Nackte Bedrohung

10. November 2011 02:42; Akt: 10.11.2011 11:10 Print

«Sexting» bringt Junge in die Bredouille

von Zora Schaad - Der Trend, dass sich Jugendliche gegenseitig Nacktbilder von sich zusenden, hat oft böse Folgen. Zudem kann das sogenannte «Sexting» strafbar sein. Experten schlagen Alarm.

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Immer mehr Jugendliche senden sich gegenseitig Nackbilder zu. (Bild: colourbox.com)

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Als die 14-jährige Anna mit ihrem Freund Schluss machte, ahnte sie nicht, was das für Konsequenzen haben würde: Aus Rache zeigte ihr Ex-Freund Nacktbilder von ihr im Freundeskreis herum und stellte sie online. Sie hatte ihm die Fotos als Liebesbeweis geschickt.

Für Bernadette Schnider, Beraterin bei der «Berner Gesundheit», ist dies kein Einzelfall. Immer öfter senden sich Jugendliche auf ihren Smartphones gegenseitig eigene Nacktbilder oder stellen die Fotos online. Zu sehen sind nicht etwa Pornosternchen, sondern Aufnahmen von gleichaltrigen Kolleginnen. «Seit Anfang Jahr höre ich sehr oft von Problemen mit Sexting, also dem Versenden von erotischen Bildern von und durch Minderjährige mit dem Handy», sagt Mark Saxer, Geschäftsführer des Schweizer Polizei Informatik Kongresses.

Bei der Stadtpolizei Zürich weiss man gar von Fällen, in denen «Mädchen später mit den Bildern erpresst wurden», so Medienchef Marco Cortesi. «Dies kann Jugendliche an den Rand des Selbstmords treiben.»

Nacktbilder als Liebesbeweis

Hinter dem Phänomen Sexting steht laut Experten der Gruppendruck: «In einigen Freundeskreisen gilt es als Liebes- oder Freundschaftsbeweis, einander solche Bilder auszuhändigen», so Schnider. Die australische Wissenschaftlerin Shelly Walker geht sogar noch einen Schritt weiter «Haben männliche Jugendliche keine solchen Fotos, laufen sie Gefahr, als schwul zu gelten oder ausgeschlossen zu werden.» Auch sexuelle Belästigungen als Folge der offenherzigen Bilder seien keine Seltenheit, ergänzt Schnider. Verschärft wird das Problem dadurch, dass das Internet nichts vergisst: «Schicken Jugendliche Nacktbilder herum, bleiben diese online dauerhaft auffindbar», so Marc Goldoni, Medienexperte von Pro Juventute.

Doch damit nicht genug: «Jugendliche können sich der Verbreitung von Pornografie strafbar machen, wenn sie Nacktbilder von sich oder anderen verschicken», warnt der Polizeisprecher. Auch der Besitz solcher Bilder sei strafbar.

«Können keine Handykontrollen machen»

Die Täter zu bestrafen, sei indes nicht einfach: «Wir können keine Handykontrollen machen», so Cortesi. Deshalb setze die Polizei ganz auf Prävention und Information bei den Eltern. Doch Cortesi macht sich keine Illusionen: «Es ist zu befürchten, dass uns das Phänomen vollends erfassen wird.»

Sexting hat seinen Ursprung im angelsächsischen Raum und ist dort weit verbreitet: Gemäss einer aktuellen amerikanischen Studie der «American Public Health Association» geben 13 Prozent der High School-Schüler an, schon einmal Sexting-Nachrichten empfangen zu haben. 10 Prozent haben solche Photos auch schon verschickt, weitergeleitet oder veröffentlicht, berichtet die «Detroit Free Press».

Auch in Kanada hält der Jugendtrend die Polizisten auf Trab: «Auch 13-jährige versenden Nacktbilder von sich. Einige Bilder zeigen sogar den sexuellen Akt», so ein Beamter gegenüber der «Vancouverite». Er rät Eltern, mit ihren Kindern über Sexting zu sprechen, denn: «Sexting kann zu sexuellem Missbrauch oder gar zu Kinderpornografie führen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sozialarbeiter-50j am 27.03.2013 18:14 Report Diesen Beitrag melden

    Macht nicht die Opfer zu Tätern/-innen

    Evt. unüberlegtes Verhalten hin oder her. Wer bei den geschilderten Gefahren strafbar tätig ist, sind jene, die möglicherweise kompromittierende Bilder von andern Menschen ins Netz stellen. Diesen Tätern/-innen gehört die Empörung und die Bestrafung!

  • Gregor Ettlin, Basel am 27.03.2013 18:40 Report Diesen Beitrag melden

    Erziehung zu Respekt, nicht zu Prüderie!

    Schaut bitte betreffend Erziehungsvorwürfen genauer hin: Was muss verhindert werden? Dass junge Menschen miteinander intime Fotos austauschen dürfen? Wohl eher, dass solche Verletzungen passieren. Also darauf hin erziehen, dass alle jungen Menschen lernen, mit Intimem und AnVERTRAUTem sorgfältig umzugehen und auch im Moment der Wut/im Trennungsschmerz nicht jemanden durch Publikation von Intimem zu verletzen - also Gewalt auszuüben! Der Vorwurf der Unvorsichtigkeit kuscht vor den Tätern/Täterinnen und gibt ihnen die Möglichkeit, weiter zu verletzen - und macht sich somit mitschuldig!

  • guten berg am 10.11.2011 16:13 Report Diesen Beitrag melden

    Frage / Hilfe

    Wo gibt's denn nun diese Panini Alben für meine Nacktfoto Sammlung? Habe eben am Kiosk gefragt - die Verkäuferin hat mir jedoch lediglich ein paar Schokoriegel an den Kopf geschmissen. Wer kann mir weiterhelfen?!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Gregor Ettlin, Basel am 27.03.2013 18:40 Report Diesen Beitrag melden

    Erziehung zu Respekt, nicht zu Prüderie!

    Schaut bitte betreffend Erziehungsvorwürfen genauer hin: Was muss verhindert werden? Dass junge Menschen miteinander intime Fotos austauschen dürfen? Wohl eher, dass solche Verletzungen passieren. Also darauf hin erziehen, dass alle jungen Menschen lernen, mit Intimem und AnVERTRAUTem sorgfältig umzugehen und auch im Moment der Wut/im Trennungsschmerz nicht jemanden durch Publikation von Intimem zu verletzen - also Gewalt auszuüben! Der Vorwurf der Unvorsichtigkeit kuscht vor den Tätern/Täterinnen und gibt ihnen die Möglichkeit, weiter zu verletzen - und macht sich somit mitschuldig!

  • Sozialarbeiter-50j am 27.03.2013 18:14 Report Diesen Beitrag melden

    Macht nicht die Opfer zu Tätern/-innen

    Evt. unüberlegtes Verhalten hin oder her. Wer bei den geschilderten Gefahren strafbar tätig ist, sind jene, die möglicherweise kompromittierende Bilder von andern Menschen ins Netz stellen. Diesen Tätern/-innen gehört die Empörung und die Bestrafung!

  • Carlos am 10.11.2011 21:30 Report Diesen Beitrag melden

    Job in Gefahr

    Versende nie etwas an eine Teilöffentlichkeit (Freund, Facebook,Twitter usw.) wenn du nicht willst, das es irgendwann gegen dich verwendet wird. Bsp. beim Stellenantritt gibt es Firmen welche deine Inet Vergangenheit überprüfen. Mitarbeiter=Image der Firma, also spielt diesen Faktor nicht so herunter. Zudem sind gewisse Bilder auch ein Kündigungsgrund!!! Wer eine Karriere plant sollte lieber auf die Veröffentlichung von Nachtbildern verzichten. Der jugendliche Leichtsinn wirkt sich sonst negativ die Zukunft aus.

  • Schoggel am 10.11.2011 19:51 Report Diesen Beitrag melden

    Selber denken!

    Oh"sie werden erpresst" , wer nicht so weit überlegen kann ist selber schuld. Und wenn Jungs als schwul bezeichnet werden wenn sie keine solche Bilder haben, sie solletn sich vieleicht besser ein mal Gadanken über ihren Kollgeen Kreis machen.

    • leon am 20.05.2012 16:57 Report Diesen Beitrag melden

      der sex

      sex haben

    einklappen einklappen
  • Tobias Wyser am 10.11.2011 16:34 Report Diesen Beitrag melden

    Früher war alles ...

    Hätten wir früher genau so getan, hätten wir die technologischen Mittel gehabt. Aber auf einem Nokia 3210 war sexting nicht prickelnd sondern im besten Falle ein ASCII Bildchen