Horrorgewinne

29. November 2012 23:53; Akt: 30.11.2012 15:48 Print

Im Lotto gewonnen, im Leben verloren

von Patrick Toggweiler - Jede Woche werden Dutzende Menschen zu Lotto-Millionären. Doch das schnelle Geld birgt Gefahren. Tödliche Gefahren, wie drei Schicksalsschläge zeigen.

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Pleite nach dem grossen Gewinn – für viele Lottogewinner in den USA wird das Horrorszenario real. Für zu viele. Wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, verprassen nach Schätzungen einer US-Stiftung 70 Prozent der Jackpotknacker binnen weniger Jahre ihren Gewinn. Verprassen ist das eine, es kann aber noch viel schlimmer kommen.

Jack Whittaker – 315 Millionen Dollar

Der erfolgreiche Geschäftsmann Jack Whittaker aus West Virginia hatte nach seinem Rekordgewinn bei der Powerball-Lotterie 2002 die Qual der Wahl. Er musste sich zwischen einem 314.9 Millionen-Dollar-Gewinn in Raten oder einer einmaligen Auszahlung von 170 Millionen Dollar entscheiden. Der bereits vermögende Whittaker wollte sein Geld sofort – und bekam nach Abzug der Steuern 114 Million Dollar. Immer noch genug, um damit richtig unglücklich zu werden.

Zehn Prozent seines Gewinns spendete er verschiedenen Kirchen, mit 14 Millionen gründete er die Jack Whittaker Foundation, um Armen Leuten Lebensmittel und Kleider zu finanzieren, ausserdem schenkte er der Losverkäuferin ein Haus, einen Truck und 50'000 Dollar Bargeld. Doch nicht alle verkrafteten Whittakers finanzielle Unterstützung.

Im September 2004 starb der 18-jährige Jesse Tribble in Whittakers Haus an einer Überdosis. Jesse war der Freund von Whittakers Enkelin Brandi Bragg, die ebenfalls nicht mehr lange leben sollte. Nur drei Monate nach Jesses Ableben wurde Brandi tot in Plastikfolie eingewickelt gefunden – auch sie erlag einer Überdosis. Fünf Jahre später beklagte Whittaker den nächsten Todesfall: 2009 starb seine Tochter Ginger.

Whittaker selber begann zu trinken und verkehrte immer öfter in Stripklubs. Zweimal wurde sein Wagen geknackt – einmal erbeuteten Diebe 545'000 Dollar, einmal 200'000 Dollar. Seine einst erfolgreiche Baufirma wurde immer öfter verklagt. Heute soll Whittaker pleite sein. «Ich wünschte, ich hätte das Ticket zerrissen», lautet sein Fazit über einen der höchsten Lottogewinne der USA.

William Post III – 16.2 Millionen Dollar

William Post III hatte keine 3 Dollar mehr auf seinem Bankkonto, als er 1988 den Jackpot knackte. Im Gegenteil zu Jack Whittaker entschied sich Post aber dafür, den Gewinn in Raten zu beziehen. Das Pech kam dann aber sofort. Bereits drei Monaten nach der ersten Gewinnauszahlung blieb dem Gelegenheitsarbeiter nur noch eine halbe Million Schulden. Der Mann hatte sich unter anderem ein Restaurant und einen Privatjet geleistet.

Ähnlich unbeholfen reagierte Posts Bruder. Er setzte auf seinen Bruder und dessen sechste Ehefrau einen Killer an. Doch auch William Post war kein Kind von Traurigkeit: Er feuerte auf einen Mann, der bei ihm Schulden eintreiben wollte. Apropos Schulden: Posts finanzielle Probleme gingen so weit, dass er seinen gesamten Gewinn für einen Bruchteil des Werts an eine dafür spezialisierte Firma «verkaufte».

1996 verprasste Post sein letztes Geld, sass für ein paar Monate im Gefängnis und lebte danach von 450 Dollar Invalidenrente. Post starb 2006 völlig verarmt: «Ich war glücklicher, als ich pleite war», resümierte er sein Leben gegenüber der «Washington Post».

Michael Carroll - 9.7 Millionen Pfund

Der Brite Michael Carroll war gerade mal 19 Jahre alt, als er 2002 scheinbar das grosse Los zog – und er trug eine elektronische Fussfessel wegen Trunkenheit und ordnungswidrigen Verhaltens. Sein Lottogewinn förderte dieses Verhalten zusätzlich.

Trotz Frau und Kind feierte Carroll wilde Sexpartys in seiner neuen Luxusvilla. Im Hinterhof veranstaltete er Autorennen, die darin endeten, dass er sein Fahrzeug in Brand steckte. Zu Spitzenzeiten konsumierte Carroll Drogen im Wert von 2000 Pfund pro Tag – denselben Betrag gab er 2003 täglich für Prostituierte aus.

Acht Jahre später war Carrolls Geld weg, seine Luxusvilla verlassen. Gangster hatten den einstigen Millionär vertrieben und dabei ein Massaker an seinen zwölf Hunden angerichtet. Carroll begann wieder als Müllmann zu arbeiten: «Ich bereue einiges – nicht aber die vielen Frauen. Es ist einfacher, von 42 Pfund pro Woche zu leben als von einer Million», blickte der Brite auf seine wilden Jahre zurück. Schlagzeilen machte Carroll das letzte Mal im Jahr 2011 mit zwei Selbstmordversuchen.

P.s.: Nächsten Freitag geht es bei der Ziehung der Euromillions um 40 Millionen Franken, im Swiss Lotto am Samstag um 11,3 Millionen.