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Misswirtschaft
14. August 2012 21:00; Akt: 15.08.2012 10:57 Print
Amerika tut sich schwer mit Sklaverei-Erbe
von Martin Suter - Die USA haben dutzende Nationalmuseen - aber keines, das der Sklaverei gewidmet ist. Ein Prestigeprojekt in Virginia, das den Makel beheben sollte, wird gerade an die Wand gefahren.

Das Nationalmuseum für Sklaverei in Fredericksburg wird wohl Visualisierung bleiben. (Bild: Chien Chung Pei)
Das Projekt hatte alles, was es für einen Erfolg brauchte: eine überzeugende Idee, einen hochrangigen Begründer, prominente Unterstützer, kostenloses Land und ein Architekturbüro von internationalem Rang. Aber fast zwei Jahrzehnte nach seiner Lancierung ist von Amerikas Nationalem Sklavereimuseum in Fredericksburg, Virginia, nichts als ein Schuldenberg übrig geblieben. Am Mittwoch entscheidet ein Konkursrichter womöglich, dass das ehrgeizige Vorhaben liquidiert wird - bevor auch nur eine Mauer des Museums steht.
Infografik Die Afroamerikaner in den USADie Idee für die längst überfällige Erinnerungs- und Lehrstätte stammt von Douglas Wilder. Der 81-jährige Enkel von Sklaven wurde im Südstaat Virginia 1990 als erster Afro-Amerikaner zum Gouverneur eines Bundesstaats gewählt. Fünfzehn Jahre später wurde er Bürgermeister der Stadt Richmond, der ehemaligen Südstaaten-Hauptstadt. Der Bürgerrechtspionier nahm daran Anstoss, dass jenem wichtigen Kapitel der amerikanischen Geschichte noch kein Museum von Rang gewidmet worden war.
Zwar befassen sich in den USA insgesamt über 150 Museen mehr oder weniger exklusiv mit der schwarzen Bevölkerungsgruppe. Aber das einzige dem Menschenhandel gewidmete Museum ist der historische Sklavenmarkt in Charleston, South Carolina. Daran ist jedoch bloss der Ort bedeutsam; ausgestellt sind vor allem Schautafeln mit Bildern und didaktischen Texten.
Hochtrabende Pläne, prominente Fürsprecher
Im Gegensatz dazu hatte Wilder vor, ein Sklavenschiff im Originalmassstab nachzubauen, eine Bibliothek einzurichten und auf rund
Das Projekt lief gut an, als Wilder 2001 ernsthaft mit dem Geldsammeln begann. Zu dem Ex-Gouverneur gesellten sich prominente Fürsprecher wie der Schauspieler Bill Cosby, ein früherer Uni-Präsident und der Enkel des äthiopischen Kaisers Haile Selassie. Aber 2007, am vorgesehenen Eröffnungstag, war von dem Museum noch nichts gebaut, und das Geld floss immer harziger. 2008 kamen lediglich
Ex-Gouverneur überfordert
Zu diesem Zeitpunkt versank das Projekt bereits unter einem Schuldenberg von sieben Millionen Dollar und musste Konkurs anmelden. Am meisten Geld fordert das Architekturbüro, das offenbar für seine Planungsarbeit kaum honoriert wurde. Aber auch die Stadt Fredericksburg hält die hohle Hand hin, denn angeblich schuldet das Sklavereimuseum eine Viertelmillion Dollar an Grundstückssteuern. In den vergangenen Wochen haben zudem die ersten Leihgeber von Ausstellungsstücken begonnen, ihre Wertgegenstände zurückzufordern.
Vor dem Konkursrichter hat der Projektvater beantragt, die Hälfte des Grundstücks zu verkaufen, damit die Schulden zu begleichen und sofort mit aggressivem Geldsammeln zu beginnen, um das Vorhaben wieder auf Kurs zu bringen. Bei vielen Beteiligten überwiegt die Skepsis. Man traut Wilder und seiner Assistentin den Neuanlauf nicht ohne weiteres zu. Zur Alternative steht, das ganze Projekt zu liquidieren. An einer nächsten Anhörung am Mittwoch wird der Konkursrichter womöglich eine Vorentscheidung fällen.
Konkurrenz aus Washington
Selbst bei einem für Wilder positiven Urteil hat das Sklavereimuseum den Wind zunehmend gegen sich. Nicht nur erwägt das nahegelegene Richmond, ein bescheideneres Museum in bestehenden Gebäuden einzurichten. In Washington steht zudem 2015 die Eröffnung eines Smithsonian-Museums für Afrikanisch-Amerikanische Geschichte und Kultur an. Der Neubau in der Hauptstadt entsteht mit Unterstützung aus Bundesmitteln und könnte kleinere Konkurrenzvorhaben überstrahlen.
Douglas Wilder mag zu wenig professionell und vielleicht auch zu wenig engagiert vorgegangen sein. Aber die Mühen zeigen auch, wie schwer sich Amerika nach wie vor mit der Hypothek der Sklaverei tut - selbst 147 Jahre nach ihrer Abschaffung.

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