Deutsche vor Gericht

20. Juni 2012 16:15; Akt: 20.06.2012 16:31 Print

Thomas Bucheli litt elf Jahre unter Stalkerin

von Attila Szenogrady - Eine TV-Zuschauerin belästigt den Wetterfrosch über ein Jahrzehnt lang. Sie ruft bis zu 20-mal am Tag an, nervt mit E-Mails, Briefen und Päckli. Morgen steht sie vor dem Richter.

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Jahrelang wurde Thomas Bucheli von seiner Stalkerin belästigt, mit Telefonanrufen, Briefen oder E-Mails. Alleine zwischen August und September 2011 erhielt der Meteorologe 227 Mal elektronische Post von der Frau. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Prominente zahlen oft einen hohen Preis für ihre Bekanntheit. Davon kann auch TV-Meteorologe Thomas Bucheli ein Lied singen. Er und seine Frau wurden mehrere Jahre lang von einer deutschen Fernsehzuschauerin massiv gestalkt. Am Donnerstag steht die psychisch angeschlagene Täterin vor Gericht.

Der aussergewöhnliche Fall setzte vor elf Jahren ein. Damals traf Thomas Bucheli in der Cafeteria des Fernsehstudios eine Zuschauerin aus Deutschland. Er wollte von der heute über 50-jährigen Dame wissen, weshalb sie seinen Berufskollegen Alex Rubli regelmässig mit etlichen E-Mails belästigte.

Versteckte Zeichen über den Bildschirm

Die diplomierte Ökotrophologin - ein Studium im Bereich der Haushalts- und Ernährungswissenschaften - hatte eine klare Antwort. Sie sagte, die Wetterleute sollten endlich aufhören, ihr mittels Bildschirm versteckte Zeichen zu senden. Worauf Bucheli ihr erklärte, dass man dies nicht mache, so etwas sei absurd.

Eine fatale Antwort, da die Frau seither den Fernseh-Star regelmässig belästigte. Die Staatsanwaltschaft Zürich/Sihl berichtet von zahlreichen Telefonanrufen und E-Mails der Deutschen. Eines Tages tauchte sie auch am Wohnort Buchelis auf und versuchte, die Türe aufzudrücken - vergeblich.

Bis zu 20 Anrufe pro Tag

Gemäss der Staatsanwaltschaft folgte ein jahrelanger Terror. Immer wieder stellte die Täterin der Familie Bucheli E-Mails, Briefe und Pakete zu. Eine Aufforderung Buchelis, ihn und seine Angehörigen endlich in Ruhe zu lassen, nahm die Stalkerin nicht ernst. Im Gegenteil: in den letzten sieben Jahren rief sie beinahe täglich zwei- bis zwanzigmal an und sprach in aggressivem Ton wirre Worte. Sie rief Bucheli auch am Arbeitsort an und begab sich auf das Gelände des Schweizer Fernsehens, um Bucheli abzupassen.

Im Mai 2011 begab sich die Täterin nach Sevelen, weil sie wusste, dass Bucheli dort einen Auftritt hatte. Sie ging auf ihn zu und sprach ihn an. Zwischen August und September 2011 schrieb die Beschuldigte dem Geschädigten 227 E-Mails und liess sich einen Monat später mit einem Taxi zu seinem Wohnort chauffieren. Dort liess sie eine Postsendung abgeben.

Nicht schuldfähig

Als die Frau am 2. November 2011 erneut beim Schweizer Fernsehen erschien, schlug die Polizei zu. Sie nahm die Stalkerin fest.

Am Donnerstag steht die Beschuldigte wegen Nötigung vor dem Bezirksgericht Zürich. Klar ist, dass sie aufgrund ihres psychischen Zustandes als nicht schuldfähig gilt. Sie muss deshalb nicht mit einer Freiheitsstrafe, sondern mit der Einweisung in eine stationäre Massnahme für psychische Störungen rechnen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Marianne am 22.06.2012 22:11 Report Diesen Beitrag melden

    Uebel

    Wie krank die Gesellschaft ist, zeigen 90 Prozent der Kommentare hier, die Stalkingopfer als Selberschuldige darstellen und sich als ok.

  • anonymous am 22.06.2012 12:07 Report Diesen Beitrag melden

    Stalking

    Auch ich bin (ohne mein Wissen) 35 Jahre von jemandem beobachtet worden. Seit drei Jahren weiss ich, dass ich gestalkt werde. Leider kann und darf ich nichts dagegen machen, weil mir gedroht wurde.

  • Erika am 21.06.2012 10:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Krankheit

    Das ist natürlich absolut krank. Die Einweisung ist die einzige Lösung. So ein Mensch quält sich mit dieser Krankheit und ist todunglücklich. Ihr muss geholfen werden. Wir sind so schnell dabei Jemanden zu verurteilen, ohne nach den Gründen zu fragen!

  • Jan am 21.06.2012 07:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und das soll eine strafe sein..

    Die einweisung in die klinik ist für mich keine strafe

    • David Bopp am 21.06.2012 15:12 Report Diesen Beitrag melden

      muss es ja auch nicht sein.

      Wenn sie krank ist muss sie ja nicht bestraft, sondern behandelt werden.

    • SK am 21.06.2012 15:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Keine gesetze

      Wie schon gesagt, gegen stalking gibts in der schweiz keine gesetze. Entweder geldstrafe oder psychologische hilfe. Der/die täter/in stellt sich gut an und schon ist der fall erledigt. Am eigenen leib erlebt. So ist es nun mal hier in der schweiz

    • Berti am 22.06.2012 11:40 Report Diesen Beitrag melden

      Geschlossene Klinik

      Naja, die Frau ist ja jetzt wirklich mal Krank und eine geschlossene Klinik ist wohl die einzige Möglichkeit? Was wollen Sie sonst mit ihr machen? Gefängnisse können solche Leute nicht handeln.

    • Mara Canestrari am 22.06.2012 12:04 Report Diesen Beitrag melden

      an Jan

      Hallo Jan, ich hoffe für dich und deine Angehörigen, dass nie jemand an einer Schizophrenen Psychose erkrankt. Diese Krankheit ist unvorstellbar quälend, für Betroffene und Angehörige. Und wie deine Aussage sehr schön beweist, ist das Hauptproblem dieser Krankheit, dass sie nicht verstanden wird vo Laihen. Glaube mir, dass diese Frau an dieser Krankheit leidet ist Strafe genug. Alles Gute.

    • Philippe Trachsel am 22.06.2012 20:18 Report Diesen Beitrag melden

      Blöder Beitrag

      Lieber nichts schreiben.

    einklappen einklappen
  • Michael Palomino Ale am 21.06.2012 03:38 Report Diesen Beitrag melden

    Wo war die Verteidigung?

    Aber Handy-Anrufe kann man blockieren und E-Mail-Adressen kann man auch blockieren. Fehlte da ein elektronischer Verteidigungskurs?