Wegen Obama

03. September 2012 12:46; Akt: 03.09.2012 13:52 Print

«Amerika drohen 1000 Jahre Finsternis»«Amerika drohen 1000 Jahre Finsternis»

Nachdem sich Clint Eastwood auf Barack Obama eingeschossen hat, nimmt nun Chuck Norris den US-Präsidenten ins Visier. Doch auch sein Schuss geht rhetorisch nach hinten los.

Hier die Ansprache des Norris-Paares. Apropos Moral: Gena wurde 1963 geboren, als Chuck und Ex-Frau Dianne ihr erstes Kind bekamen. 1964 bekam der gute Christ unehelichen Nachwuchs, 1965 wieder regulären. Nach der Scheidung 1988 war der Weg 1998 frei, die 23 Jahre jüngere Gena zum Altar zu führen. 2001 bekamen die beiden Zwillinge: Dakota Alan und Danilee Kelly. Quelle: YouTube/localweber
Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

«Hallo, ich bin Chuck Norris und das ist meine Frau Gena», stellen sich der Bärtige und die Blondine vor. Sie haben Sorgen: «Unser Land, wie wir es kennen, ist womöglich für immer verloren, wenn wir nicht den Kurs ändern.» Das Duo hat eine Mission. Es gehe ihnen um die «wankelmütigen Brüder und Schwestern», erläutert Gena. «30 Millionen evangelikale Christen sind am Wahltag zu Hause geblieben und Obama hat mit zehn Millionen Stimmen gewonnen.» Und dieses Debakel von 2008 soll sich in den stahlblauen Augen von Chuck Norris nicht wiederholen.

«Wir wissen, dass ihr eure Familie und euer Land so sehr liebt wie Gena und ich. Deshalb können wir nicht mehr tatenlos zusehen, wie unser Land den Weg des Sozialismus oder einen noch Schlimmeren geht.» Der Schauspieler zitiert den konservativen Vordenker Edmund Burke, seine Frau den Ex-Präsidenten Ronald Reagan: «Er sagte, dass Sie und ich ein Rendezvous mit dem Schicksal haben. Wir werden für unsere Kinder die letzte Hoffnung der Menschheit auf Erden bewahren. Oder aber wir verurteilen sie dazu, den ersten Schritt zu 1000 Jahren Finsternis zu machen.»

Chucks politische Tradition

Zum Ende des eindringlichen Spots appellieren die US-Promis: «Lasst uns zusammenstehen für Gott und das Land – und möge Gott weiterhin die Vereinigten Staaten von Amerika segnen.» Und ihre Zuschauer werden die zwei dafür in ihre Gebete einschliessen, denn das Video haben sie für die konservative Website WorldNetDaily gedreht, für die Chuck Norris dann und wann auch Kolumnen schreibt. 2007 hatte er sich dort etwa für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mike Huckabee stark gemacht.

Dass der Held zahlreicher Actionfilme kein Fan von Barack Obama ist, liegt auf der Hand wie eine Faustfeuerwaffe. Der 72-Jährige ist ein Verfechter des Rechts auf Waffenbesitz und ein Gegner der gleichgeschlechtlichen Ehen: Er stellte sich als einer der ersten US-Promis öffentlich gegen die Homo-Ehe. Mit seinen Lieblingskandidaten wie einst mit Huckabee hat der Mann aus Oklahoma aber immer Pech. 2012 unterstützte er erst Ron Paul, dann Newt Gingrich. Nun muss er mit Mitt Romney vorlieb nehmen.

Mit Eastwood auf einer Linie

Der Schauspieler schreibt aber nicht nur für «WorldNetDaily», sondern legt wie im vergangenen Wahlkampf sein tiefgründiges Politikverständnis auch in Buchform nieder. Der Titel: «Black Belt Patriotism: How to Reawaken America. Oder er fragt Amerika ausgerechnet auf AmmoLand.com: «Macht Obama die amerikanischen Pfadfinder homophil?» Chuck Norris: Nicht nur Texas Ranger ehrenhalber, nicht nur US Marine ehrenhalber, sondern auch Republikaner. Nicht ehrenhalber, sondern wegen der Kinder, der nächsten Generation gottesfürchtiger US-Bürger.

Ob Barack Obama selbst beeindruckt von dem politischen Gegenwind ist, muss bezweifelt werden. Zumal viel grössere Kaliber den Präsidenten ins Visier genommen haben: Mit Clint Eastwood konnten die Republikaner eine Legende auf ihrem Parteitag begrüssen, doch der Oscar-Preisträger blamierte sich mit einer Farce vor einem leeren Stuhl (20 Minuten Online berichtete). Das Weisse Haus reagierte, indem es ein Bild von Obama in seinem Sessel verbreitete. Dieser Stuhl ist besetzt, so die Botschaft. Das Wort «Eastwooding» macht seither im Netz die Runde.


Beim Schreiben seines Buches hat Chuck viel gelernt, sagt er. Und: Die Bibel enthält quasi alles Wissen, was man heute braucht. Quelle: YouTube/MrNorrisVideos

(phi)