«Ich bin kein Opfer»

11. Oktober 2017 21:01; Akt: 11.10.2017 21:01 Print

So reagiert das Model aus der Dove-Werbung

Als Dove sie als das neue Gesicht für ein neues Duschgel wollte, zögerte Lola Ogunyemi keine Sekunde. Nie hätte sie gedacht, dass der Clip international für Empörung sorgen würde.

Die Dove-Werbung, die einen Shitstorm auslöste. Als erste Frau im Clip zu sehen: Lola Ogunyemi.
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Nur drei Sekunden lang dauerte der Werbeclip von Dove. Die darauffolgende Empörung dauerte wesentlich länger. Als «rassistisch» wurde das Video vielfach angeprangert, das die Kosmetikfirma auf Facebook stellte. Darin zieht eine schwarze Frau ihr T-Shirt aus und verwandelt sich in eine weisse Frau, die wiederum ihr Shirt über den Kopf zieht. Darunter erscheint eine dritte Frau.

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Jetzt hat sich das schwarze Model zu Wort gemeldet. Sie ist im Werbeclip als Erste zu sehen. Lola Ogunyemi verteidigt die Aufnahme, sagt, der Clip sei weit davon entfernt, schwarze Frauen zu diskriminieren. «Ich finde nicht, dass es rassistisch war», sagt sie in einem Interview mit BBC am Mittwoch.

Das Bild, das in den sozialen Medien kursierte und hauptsächlich sie und das weisse Model zeigt, sei nur ein Teil des Videos und so aus dem Kontext gerissen worden, kritisiert Ogunyemi. Das fürs Fernsehen produzierte Original dauere 30 Sekunden und beinhalte mehr Bilder. Weiter verdeutliche der Slogan die Message, dass alle Frauen Qualitätsprodukte verdienten. «Die Screenshots, die die Medien im Sturm erobert haben, zeichnen ein etwas anderes Bild», sagte sie.

Am Set gefiel die Idee allen

Die Kosmetikfirma Dove hat sich aufgrund der weltweiten Empörung für die Duschgel-Werbung entschuldigt. Wie Ogunyemi in einem Beitrag für den britischen «Guardian» schreibt, kann sie diesen Schritt nachvollziehen. Gewünscht hätte sie sich aber, dass Dove das Konzept erklärt, seine kreative Vision stärker verteidigt hätte.

Am Set habe sie sich extrem wohl gefühlt. «Wir alle fanden die Idee, hautfarbene T-Shirts zu tragen und uns ineinander zu verwandeln, aufregend», schreibt sie. Jede hätte die Message dahinter, nämlich dass jede Haut dieselbe gute Pflege verdient, verstanden.

Stolz und verletzt

Lola Ogunyemi hat nigerianische Eltern, ist in London geboren und in den USA aufgewachsen. Seit sie ein kleines Mädchen war, wurde ihr gesagt: «Du bist schön – für ein dunkelhäutiges Mädchen.» Sie sei sich schon früh bewusst gewesen, dass die Gesellschaft helle Haut schöner findet als dunkle.

Und dann kam die Anfrage von Dove. «Ich war aufgeregt, Teil einer Kampagne zu sein, die Stärke und Schönheit meiner Herkunft zeigt. Dass darauf mit Wut reagiert wird, hat mich verletzt», schreibt die junge Frau in dem Beitrag.

Niemals hätte sie ihr Gesicht für eine Werbung hergegeben, wenn sie auch nur eine Sekunde das Gefühl gehabt hätte, als minderwertig dargestellt zu werden. Sie habe den Clip ein erstes Mal auf Facebook gesehen und ihn toll gefunden: «Ich liebte ihn. Meine Freunde und meine Familie liebten ihn. Ich war stolz.»

Und sie betont: «Ich bin nicht nur irgendein stilles Opfer einer schiefgelaufenen Schönheitskampagne. Ich bin stark, ich bin schön – und ich werde nicht gelöscht.»

(kko)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kommentator am 11.10.2017 21:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo

    Gutes Statement. Die Empörung über den Clip war eine völlig übertriebene - leider für unsere Gesellschaft typische - Reaktion auf NICHTS

  • Luna am 11.10.2017 21:15 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte was?

    Man muss schon sehr danach suchen, um in diesem Clip etwas rassistisches zu sehen. Die Idee wäre mir persönlich nie gekommen. Dem Model offenbar auch nicht.

  • Kevin V am 11.10.2017 21:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sicher kein solcher Hintergedanke...

    Jetzt wird es langsam schwierig... da kann wohl keine Werbeagentur mehr etwas machen ohne Gefahr zu laufen sich irgendwie diskriminierend gegen irgend eine Gruppe zu verhalten

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mimi am 12.10.2017 17:03 Report Diesen Beitrag melden

    Beyonce und co.

    Wenn es Menschen gibt die gerne heller werden und nicht ganz schwarz ist das zum Teil auch den Stars zu verschulden. Wieso machen sich Beyonce und co. heller als sie sind? Jackson war weiss. Beyonce trägt blonde Perücken und steht nicht zu ihrem Afro. Sie hellt sich auf. Sie machen Nosejobs um eine schmalere Nase zu haben. Lil Kim ist total entstellt. Rihanna und Beyonce stehen schon lange unter Bleaching-Verdacht. Ich habe eine Kollegin die davon Hautkrebs bekam. Wenn die Stars damit aufhören würden dann hätten die Schwarzen mal eine Identifikationsfigur. Aber nein!

  • Dove Creme am 12.10.2017 15:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles nur Dove Werbung

    Ich finde die Werbung, die für die Werbung, Werbung macht, genial :)

  • Captain Hindsight am 12.10.2017 14:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    PC um jeden Preis

    Als ob die diskriminierten darüber entscheiden, wann sie diskriminiert sind. Das mit der PC ist schon lange entgleist. Längst wird das Thema zur Denunzierung und Erpressung dritter missbraucht und nicht mehr zur Förderung des Zusammenlebens genutzt.

  • PausD am 12.10.2017 11:32 Report Diesen Beitrag melden

    Bin ich blöd?

    Wo genau ist das Problem? Ich sehe 3 Menschen die ein T-Shirt ausziehen. Ist es nicht viel mehr so, dass man den Kritikern dieses Clips rassismus vorwerfen sollte?! Wenn man streng nach den Regeln "Es sind Menschen" geht, so unterscheidet niemand mehr zwischen schwarz und weiss, doch die Kritiker tun dies. Wieso? Wieso muss die Farbe der Haut zum Thema gemacht werden?

  • Claroline am 12.10.2017 11:14 Report Diesen Beitrag melden

    Ist immer so.

    Ist ja auch bei der Mohrenkopf-Debatte so. Es enervieren sich nur weisse einheimische Frauen, ansonsten niemand. Hier das beste Beispiel, heuchlerisches Entsetzen, nur die betreffende Person stört es überhaupt nicht.