:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stille nützt nichts

    Warum sollte das "Fat-Shaming" sein? Alle Wissenschaftler sind sich einig, dass Krankheitsrisiken und vorallem das Krebsrisiko massiv ansteigt falls man schwer übergewichtg ist. Die Fettleibigkeit muss im öffentlichen Rahmen ein Diskurs bleiben um die Gesellschaft auf die Epidemie aufmerksam zu machen und die Obesität einzudämmen.

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  • Waterpolo1s am 15.09.2016 22:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Voyeurismus!!

    Finde es gut, dass es gezeigt wird. Aber ehrlich gesagt, ich könnte nicht zusehen! Leider werden voluminöse Menschen nicht zuschauen und so wäre nur der Voyeurismus befriedigt ...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • GLC am 16.09.2016 12:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Übrigens

    Es ist unlogisch wie über Übergewichtige geredet wird. Wenn ein dünner Mensch 2 Stück Torte isst macht sich keiner Gedanken. Isst ein Übergewichtiger 1 Stück Torte wird gelästert.Dabei ist schon länger bekannt dass Weichmacher im Kunststoff ein grosser Faktor ist.Stress übrigens genauso...Wer unter Stress steht kann genauso zunehmen.Ebenso ist das Gen längst identifiziert das einige Menschen zunehmen lässt,es ist tatsächlich vererbbar.Und übrigens...auch Dünne sterben!Also bitte ein bisschen Respekt gegenüber Euren Mitmenschen,es kann sehr gut sein dass ihr in wenigen Jahren auch zu denen gehört!

    • mrblack am 16.09.2016 17:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @GLC

      Der Punkt ist das die Leute gar nicht erst versuchen abzunehmen. Von mir aus kann jeder essen und aussehen wie er will. Ich sag sicher nichts. Hier gehts um Fakten und um Gesundheitsschäden. Was auch immer sich die Leute einreden um nicht zu versuchen Ihr Leben zu ändern das bleibt Ihre Sache

    • GLC am 16.09.2016 20:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @mrblack

      Da sieht man wie oberflächlich nachgedacht wird! Glaubst Du das allen Ernstes dass es den Meisten Spass macht mit soviel Gewicht herumzulaufen und sie nicht Einiges auf sich nehmen um abzunehmen? Zu oft sind es genau diese die schon soviel versucht haben und zuwenig Unterstützung bekommen!Natürlich steht das keinem auf der Stirn geschrieben!Weisst Du was alles für Geschichten dahinterstecken? Es ist viel einfacher zu verurteilen als diese Menschen genauso ernst zu nehmen wie man es für sich selber möchte! Solange man nicht genau die Gründe kennt soll man nicht urteilen!

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  • Rebecca Svartur Tàr am 16.09.2016 12:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schock

    Ich selbst wusste schon immer das ich fettleibig bin. Anregungn zur abnahme gabs keine. Erst als ich eine für mich heftige Erfahrung machen musste, in dem ich im Europa Park fast nimma in die Bahn passte, tratt ich den Gang zur Ernährungsberatung an. Ehrlich gesagt hätten mich die Bilder wohl kaum geschockt.

  • arbeite im Spital am 16.09.2016 11:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht mal sooo dick

    Also ich arbeite im Spital und sooo dick war die Frau gar nicht. Da gibt es ganz andere.

  • fastreader am 16.09.2016 11:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grenze ziehen

    Natürlich ist Fettleibigkeit in diesem Ausmass ein grosses Problem und auch stark gesundheitsschädigend. Deshalb finde ich es gut, dass BBC das gezeigt hat. Allerdings muss man auch aufpassen und irgendwo eine Grenze ziehen. Ein übergewichtiger Mensch kann auch bei bester Gesundheit sein, erst in extremen Fällen wird es wirklich gefährlich. Wenn so jemand dann krankhaft versucht abzunehmen und es aufgrund von Genen oder des Körperbaus nicht funktioniert kann das leicht ins Gegenteil fallen. Es wäre gut gewesen, z.b. auch die Auswirkungen von Magersucht auf den Körper zu zeigen.

  • AlainvB am 16.09.2016 11:40 Report Diesen Beitrag melden

    die BBC

    die BBC macht geile Dokus, sei es über Wildkatzen, Sterne, Vulkane etc, auch diese hat bestimmt viel Bildungskraft, leider zeigt die BBC die Dokus meist viel zu spät in der Nacht, womit die breite Masse nichts davon mitbekommt