Geschichte eines Schiffbruchs

01. November 2017 15:44; Akt: 02.11.2017 10:24 Print

«Da stimmt etwas nicht»

Fünfeinhalb Monate irrten zwei angeblich schiffbrüchige Frauen im Pazifik, bevor sie vergangene Woche gerettet wurden. Nun wachsen jedoch die Zweifel an der Geschichte der Frauen.

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Jennifer Appel (rechts) und Tasha Fuiava mit ihren Hunden auf dem Deck der USS Ashland nach ihrer «Rettung».

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Ihre Geschichte über eine fast halbjährige Irrfahrt auf See und schliesslich das Happy End löste über die USA hinaus Schlagzeilen aus: Unwetter, Motorausfall, ein beschädigter Mast und Kommunikationsgeräte, die nicht funktionierten - eine Kette schicksalhafter Ereignisse, die zwei Amerikanerinnen nach eigenen Angaben zu Schiffbrüchigen und einen geplanten mehrwöchigen Segeltörn zu einem monatelangen Abenteuer machten.

Aber war es wirklich alles so? Überprüfungen haben eine wachsende Reihe von Ungereimtheiten in der Schilderung der beiden Hawaiianerinnen ergeben, die am Mittwoch vergangener Woche mit ihren zwei Hunden von der US-Marine geborgen wurden.

Jennifer Appel und Tasha Fuiava waren nach eigenen Angaben am 3. Mai 2016 von Hawaii mit ihrem Segelboot nach Tahiti aufgebrochen, gerieten dann gleich in ein Unwetter, erlitten zahlreiche Pannen und kamen Tausende Kilometer vom Kurs ab. Sie überlebten, so sagen sie, weil sie Proviant für ein Jahr an Bord hatten.

Notfunkbake nie benutzt

Wie die Küstenwache aber jetzt mitteilte, aktivierten die Frauen niemals ihre Notfunkbake, die ihre Position angezeigt hätte. Der Nachrichtenagentur AP hatten die Seglerinnen zuvor gesagt, dass sie Radios, Satellitentelefone, GPS und anderer Notfallausrüstung an Bord gehabt hätten. Die Notfunkbake erwähnten sie nicht. Eine Überprüfung durch die Küstenwache und folgende Befragungen der Hawaiianerinnen ergab dann, das sie ein solches Gerät auf der «Sea Nymph» dabei hatten, es aber nie benutzten.

Appel erklärte das nun damit, dass die Funkbake nach ihrer Erfahrung nur dann benutzt werden sollte, wenn man sich in unmittelbarer körperlicher Gefahr befinde. «Unser Bootskörper war solide, wir trieben auf dem Wasser, wir hatten Nahrung, wir hatten Trinkwasser, und wir hatten eine begrenzte Manövrierfähigkeit», sagte Appel. «Alle diese Dinge deuteten nicht darauf hin, dass wir in Todesgefahr waren. Sie sagten uns nur, dass es eine ganze Weile länger dauern wird, bis wir unser Ziel erreichen.» Davor hatten die Frauen angegeben, dass sie kurz vor dem Aufgeben gestanden hätten, als die US-Marine sie rettete.

Zweifel an der Darstellung der beiden Frauen

Phillip R. Johnson, ein pensionierter Beamter der Küstenwache, der früher für Such-und Rettungsoperationen zuständig war, ist überzeugt, dass die Seglerinnen gefunden worden wären, hätten sie die Funkbake benutzt. «Wenn das Ding funktioniert hat und eingeschaltet worden wäre, hätte ein Signal sehr, sehr schnell angezeigt, dass ihr Boot in Seenot war.»

Johnson hat auch so seine Zweifel an der Darstellung der beiden Frauen, dass sie sechs Arten von Kommunikationsmitteln gehabt, aber alle nicht funktioniert hätten. «Da stimmt etwas nicht», sagt er. «Ich habe noch niemals davon gehört, dass alle Mittel zur selben Zeit ausgefallen wären.»

Auch Angaben der Seglerinnen über das Wetter und andere Details ihrer Schilderungen erscheinen ungereimt und konnten nicht von aussen bestätigt werden. So beschrieben Appel und Fuiava, wie sie gleich am ersten Tag auf See in einen fürchterlichen Sturm geraten seien, der drei Tage lang mit ihrem Boot gespielt habe. Dabei habe sie auch ihr Handy verloren, sagte Appel. Aber insgesamt hätten sich beide Frauen durch das Wissen bestärkt gefühlt, dass sie und das Boot «den Naturkräften widerstehen können».

Nur: Meteorologen zufolge gab es zum damaligen Zeitpunkt und auch den Tagen danach kein Unwetter dieser Art auf der Segelroute der Frauen. Das wird auch durch archivierte Satellitenaufnahmen der Raumfahrtbehörde Nasa bestätigt.

Häfen hätten ein Anlaufen ermöglicht

Die beiden Frauen gaben weiter an, dass sie nach dem Sturm ans Umkehren gedacht hätten. Aber das sei nicht gegangen, weil es auf den Hawaii-Inseln Maui und Lanai keine Häfen gebe, die tief genug für ihr Segelboot seien. Dieses ist jedoch mit seinen 15 Metern Länge relativ klein, und Häfen auf beiden Inseln hätten ein Anlaufen ermöglicht. Ausserdem: Big Island, die südlichste der Hawaii-Inseln, bietet gleich mehrere Stellen zum Andocken.

Wie auch immer: Die Frauen blieben auf See. Tage später, nachdem Teile der Masten und Takelage beschädigt worden waren, segelten sie nach eigener Schilderung auf eine andere kleine Insel zu. Der Motor habe da noch funktioniert. Aber am Ende hätten sie sich entschieden, nicht zu versuchen, an der Insel festzumachen - in der Überzeugung, dass sie weitgehend unbewohnt und das Wasser an ihrer Küste zu niedrig sei, um dort anzulegen.

Doch auf der zu Kiribati gehörenden Weihnachtsinsel leben mehr als 2000 Menschen, und die Insel hat einen Hafen, in den regelmässig grosse kommerzielle Schiffe einlaufen. Auch hatten die Frauen Leuchtgeschosse an Bord: Sie hätten damit Menschen an Land auf sich aufmerksam machen können.

Motor nach Sturm ausgefallen

Wenig plausibel klingen auch andere Erklärungen dafür, warum sie dort keine Hilfe suchten und sich stattdessen ein neues Ziel in ungefähr 1600 Kilometer Entfernung setzten. Dieses Ziel waren die Cookinseln, aber die Frauen erreichten sie nicht: Ende Mai habe der Motor ihres Bootes in einem weiteren Sturm den Geist aufgegeben, sagten sei.

Die Küstenwache hatte im Juni nahe Tahiti Radiokontakt mit einem Boot, das sich als «Sea Nymph» identifizierte und dessen Besatzung nach eigenen Angaben nicht in Seenot war. Im Gegenteil erwarte man, am nächsten Morgen an Land anzudocken, hiess es. Entdeckt wurden die Frauen und ihre Hunde schliesslich im westlichen Pazifik 1450 Kilometer südöstlich von Japan - allesamt bei guter Gesundheit.

(amu)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • RoCh am 01.11.2017 17:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bewusste Auszeit

    Ich vermute, die beiden Frauen hatten gefallen an ihrem Segelturn gefunden und hatten keine Lust mehr wieder ins Hansterrad zu springen und wollten so die Reise nicht beenden und lebten in ihrer eigenen Welt, ohne stress und forderndem Job...

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  • EMM. am 01.11.2017 17:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zitat

    ((Entdeckt wurden die Frauen und ihre Hunde schliesslich im westlichen Pazifik 1450 Kilometer südöstlich von Japan - allesamt bei guter Gesundheit)) Ende gut alles gut. Wenn sie sich schon Profilieren wollen, dann müssen sie schon Glauwürdigere Geschichte aufbrinegen. Hauptsache sie können sich in bester Gesundheit erfreuen, und der rest ist reine Zeitverschwendung.

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  • Pummelfee am 01.11.2017 18:47 Report Diesen Beitrag melden

    Komm ich jetzt im Fernsehen?

    So viele Leute setzen alles daran, um sich irgendwie zu profilieren. Vielleicht hätte Bohlen diese Supertalente abgewiesen und man suchte darum andere Wege.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bettina am 02.11.2017 14:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abfahrt am 3. Mai 2016?

    Wenn sie erst jetzt gefunden wurden waren das ja anderthalb Jahre! Eine reife Leistung. Das haben weder Kolumbus, Magellan och Leifur Eirikson geschafft. Oder hat sich ein Journi bloss beim Abschreiben vertippt?

  • Jack Sparrow am 02.11.2017 11:48 Report Diesen Beitrag melden

    Rimas der Weltumdrifter

    Die Damen hatten immerhin mehr Glück als Rimas, der Weltumdrifter. Der ist vor ein paar Monaten vor den Fijiinseln verloren gegangen, als ihn die Strömung/Sturm gegen ein Riff getrieben hat und er nicht wusste, wie man drumrum segelt.

  • Marek am 02.11.2017 08:19 Report Diesen Beitrag melden

    unglaubwürdig

    Essensvorräte für 1 Jahr ? ich bezweifel das ihr Reise so lange gedauert hätte. Klingt nach geplant

    • Anna Espinoza am 02.11.2017 08:51 Report Diesen Beitrag melden

      Wasser?

      Essensvorräte für 1 Jahr. Und was ist mit dem Trinkwasser?

    • arada am 02.11.2017 09:20 Report Diesen Beitrag melden

      genug zu trinken

      Wasser hats ja mehr als genug ums Schiff.

    • Besserwisser am 02.11.2017 10:12 Report Diesen Beitrag melden

      @arada

      Weist du was mit dem Menschlichen Körper passiert, wenn Meerwasser (Salzwasser) getrunken wird?? Frag mal Google...

    • Dani am 02.11.2017 12:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Besserwisser

      Sie hatten, oh Zufall, eine Handbetriebene Umkehrosmose Pumpe dabei. Entsalzt bis 1l Wasser pro Stunde. Plus Gratismuskeltraining dazu.....

    • 20minLeser am 02.11.2017 12:54 Report Diesen Beitrag melden

      wie bei anderen Schiffen

      @Besserwisser, und Du weisst schon, dass es Verdampfungsmethoden, Umkehrosmose und anderes gibt, um Frisch- und Trinkwasser zu gewinnen? Ansonsten Google fragen ...

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  • Max am 02.11.2017 07:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch klar

    Natürlich stimmt die Geschichte nicht. Denn sie wurden von Aliens mitsamt dem Segelschiff entführt und in eine andere Dimension gebracht. Danach hat man ihnen das Bermuda Dreieck von der anderen Dimension gezeigt und erklärt das man von hier aus wieder zurück gehen kann wenn man will etc. So ist es doch gewesen oder? Ja die Medikamente wurden abgesetzt. ;-)

  • Markus im AG am 02.11.2017 07:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Staat schummelt auch

    Frau (en) können ja versuchen ihre halbwahre Geschichte zu versilbern. Mondlandungsfilm, einsturz der 3 Gebäude am 11.9 , Kennedy usw.